Urteil
Verwaltungsgericht kassiert Planfeststellungsbeschluss für Hochwasserschutz-Projekt bei Holzhausen

Das Verwaltungsgericht München hat den Planfeststellungsbeschluss für das bei Holzhausen geplante Hochwasserrückhaltebecken für rechtswidrig erklärt. Das teilte Gerichtssprecherin Bettina Clos gestern auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Damit gab das Verwaltungsgericht der Gemeinde Igling und sechs klagenden Eignern von Grundstücken an der Singold Recht.

Das Gericht sieht die derzeitigen Pläne „gegenüber den Klägern als nicht vollziehbar“ an. Eine genaue Urteilsbegründung liegt noch nicht vor. Iglings Bürgermeisterin Christl Weinmüller wertet das Urteil als Erfolg.

Wie berichtet, war am Dienstag in München verhandelt worden, ob das vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth geplante Rückhaltebecken im Gemeindebereich Igling zum Hochwasserschutz von fünf Kommunen, die singoldabwärts im Landkreis Augsburg liegen, rechtskonform ist.

Das Landratsamt Landsberg hatte mit Bescheid vom 29. Juni 2010 dem Projekt mit seinem Planfeststellungsbeschluss die Genehmigung zum Bau des Rückhaltebeckens erteilt. Und diesen sah das Verwaltungsgericht unter Vorsitz von Richter Dr. Thomas Eidam als rechtswidrig an.

Niedermoor wird zerstört

Bei der Verhandlung war das Projekt von Experten ausführlichst erläutert worden. Deutliche Kritik äußerten neben Anwalt Leopold Thum für die Klägerseite auch Professor Hans Helmut Bernhard vom Institut für Wasserwirtschaft an der Universität Karlsruhe. Er hatte für die Gemeinde Igling ein Gutachten erstellt. 'Klar gibt es in diesem Bereich jetzt schon immer wieder Überschwemmungen.

Aber mit dem Becken setzen Verschlammungen ein und damit wäre das Niedermoor kaputt.' Alternativplanungen seien überhaupt nicht angestellt worden. Zudem seien die Gemeinden Langerringen, die Städte Schwabmünchen und Bobingen sowie die Orte Großaitingen und Wehringen viel zu weit weg vom Holzhausener Becken. Als Alternativlösung sei ein Becken an der Straße zwischen Schwabmühlhausen und Schwabaich perfekt geeignet und leicht zu realisieren.

Dem entgegen hielt Projektleiter Konrad Schörger vom Wasserwirtschaftsamt, dass dann mehrere Becken entlang der Singold gebaut werden müssten. Und dies wäre viel teurer als das große Becken bei Holzhausen. Keine Kritikpunkte kamen von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt.

Die Natur erhole sich von großen Einstauungen infolge von Hochwassern – wie ein Blick ins Landschaftsschutzgebiet Ammersee nach dem Pfingsthochwasser 1999 gezeigt habe. Für das Wasserwirtschaftsamt Weilheim hatte Hermann Bamgratz ein Gutachten zum Rückhaltebecken erstellt. Sein Fazit: 'Aus wasserwirtschaftlicher Sicht ist es eine sinnvolle Maßnahme.'

Iglings Bürgermeisterin Christl Weinmüller meinte: 'Für uns wäre es schade, wenn das Becken kommt. Holzhausen ist auch in einem gefährdeten Bereich und würde von der Maßnahme überhaupt nicht profitieren.'

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by Gogol Publishing 2002-2019