Fechten
In Jengen lernen Jugendliche und Erwachsene seit drei Jahren den Umgang mit dem Florett

Schon im Mittelalter haben Menschen gefochten. Das Duell wurde damals ausgetragen, um Streitigkeiten beizulegen. Während es zu dieser Zeit oft zum Teil tödliche Verletzungen gab, ficht man heutzutage nur noch im sportlichen Bereich. Dennoch liefern sich die Kontrahenten immer spannungsgeladene Wettkämpfe. Auch in Jengen heißt es seit drei Jahren: 'En garde!'

Julia Rütten aus Buchloe und Verena Müller aus Jengen trainieren an diesem Abend ebenfalls in der Mehrzweckhalle in Jengen. Bekleidet sind sie mit Schutzwesten. Auf dem Kopf tragen sie ihre Fechtmasken mit Drahtgitter. Die beiden 17-Jährigen stehen sich dabei nicht zum ersten Mal gegenüber. Dieses Jahr bestritten die Freundinnen in ihrer Altersklasse im Florettfechten etwa das Finale der schwäbischen Meisterschaft. Julia gewann. Verena hat das nicht viel ausgemacht.

Auch sie hat das Duell der beiden schon öfter gewonnen. 'Da steht es unentschieden', sagt sie. Und weiter: 'Ich verliere lieber gegen eine Freundin als gegen eine Fremde.' Julia kam erst durch Verena zum Fechten. 'Mich haben immer die Ritter aus dem Mittelalter fasziniert', erzählt Verena, die dem Fechtclub Jengen bereits von Beginn an angehörte.

Warum es also nicht gleich selbst ausprobieren? 'Fechten ist eine besondere Sportart, die es nicht überall gibt.' Verenas Schwärmereien brachten dann auch Julia kurze Zeit später zum Fechten, das vom FC Jengen seit drei Jahren angeboten wird und sich inzwischen etabliert hat.

Gründungsväter waren damals Abteilungsleiter Wolfgang Klinger und Trainer Gabor Rónai. Der Ungar wohnt seit 15 Jahren in Jengen. In seiner Heimat Ungarn war er ein erfolgreicher Florettfechter. Nun arbeitet er ehrenamtlich als Trainer mit den etwa 30 Jungen, Mädchen und Erwachsenen, die regelmäßig das Training besuchen und die wie er die Leidenschaft für den Sport teilen. 'Leider ist Fechten eine Randsportart mit wenigen Zuschauern', weiß er. Mediale Aufmerksamkeit gebe es daher nur bei den Olympischen Spielen.

Immer wieder unterbricht Rónai seine Schüler während der Übungseinheiten. Er ist fordernd, aber fördern zugleich. 'Ich habe die Schule aus Ungarn mitgenommen. Ohne Disziplin sind die gesteckten Ziele nicht zu erreichen', sagt der 46-Jährige. Ob er damit einige junge Schüler abschreckt? 'Natürlich gibt es immer wieder welche, die aufhören, aber das gibt es überall', sagt er. Julia und Verena bezeichnen ihren Trainer als 'streng, aber nett'.

Für Rónai ist Durchhaltevermögen ein wichtiges Merkmal eines guten Fechters. Zunächst muss jeder Anfänger einen Fechtschein erwerben. Dafür sind eine theoretische und praktische Prüfung zu absolvieren.

Neben athletischen Voraussetzungen brauche ein Fechter auch taktisches Vorstellungsvermögen und müsse im Kampf Strategien entwickeln, sagt Rónai, während er seine Schützlinge nicht aus dem Auge lässt. 'Beim Fechten passieren nicht mehr Verletzungen als in anderen Sportarten. Nur wenn Blödsinn gemacht wird', meint Rónai.

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