Inklusion
Vortrag im Fuchstal: Verschiedenheit der Kinder als Bereicherung verstehen

Sichtlich beeindruckt zeigten sich die knapp 40 Besucher der Informationsveranstaltung des Fuchstaler MoMo-Fördervereins, die unter der Überschrift 'Heraus aus dem Rotstiftmilieu' stand. Konrektorin Andrea Rahm hatte ihnen im Ascher Haus der Begegnung ihre Sophie-Scholl-Schule in Oberjoch vorgestellt. Diese staatlich anerkannte Einrichtung besuchen junge Patienten während ihres Aufenthalts in der Alpenklinik und für eine längere Zeit auch Kinder mit atopischen Erkrankungen wie etwa Asthma oder Neurodermitis.

Keine homogenen Lerngruppen

Die etwa 200 Kinder kommen von allen Schularten und aus allen Bundesländern – angefangen vom Lernbehinderten bis hin zum Hochbegabten würden sie ohne große Probleme gemeinsam unterrichtet. 'Wir sehen in dieser Vielfalt und in der Verschiedenheit der Kinder eine große Bereicherung und kein Hindernis', drückte Andrea Rahm einen der Gegensätze zum gegliederten bayerischen Schulsystem aus, das sich um möglichst homogene Lerngruppen bemüht.

Diese Unterschiedlichkeit der Kinder sei eine Herausforderung, die es auch nicht zulasse, dass alle Kinder das Gleiche zum gleichen Zeitpunkt lernen.

Individuelle Lernarrangements

Stattdessen sind individuelle Lernarrangements für jedes Kind erforderlich, sagte die Sonderpädagogin, und die persönlichen Lernziele werden erst im Gespräch zwischen dem Lehrer und dem Schüler festgelegt.

Das Lerntempo selbst bestimmen

Jeder könne mitbestimmen, welches Thema er zu welchem Zeitpunkt auf welche Weise bearbeitet. Ganz darauf verzichten könne er jedoch nicht, da man an die geltenden Lehrpläne gebunden sei.

'Ich glaube, jeder kann trotz einer Behinderung lernen', meinte Rahm, vielleicht nicht im herkömmlichen Sinn aber zumindest auf seine Weise. Wichtig sei es deshalb, dass alle Lernwege von den Lehrern als wichtig und gleich wertvoll anerkannt werden und die Kinder somit Schule als Erfolg erleben können.

'Die Lernenden werden dabei zu Forschern und die Lehrenden zu Begleitern und Beratern', beschrieb die Schulleiterin das Konzept, in dem die Klassenzimmer offen stehen und die Schüler die jeweiligen Lernorte von sich aus aufsuchen.

Projekte spielen wichtige Rolle

Eine wichtige Rolle spielten in der Lernarbeit die Projekte. So hatten Acht- und Neuntklässler gemeinsam beschlossen, chinesisch zu lernen und den Unterricht dann selbst organisiert.

Viele Projekte strahlten ebenso nach außen, so würden beispielsweise für ein Vorhaben englische Touristen auf der Skipiste interviewt, womit gleichzeitig den Englischunterricht eine praktische Unterstützung erfahre.

Gelungene Inklusion

Die Kinder seien im Lernfortschritt nach Beendigung ihres Aufenthalts weiter als die an der Heimatschule, so Andrea Rahm. Und dies, obwohl sie wegen der Teilnahme an erlebnispädagogischen Angeboten oder anderen Arbeitsgemeinschaften beispielsweise weniger Mathematikstunden gehabt hätten.

In der Diskussionsrunde der Teilnehmer, unter denen sich eine Reihe von Lehrkräften befand, war man sich einig, dass das gemeinsame Unterrichten von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen nur mit kleinen Gruppenstärken und einer ausreichenden Anzahl von ausgebildeten Betreuern.

Die Inklusion dürfe sich nicht nur auf die Schule beschränken, sondern müsste alle Lebensbereiche umfassen.

Kritisch angemerkt wurde, dass Vertreter des Kultusministeriums das Oberjocher Modell loben, bisher aber zu wenig für eine Übertragung auf die Regelschulen getan hätten.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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