Windkraft
Waal legt sich auf einen Windrad-Standort westlich von Waalhaupten fest

3Bilder

Nicht nur draußen blies am Montagabend ein kräftiger Wind; auch im Waaler Gemeinderat wurde emotional, beinahe stürmisch diskutiert – über die Windkraft. Genauer: Über mögliche Standorte zur künftigen Nutzung von Windkraftanlagen. Letztendlich einigte sich das Gremium mit einer Mehrheit von acht Stimmen darauf, eine Fläche westlich von Waalhaupten und südlich des Hartwaldes an den Regionalen Planungsverband als favorisierten Standort zu melden.

Dort hat die Kommune bereits im Jahr 2005 eine sogenannte Vorrangfläche für Windkraftanlagen im Flächennutzungsplan ausgewiesen.

Das bedeutet: Wenn ein Interessent auf Waaler Flur ein Windrad errichten möchte, wird er auf diese Fläche verwiesen, die sich allerdings in Privatbesitz befindet. Platz wäre dort, im Süden der Kommune, für bis zu drei Windräder.

Es regt sich Widerstand

Doch gegen diesen Standort regt sich in der Gemeinde mittlerweile Widerstand: So machte der Jagdpächter laut Bürgermeister Alois Porzelius, 'artenschutzrechtliche Bedenken' geltend.

Zudem seien sechs Bürger nach den Wind-Infoveranstaltungen auf ihn zugekommen und hätten eine 'Verspargelung der Landschaft' und einen 'Eingriff ins Landschaftsbild' bemängelt.

Der Bürgermeister nahm dies zum Anlass, über einen eigenen Antrag abstimmen zu lassen: Er wollte das bereits ausgewiesene Vorranggebiet zurücknehmen und favorisierte stattdessen einen Standort in der Nähe des Koppenhofes.

Doch Porzelius hatte seine Rechnung ohne den Gemeinderat gemacht: Nur zwei weitere Räte stimmten mit ihm, damit war sein Antrag gescheitert.

Dem Wunsch von Gerdi Bartholl, über andere vorgeschlagene Standorte einzeln zu beraten, wurde indes nachgekommen. So kristallisierte sich schnell heraus, dass Waal am bisherigen Vorranggebiet westlich von Waalhaupten und südlich des Hartwaldes festhält.

Wie Manfred Pistel vom Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft eingangs deutlich machte, will der Regionale Planungsverband den Regionalplan in Hinsicht auf die künftige Windkraftnutzung fortschreiben.

Sämtliche Allgäuer Gemeinden sollen daher in einer 'ersten informellen Anhörung' Stellungnahmen abgeben zu sogenannten Suchräumen. Diese wiederum ergeben sich, nachdem sämtliche Ausschlusskriterien, wie eine nahe Bebauung oder die Nähe von Stromleitungen berücksichtigt worden sind.

Für den Waaler Bereich kam die Verwaltung somit auf sieben mögliche Standorte. Mit der Bewertung dieser Flächen seitens der Verwaltung mochte sich Gerdi Bartholl allerdings nicht anfreunden.

Sie haderte mit der Beschlussvorlage und meinte: 'Das geht schon in Richtung Stimmungsmache. Das ist eine sehr einseitige Vorlage zur Verhinderung von Windkraft auf Waaler Flur.'

Christa Völk sah für alle Punkte Vor- und Nachteile. Sie sprach sich dafür aus, 'unser eigenes Gebiet, das mit der Nummer fünf, zu melden'. Auch Michael Klein sah 'keinen Anlass etwas Weiteres zu unternehmen'.

'Wir haben bereits eine Fläche ausgewiesen, damit soll der Planungsverband arbeiten', sagte er. Auch Konrad Alt und Clement Stapf schlossen sich dieser Auffassung an.

Von einem 'der schwierigsten Entscheidungsprozesse in meiner Zeit als Gemeinderat' sprach hingegen Robert Protschka.

Kritik am Planungsverband

Er kritisierte den Planungsverband, 'der sich bislang nicht gerade durch Transparenz, sondern eher durch Vertuschung und Gemauschel' auszeichne. 'Wenn wir jetzt aber nichts ausweisen, kann uns keiner sagen, wie die Situation in zehn Jahren aussieht', meinte Protschka und sprach sich ebenfalls für die Vorrangfläche im Süden aus.

'Wenn es Sinn macht, bin ich auch dafür', sagte Dieter Heim. Er wandte jedoch ein, 'dass es derzeit viele Argumente gibt, die am Sinn zweifeln lassen'.

Über die Landkreisgrenze, genauer nach Denklingen, schauen wollte Franz Pinter. Dort könnten wie berichtet 20 oder 30 Windräder entstehen. Wir sollten abwarten, was dort passiert', meinte Pinter.

Dass man auch in Waal zu einer Entscheidung kommen müsse, forderte Katrin Mohrenweis: 'Oft zeigt sich, dass man für Windenergie ist – aber bitte nicht bei uns.' Auch die Waaler müssten sich fragen, ob man bereit sei, Windenergie auf eigener Flur zuzulassen und welcher Standort dafür am besten geeignet sei.

Ob die gefundene Lösung, Suchraum fünf, vom Planungsverband tatsächlich als Vorranggebiet ausgewiesen wird, werde sich erst zeigen, erläuterte Manfred Pistel. 'Jetzt prüft erst einmal der Planungsverband, dann müssen die Gemeinden erneut ihre Stellungnahmen abgeben.

Deutlich signalisiert worden sei auch seitens des Planungsverbandes, 'dass nichts über die Köpfe der Gemeinden hinweg entschieden wird', so Pistel.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen