Eisstock
Waaler Eisstockschützen trainieren in der Buchloer Eishalle

Ausgerutscht ist am Mittwochabend niemand. Und, dass keiner einen Eisstock auf den Fuß oder an den Kopf bekommen hat, ist zwar irgendwie ein Wunder, wenn man die vielen Leute in der Eissporthalle Buchloe so stehen und spielen sieht, doch 'bei uns passiert nichts', sagt Christoph Hofer von den Eisstockschützen des TV Waal, die jeden Mittwoch und Sonntag neben anderen Mannschaften aus der Umgebung in Buchloe trainieren.

Er macht einen festen Ruck am Stock seines Spielgeräts und dreht die Halterung heraus, um die Platte zu wechseln. Jetzt heißt es, eine schnellere Platte zu nehmen, um den Gegner von der Daube wegzuschießen. Erst einmal versteht man nur Bahnhof, doch die Männer wissen genau, was sie tun, auch wenn sie immer wieder laut loslachen und Witze über den Spielzug des anderen reißen. 'Die Daube ist eine schwarze Scheibe, die an das andere Ende der Bahn gelegt wird und zu der der Schütze zielen muss', erklärt Hans-Peter Buchmann, Erster Abteilungsleiter der Eisstockschützen, während er die Daube auf ein kleines schwarzes Kreuz am Boden schiebt. Um das schwarze Kreuz ist eine Linie (drei mal sechs Meter) gezogen, in der die Stöcke und die Daube sich nach dem Schuss befinden müssen.

Die fünf Männer laufen die rund 28 Meter zur anderen Seite ihres Spielfelds, was der Breite eines Eishockeyfelds entspricht. Von dort aus wird geschossen. Buchmann klappt eine Metallvorrichtung mit kleiner Gummimatte von der Wand herunter, die den Spielern Halt auf dem rutschigen Untergrund geben soll.

Der Trainingsablauf

'Im Training teilen wir uns in Mannschaften ein', sagt er. 'Heute sind wir zu fünft, das bedeutet drei gegen zwei.' Normalerweise spielen vier Sportler in einem Team. Buchmann nimmt einen orangefarbenen Stock mit schwarzer Gummiplatte, um die 'Maß' zu spielen – den ersten Schuss, der so oft wiederholt werden darf, bis er sich in Bestlage befindet. 'Jetzt heißt es, möglichst nah an die Daube zu schießen.

Dazu nehme ich eine Platte mit weichem Gummi, die rutscht langsamer.' Einen Fuß stellt der Abteilungsleiter auf die Matte am Boden, schwingt ein paar Mal den Stock und lässt ihn dann über das Eis gleiten. Wenige Zentimeter neben der Daube stoppt er. Markus Alt wechselt währenddessen ebenfalls die Platte. Mit der gelben, härteren und somit schnelleren Platte kann er den Stock seines Gegners beiseiteschieben, um so näher an der Daube zu sein.

Gezählt wird beim Eisstockschießen in Punkten. Für den Stock in Bestlage gibt es drei Punkte, für jeden weiteren Stock der gleichen Mannschaft, der näher bei der Daube ist als der nächste Stock des Gegners, gibt es weitere zwei Punkte. Ein Spiel hat sechs Durchgänge. Die Waaler Stockschützen haben sich im Winter 1983/84 gegründet.

'Damals arbeiteten zwei Niederbayern im Waaler Sägewerk, die Stöcke mitbrachten und uns auf dem Weiher das Eisstockschießen beibrachten', sagt Hofer. Geselligkeit und der Spaß am Spiel seien der Ausschlag gewesen, warum sich das Eisstockschießen etabliert habe. 1990 wurde dann die Abteilung offiziell beim TV Waal gegründet. Hofer erinnert sich genau an die Anfangszeit: 'Das Stockschießen und das Feiern gehörten einfach zusammen. Wir waren ein eingeschworener Haufen', sagt er und lacht seine Teamkollegen an. 'Aber über die Jahre wird man ruhiger.'

Aufstieg in die Landesliga

Mit der Zeit sei auch der Erfolg gekommen. Die Eisstockschützen Waal stiegen drei Mal von der Bezirksliga in die Landesliga auf, aber auch wieder ab. Heuer haben sie den Sprung in die nächsthöhere Liga geschafft. Das bedeutet nun, dass es eine Sommer- und Wintersaison gibt.

Nach zwei Stunden Training im Buchloer Eisstadion heißt es dann für die Mannschaft: ab ins Vereinsheim. Schließlich will man ja danach noch ein 'bissl zamhocken'. Aber eigentlich freuen sich die Waaler auf den Sommer: 'Da macht das Stockschießen mehr Spaß, es ist wärmer und man kann danach schön im Biergarten zusammenkommen', sagt Buchmann. 'Aber auch mit der Kälte muss man schließlich als Stockschütze klarkommen.'

Hans-Peter Buchmann (in Aktion) ist Erster Abteilungsleiter der Stockschützen des TV Waal. Gemeinsam mit einigen aus seiner Mannschaft, (von links) Christoph Hofer, Thomas Benisch, Markus Alt und Manfred Gessner, trainiert er jede Woche in der Buchloer Eissporthalle. Fotos: Katharina Dodel

Der Eisstock besteht aus einer Platte, einem Körper und einem Griff. Im Hintergrund: Christoph Hofer in Aktion.

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