Flucht
Tödliches Ehedrama in Wiedergeltingen: So hat Lebensretter Werner Schweikardt (72) die Tat erlebt

  • Foto: Barbara Knoll
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Zur richtigen Zeit am richtigen Ort – das war Werner Schweikardt aus Buchloe. Er hat das Ehedrama, das Wiedergeltingen erschüttert hat, hautnah mitbekommen. Jetzt, knapp einen Monat nach der Schießerei, erzählt der Zeuge Jehovas ganz ruhig noch einmal die Tat, wie er sie erlebt hat. Er bezeichnet sich selbst nicht als Lebensretter. Dass Jehova ihn geleitet hat, davon ist er aber überzeugt.

"Am besagten Dienstagmorgen waren eine Kollegin und ich unterwegs. Wir hatten uns aufgeteilt, jeder klingelte eine Häuserreihe ab, um persönlich eine Einladung zu einem biblischen Vortrag abzugeben", erzählt Schweikardt. Es sei so rund 10 Uhr morgens gewesen, als er wieder an einer Haustür den Klingelknopf betätigte und ihm eine Frau öffnete. Namentlich habe er sich vorgestellt und den Flyer der Vortragseinladung übergeben.

Gespräch an der Haustür

"Zunächst war nichts außergewöhnlich, die Frau hat sich meine Ausführungen an der Haustür angehört", sagt der 72-Jährige. Mehrere Sätze seien ausgetauscht worden, bis von hinten eine aggressive Männerstimme zu hören gewesen sei. Im Befehlston habe der Mann gerufen: "Komm sofort wieder rein!" Zudem habe er versucht, die Frau zurück ins Haus zu ziehen.

"Sie konnte sich aber wieder losreißen und an mich gewandt rief sie, dass wir jetzt fliehen müssen", sagt Schweikardt. Dann sei alles sehr schnell gegangen. Zeitgleich sei er mit der Frau vom Haus weggerannt Richtung Straße, sie sei kurz hinter ihm gewesen. "Dann ein Schuss, ich drehte mich um und sah, wie sich die Frau an die Schulter greift, aber unbeirrt weiterrennt", schildert er den auch für ihn wohl gefährlichsten Moment. Den Mann habe er nicht aus dem Haus laufen sehen.

"Als wir die Straße erreicht hatten, rief mir die Frau noch zu, dass ich einen Notruf absetzen soll, was ich auch unverzüglich tat", berichtet der Buchloer weiter. Die Frau sei dann in ein Haus schräg gegenüber gelaufen, er habe sich weiter, etwas abseits des Hauses, auf der Straße aufgehalten. Auch seine Kollegin sei durch den Schuss aufmerksam geworden und zusammen mit ihr habe er auf Anraten der Polizei den Tatort dann verlassen.

Außergewöhnlich ist sicher sein weiteres Verhalten. Er hat nämlich zunächst in der Parallelstraße einfach weiter seine Einladungen verteilt und wieder an jeder Haustür geklingelt. Hatte er vielleicht einen Schock? "Nein, aber wissen sie, ablehnende Situationen erleben wir Zeugen Jehovas tagtäglich und dass mit scharfer Munition geschossen wurde, habe ich zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht gewusst", sagt Schweikardt.

Zudem ruhe er seit über 30 Jahren in seinem Glauben und habe auch in der Gefahr keine Angst gehabt. Als dann nach wenigen Minuten immer mehr Polizei angefahren gekommen sei, sei er zusammen mit seiner Kollegin weiter nach Amberg gefahren und habe dort die Flyer ausgeteilt.

Details erst später erfahren

Kurz nach Mittag sei auch ein Mann von der Kriminalpolizei bei ihm zu Hause in Buchloe vorbeigekommen, um den Tathergang aufzunehmen. "Da erfuhr ich das ganze Ausmaß, dass die Frau verletzt im Krankenhaus liegt und der Mann sich selbst das Leben genommen hat. Eine sehr tragische Geschichte", urteilt Schweikardt. Er berichtet ergänzend, dass der Mann im Tagebuch niedergeschrieben habe, noch weitere Menschen umbringen zu wollen. So habe Jehova wohl nicht nur ein Leben gerettet.

Autor:

Barbara Knoll aus Kempten

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