Die "Fairknallt"-Autorin im Interview
Marie Nasemann: "Richtig genießen kann ich die Schwangerschaft nicht"

Marie Nasemann zeigt in ihrem Blog "Fairknallt", dass Nachhaltigkeit auch stylisch sein kann.
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  • Foto: Muriel Liebmann
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Marie Nasemann (32) schwelgt im Familienglück. Vor wenigen Tagen gab sie ihrem Verlobten Sebastian Tigges, mit dem Nasemann gerade Kind Nummer zwei erwartet, das Jawort. Selbst bei ihrer Hochzeit setzte die Influencerin, die sich unter anderem für Fair Fashion starkmacht, auf Nachhaltigkeit. Sie heiratete im Hochzeitskleid ihrer Mutter, das sie zuvor etwas umgestaltet hat.

Für Nasemann muss es nicht immer das Neueste sein. Besitz und Wohlstand würden nur bis zu einem gewissen Grad glücklich machen, schreibt die ehemalige "Germany’s next Topmodel"-Kandidatin in ihrem Buch "Fairknallt - Mein grüner Kompromiss" (Ullstein). Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt sie: "Zum Glücklichsein brauche ich meine Familie um mich herum, ein bisschen Sonne im Gesicht und einen Teller frische Pasta. That’s it." Wie sie es auch in ihrem Job als Model schafft, umweltfreundlich zu leben und worauf sie insbesondere bei Mode achtet, verrät sie im Interview.

Dass Sie nach Ihrer Zeit bei "Germany’s next Topmodel" auch kleine Strecken häufig geflogen sind, ist Ihnen heute peinlich. Wie reisen Sie mittlerweile?

Marie Nasemann: Ja, ich fand mich irre cool mit meiner Vielfliegerkarte. Innerhalb Deutschlands reise ich schon lange nur noch mit dem Zug und unsere Urlaube planen wir, so gut es geht, in Zug- oder Autonähe in Europa. Aber ich glaube, wenn der nächste Berliner Winter wieder so kalt wird, müssen wir einmal in die Sonne flüchten und Langstrecke fliegen. Die Tonnen CO2 die dabei entstehen, kompensiere ich über eine Kompensationsplattform.

Sie haben vor einigen Jahren beschlossen, keine sogenannte Fast Fashion mehr zu tragen. Wonach wählen Sie Ihre Kleidung aus? Müssen Sie auch irgendwo zurückstecken?

Nasemann: Ich habe Shoppen als Hobby abgelegt und verbringe meine freie Zeit lieber in der Natur oder mit geliebten Menschen. Ich leihe mir jobbedingt Fair Fashion bei Labels aus, um Menschen Inspiration über meinen Blog zu geben und zu zeigen, wie schön nachhaltige Mode sein kann. Wenn ich etwas kaufe, ist das entweder Fair Fashion, Second Hand oder Vintage. Mit der Kombi muss man styletechnisch auf nichts verzichten.

In Ihren Blog stecken Sie sehr viel Leidenschaft und werben für nachhaltige Kleidung. Wie hat sich das auf Ihre Karriere als Model und als Schauspielerin ausgewirkt?

Nasemann: Als klassisches Model arbeite ich gar nicht mehr. Wenn ich heute für Magazin- oder Werbeshootings gebucht werde, geht es um mich als Person und ich habe ein ganz anderes Mitspracherecht. Ich schicke vorher eine Liste mit den von mir überprüften Fair Fashion Brands und bitte den Stylisten oder die Stylistin, sich daran zu orientieren. Bei Schauspiel-Drehs bringe ich gerne Fair Fashion aus meinem Kleiderschrank mit, an der wir uns dann auch für mein Kostüm bedienen können.

Denken Sie, die Corona-Krise dient auch der Nachhaltigkeit, da Menschen vielleicht bewusst geworden ist, dass sie keine ständigen Reisen und immer die neueste Mode brauchen?

Nasemann: Ja, ich denke viele Menschen haben erkannt, was wirklich wichtig ist im Leben: Gesundheit, der Austausch mit anderen Menschen, Umarmungen. Ich bin gespannt, welche langfristigen Auswirkungen die Pandemie auf unser Konsumverhalten hat. Bei den Modekonzernen habe ich schon das Gefühl, dass teilweise ein Umdenken stattgefunden hat und sich zum Beispiel Labels dazu entschieden haben, weniger häufig neue Kollektionen herauszubringen.

Wie wollen Sie Ihren Kindern Nachhaltigkeit vermitteln?

Nasemann: Ich glaube, am meisten erreicht man durch das Vorleben und Bewusstsein schaffen. Aber ohne streng zu erziehen, sondern mit Spaß an der Sache. Ich habe Bilder im Kopf, wie ich einmal später mit meinen Kindern am Strand Müll sammle und wir zusammen auf dem Flohmarkt stehen, wie wir Tier-Dokus gucken und ich ihnen zeige, wie man Socken flickt. Das sind schöne Bilder.

Wie erleben Sie aktuell die Schwangerschaft? Was ist anders im Vergleich zur letzten?

Nasemann: Ich hatte leider wieder recht starke Übelkeit und im Anschluss direkt Symphysenschmerzen. So richtig genießen kann ich wohl leider auch diese Schwangerschaft nicht. Aber dieses Mal weiß ich besser damit umzugehen und kenne schon Tipps und Tricks, die mir helfen. Ansonsten läuft die Schwangerschaft eher so nebenbei mit und ich muss mir viel bewusster Auszeiten nehmen, in denen ich meinen Bauch mal richtig genieße und realisiere, was da gerade für ein Wunder in mir passiert.

Wie haben Sie Ihrem Sohn erklärt, dass er ein Geschwisterchen bekommt? Freut er sich?

Nasemann: Mit einem Jahr ist er definitiv zu jung dafür, das zu verstehen. Aber wir sind gespannt, wie er den kleinen Menschen aufnehmen wird. Ich kann definitiv verstehen, wenn sich seine Freude in Grenzen hält, dass er die Aufmerksamkeit von Mama und Papa mit jemandem teilen muss.

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