Rente erst mit 70 oder 4-Tage-Woche
Kommt im Kampf gegen den Fachkräftemangel jetzt die 42-Stunden-Woche?

Industriepräsident Siegfried Russwurm hat sich für eine 42-Stunden-Woche ausgesprochen. (Symbolbild)
  • Industriepräsident Siegfried Russwurm hat sich für eine 42-Stunden-Woche ausgesprochen. (Symbolbild)
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Können längere Arbeitszeiten pro Woche den wohl noch weiter zunehmenden Fachkräftemangel in Deutschland ausgleichen? Ja, findet zumindest Siegfried Russwurm, der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Dem Präsident des BDI nach wäre ein Anheben der Regelarbeitszeit auf 42 Stunden in der Woche eine sinnvolle Maßnahme.

Mehr Arbeit, aber auch mehr Lohn?

"Ich habe persönlich große Sympathie für eine optionale Erhöhung der Wochenarbeitszeit, natürlich bei vollem Lohnausgleich", sagte Russwurm der Funke-Mediengruppe. Ihm zufolge ist der Mangel an Arbeitskräften schon heute an vielen Stellen spürbar. 

Erst mit fast 70 in Rente gehen?

Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, hatte für eine 42-Stunden-Woche als Regelarbeitszeit argumentiert - und zwar im Zuge der Diskussion um die Rente. Denn die Bundesbank hat vorgeschlagen das Alter, mit dem man in Deutschland in Rente gehen kann, an die steigende Lebenserwartung der Menschen zu koppeln. Laut der Bundesbank könne eine entsprechende Anhebung des Renteneintritts das System langfristig stabilisieren.

Aktuell steigt die gesetzlich festgelegte Altersgrenze für die Rente bis 2031 nach und nach auf 67 Jahre. Der Bundesbank zufolge haben jedoch Simulationen gezeigt, dass die Rentenfinanzen sich sichtbar erholen, wenn das Renteneintrittsalter auch nach 2031 steigt. Dafür müsste das Rentenalter, wie in der Simulation zwischen 2030 und 2070  auf gut 69 Jahre erhöht werden. Diese schon öfter diskutierte Anhebung des Eintrittsalters in die Rente hält Hüther allerdings für politisch schwer machbar. Russwurm ist derselben Meinung: "Eine 42-Stunden-Woche wäre sicherlich leichter umzusetzen als eine allgemeine Einführung der Rente mit 70", sagte er.

Oder eine 4-Tage-Woche wie in Belgien?

In anderen europäischen Ländern wie Dänemark, Finnland, Portugal, den Niederlanden oder Italien gibt es diese Koppelung des Rentenalters an die Lebenserwartung bereits. In Belgien fährt man jedoch einen anderen Kurs: Dort sollen Angestellte ihrer Arbeit in Zukunft auch nur vier Tage in der Woche nachgehen können, wenn sie wollen.

Arbeitnehmer, die sich für die 4-Tage-Woche entscheiden, sollen dann an einzelnen Tagen länger arbeiten, um alle erforderlichen Stunden in vier Tagen zu schaffen. Das soll zum einen Beschäftigten mehr Flexibilität und Freiheit geben, zum anderen sei das Ziel der Reformen der Nachrichtenagentur Belga zufolge aber auch, die Beschäftigungsquote zu erhöhen. Die Quote soll in Belgien so von zur Zeit 71 Prozent (in Deutschland lag sie zuletzt bei 75,5 Prozent) bis 2030 auf 80 Prozent steigen. Also könnte auch dadurch dem Mangel an Arbeitskräften entgegengewirkt werden.

Was ist Ihrer Meinung nach am sinnvollsten in Bezug auf den zunehmenden Fachkräftemangel?
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