Weihnachten
Wie in einer Großfamilie

Ingrid Höfler wirkt entschlossen und so glaubt man ihr auch sofort, wenn sie sagt, dass es für sie «selbstverständlich» ist. Dass sie das ganze Jahr da sei und dass es sich dann eben auch gehöre, am Heiligen Abend da zu sein.

Ingrid Höfler ist mittlerweile seit 15 Jahren am Heiligen Abend da. Genauso lange, wie sie im Senioren- und Pflegeheim Buchloe arbeitet. Die 54-Jährige ist Leiterin der Station im Erdgeschoss. 16 Bewohner leben hier. Die Pflegekräfte teilen sich den Dienst zwischen den Jahren ein. Heiliger Abend, Weihnachtsfeiertage oder Silvester lauten die Alternativen. Höfler sucht sich seit 15 Jahren freiwillig den ungeliebten 24. Dezember aus. Sie sei damit aufgewachsen, an Heilig Abend zu arbeiten, sagt sie. «Die Frage hat sich für mich nie gestellt, warum ich das hier nicht machen sollte.»

Gestecke und Zweige

Dabei ist die Vorstellung von Weihnachten im Altenheim für viele Menschen keine schöne. In Gedanken verbindet man damit oft Einsamkeit, Alleinsein, vielleicht auch ein bisschen Tristesse. Das Gegenteil dessen eben, was das Fest der Familie ausmacht - oder ausmachen soll. Teilt man solche Gedanken mit Ingrid Höfler, fällt die Antwort klar und deutlich aus. «Ich glaube, Sie haben eine falsche Vorstellung davon, wie es in einem Altenheim zugeht», sagt sie dann. Hier auf der Station im Erdgeschoss, wo geschmückte Tannenzweige an den Wänden hängen und kleine bunte Weihnachtsgestecke auf den beigefarbenen Wachstischdecken stehen, sei es ein bisschen wie in einer Großfamilie, sagt Ingrid Höfler. Allerdings das ganze Jahr über, nicht nur an Weihnachten.

Die Familie kommt zusammen

An Weihnachten jedoch kommt die Großfamilie zusammen. Das Pflegepersonal, die Bewohner - und die Angehörigen. In der Regel komme fast von jedem ein Nahestehender. Eine Tochter, ein Sohn, ein Enkelkind. Zum Teil werden die Bewohner mit in die Familien nach Hause genommen. Manche für einige Stunden, viele aber auch über Nacht. Höfler weiß, dass es in größeren Städten auch anders abläuft. Aber hier im ländlichen Raum, da sei vieles eben doch noch anders. Die Welt heiler. Auch im Seniorenheim.

Eines allerdings ist wohl überall gleich. Wie bei den meisten Großfamilien gibt es auch im Buchloer Seniorenheim an Weihnachten feste Zeiten: Von 14 bis 15 Uhr spielt die Stadtkapelle im Speisesaal. Das sei mittlerweile Tradition, sagt Ingrid Höfler. Es gibt Stollen und Punsch, es wird gesungen und jeder Heimbewohner erhält ein kleines Geschenk.

Anschließend, wenn viele Bewohner auf ihre Station zurückgekehrt sind, sitzen Ingrid Höfler und ihre Gruppe im Erdgeschoss um den großen Tisch herum. Es wird geredet - und wie das ganze Jahr oft auch über früher. Was für Geschenke gab es damals, was zum Essen und wie sah der Christbaum aus, an dem in der Regel noch echte Kerzen brannten?

Um 19.55 Uhr ist für Ingrid Höfler in der Regel Schluss. Dann endet der Spätdienst und die Nachtschicht übernimmt. Dann fährt sie heim nach Igling. Zu ihrem Mann, der dort zu Hause wartet, ihrem Sohn und den zwei erwachsenen Töchtern. Dann setzt sich die 54-Jährige zu ihrer «anderen» Familie an den Tisch. Der einzige Unterschied: Es ist gekocht und alles ist gemacht. «Ich brauche mich nur noch hinzusetzen.»

 

Seit 15 Jahren macht Ingrid Höfler an Heiligabend Dienst im Senioren- und Pflegeheim. Foto: Stefan Drescher

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