Serie
Wirtshaus-Tradition im Gasthaus Adler in Beckstetten seit 1640

Lange Tradition und gutbürgerlicher Gasthof oder modernes Restaurant und neues Konzept: In unserer Serie 'Wirtshaus-G’schichten' stellen wir Gaststätten in und rund um Buchloe vor und werfen einen Blick in die Speisekarte und in die Chroniken des Hauses sowie hinter die Kulissen.

Die Stammtischherren vom Gasthaus Adler wussten schon früh, dass Margit Binder einmal die Wirtschaft übernehmen würde. 'Als ich zwölf Jahre alt war, waren die Männer sich schon sicher, dass ich den Betrieb hier einmal schmeißen werde. Mir war das nicht klar', sagt die Wirtin lachend.

Das Gasthaus Adler in Beckstetten hat eine lange Geschichte: In der Dorfchronik wird es erstmals im Jahre 1640 als Wirtshaus erwähnt. Damaliger Inhaber war ein gewisser Marx Schweitzer, der vermutlich aus Beckstetten kam. Bis zum Jahre 1878 war der Adler, so wie heute auch wieder, das einzige Wirtshaus im Dorf.

In den Jahren bis 1968 bewirtschafteten schließlich acht Familien zum Teil generationsübergreifend das Lokal. Eine große Rolle spielte dabei die Familie Altheimer aus Beckstetten, die über sechs Generationen hinweg das Haus leitete.

Opa war Postbote und Bauer

'Mein Opa hat den Adler dann 1968 übernommen. Er war damals Postbote und Bauer, hatte also mit einem Wirtshaus eigentlich gar nichts am Hut, aber er hat nur zwei Häuser weiter gewohnt und so haben sich die damalige Besitzerin und er dann wohl irgendwie geeinigt', erzählt Margit Binder. Ihr Opa Johann Renner kaufte allerdings nicht nur die Wirtschaft von Theresia Altheimer, sondern auch den dazugehörigen Bauernhof.

Im selben Jahr noch wurde der Gasthof umgebaut und renoviert, aus einem Teil des angrenzenden Stalles wurde ein Gastraum. Im Jahr 1976 übernahmen dann schließlich die Eltern von Margit Binder, Johann und Sieglinde Renner, den gesamten Betrieb. Den Bauernhof gaben sie aufgrund der Doppelbelastung später allerdings auf.

Ein Jahr später wurde das Schützenheim an den Gasthof angebaut. 'Das war für beide Seiten recht praktisch. Die Adler-Schützen saßen dann natürlich regelmäßig gemütlich bei uns in der Gaststube und auch die Feste wurden hier gefeiert', erklärt Sieglinde Renner.

Besonders gerne erinnern sich Mutter und Tochter auch an die Goldmedaille, die Beckstetten 1981 bei dem Wettbewerb 'Unser Dorf soll schöner werden' gewann. Daraufhin folgten viele Feiern, die bei schönem Wetter draußen im Hof des Adlers stattfanden.

Margit Binder hat die Wirtschaft dann 2001 im Alter von 26 Jahren von ihren Eltern übernommen. 'Wir Kinder mussten ja schon früh mithelfen. Ich dachte wie gesagt lange nicht daran, das Haus einmal weiterzuführen. Dann habe ich meine Ausbildung zur Köchin gemacht und damit meinen Traumberuf gefunden. Und so kam das eine zum anderen', resümiert Margit Binder.

Ihre drei Söhne sind mit elf, zwölf und 14 Jahren noch zu jung, um sagen zu können, ob einer die Wirtschaft einmal übernehmen wird. 'Es wäre natürlich schön, wenn das Wirtshaus in der Familie bleibt, aber keiner der drei muss wegen mir Wirt werden. Der Kleine sagt schon manchmal, dass er der nächste Adler-Wirt werden will', erzählt Margit Binder lachend.

Hausgemachte Speisen

Neben gutbürgerlicher Küche gibt es im Gasthaus Adler auch immer wieder verschiedene Aktionen wie ein italienisches Buffet, Grillabende oder ein Bockbierfest. 'Wir legen Wert auf hausgemachte Speisen', sagt Margit Binder.

Eine Frage ist noch offen: Warum trägt das Wirtshaus seit jeher den Namen Adler? Dazu ist leider auch in der Chronik, die Margit Binder durchblättert, nichts verzeichnet. Vielleicht liegt die Antwort darauf weit vor dem Jahre 1640.

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