"Müssen verhindern, dass das System kollabiert!"
Erschreckende Zahlen in der Corona-Krise: Immer mehr sexuelle Gewalttaten an Kindern

Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik hat die Gewalt gegen Kinder 2020 deutlich zugenommen. Das Bild zeigt einen Kinderbereich in einem Frauenhaus mit verschiedenen Spielzeugen. (Archivbild)
  • Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik hat die Gewalt gegen Kinder 2020 deutlich zugenommen. Das Bild zeigt einen Kinderbereich in einem Frauenhaus mit verschiedenen Spielzeugen. (Archivbild)
  • Foto: picture alliance/dpa | Britta Pedersen
  • hochgeladen von Julian Hartmann

Laut der Kriminalstatistik der Polizei hat die Gewalt gegen Kinder im letzten Jahr deutlich zugenommen. Demnach sind 152 Kinder im Jahr 2020 in Deutschland gewaltsam zu Tode gekommen. 115 von ihnen waren unter sechs Jahre alt. Aber auch sexualisierte Gewalt hat zugenommen. So gehen nach Angaben des Bundeskriminalamtes Schätzungen davon aus, dass in Deutschland pro Schulklasse ein bis zwei Schüler oder Schülerinnen sexueller Gewalt ausgesetzt sind oder waren. 

Dunkelziffer um ein "Vielfaches größer" 

Im vergangenen Jahr hat die Polizei über 14.500 Fälle (+6,8 Prozent) von Kindesmissbrauch registriert. Auch die Anzahl von Misshandlungen Schutzbefohlener ist angestiegen - im Vergleich zu 2019 um zehn Prozent. Die Polizei geht allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer um ein "Vielfaches größer" ist. 

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Rörig: "Wir müssen verhindern, dass das System kollabiert!" 

Johannes-Wilhelm Rörig, unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), sieht, dass die Lage kippt. "Wir müssen verhindern, dass das System kollabiert!", fordert Rörig eindringlich. Dafür ist seiner Meinung nach eine "massive Personalaufstockung bei Polizei und Justiz" erforderlich. "Ermittlungen dürfen nicht daran scheitern, dass Durchsuchungsbeschlüsse nicht vollstreckt und Datenträger nicht ausgewertet werden oder tausende Akten bundesweit auf Halde liegen, weil es keine Kapazitäten für ihre Bearbeitung gibt", so Rörig. 

"Sexuelle Gewalt gibt es überall"

Er betont außerdem, dass Gewaltdelikte an Kindern nicht an Randbereichen der Gesellschaft begangen werden: "Sexuelle Gewalt gibt es überall, sie ist trauriger Alltag und findet meistens dort statt, wo sie niemand vermuten möchte: ganz nah dran, in Familien, in der Nachbarschaft, im Sportverein und im Netz." 

Verbreitung von Missbrauchsabbildungen in 2020 besorgniserregend  

Gerade Kinderpornografie wird zunehmend zum Problem. So gab es 2020 einen Anstieg um 53 % bei Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung von Kinderpornografie. Besorgniserregend ist dabei auch die starke Zunahme bei der Verbreitung von Kinderpornografie durch Minderjährige. Laut PKS hat sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die Missbrauchsabbildungen - insbesondere in Sozialen Medien - weiterverbreiteten, erwarben, besaßen oder herstellten, in Deutschland seit 2018 mehr als verfünffacht. 

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Kinderpornografie: Auch international ist ein Anstieg zu beobachten

Laut Europol ist im ersten Corona-Lockdown in Europa der Konsum von Missbrauchsabbildungen um rund 30 Prozent gestiegen. Europol und die britische Internet Watch Foundation (IWF) weisen darauf hin, dass auch das Livestreaming von sexualisierter Gewalt via Webcam aus den häuslichen Kinderzimmern immer mehr nachgefragt wird. Die IWF berichtet für 2020, dass 33 Prozent der kinderpornografischen Websites Vergewaltigungen oder sexualisierte Folter von Kindern zeigen. 55 Prozent der abgebildeten Kinder sind unter 10 Jahre alt und zwei Prozent sind jünger als 2 Jahre alt.

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