Interview
Steffen Gruber aus Buchloe spricht über sein Musical School Shooting

Sein Film soll nicht erklären, keine Antworten liefern. Es soll zum Nachdenken anregen. Steffen Gruber hat sich an ein sensibles Thema herangewagt und darüber sogar ein zehnminütiges Musical geschrieben. In 'School Shooting – The Musical' geht der gebürtige Buchloer auf das Thema Amoklauf ein.

Er studiert derzeit Film am Art Center College of Design in Pasadena (Kalifornien) und hat sich dort, in Zusammenarbeit mit dem Türkheimer Matthias Preisinger, der die Musik komponierte, mit dem Thema befasst.

Herr Gruber, von was handelt das Musical genau?

Gruber: Es geht darum, dass Mathematiklehrer Jon denkt, jedes Problem hat mit der richtigen Formel eine simple Lösung. Eines Tages kommt Jason, einer seiner Schüler, mit einer Pistole an die Schule und eröffnet das Feuer.

Er scheint erst zu stoppen, als er seiner verschmähten Liebe, Viola, gegenübersteht und sie um ihr Leben bettelt. Jon versucht, ihn aufzuhalten und gemäß seines Mottos das Problem von Jason herauszufinden und ihm zu helfen.

Jedoch merkt Jon im Verlauf des Gesprächs, dass seine Formel nicht immer wirkt, dass es komplexe Probleme gibt, die nicht einfach so gelöst werden können. Schließlich erschießt sich Jason vor Jons Augen. Daraufhin fragt sich Jon, ob wir etwas aus dieser Tragödie gelernt haben.

Im großen Finale singt er zusammen mit Schülern und Lehrern 'School Shootings are bad’. Der Präsident hält dann eine Ansprache und setzt sich für den Gebrauch von Schusswaffen schon ab dem Kindesalter ein und versichert allen Anwesenden, dass er die Kinder bewaffnen wird. Die Geschichte ist aber frei erfunden.

Das Lied der Lehrer und Schüler und was der Präsident am Ende Ihres Musicals sagt, das klingt kurios

Gruber: Ja. Genau das soll es auch. Der Film ist eine Satire. Er soll zum Nachdenken anregen, zum einen die Gesellschaft, die mit ’Oh Gott, ist das schlimm’ darauf reagiert und Computerspiele verurteilt.

Das finde ich sehr abgegriffen. Zum anderen sollen auch diejenigen sich damit auseinandersetzen, die sagen, alles würde besser werden, wenn man Waffen verbietet.

Ich finde, das ist zwar nicht die Lösung des Problems, jedoch je schwerer wir es Menschen machen, an Waffen heranzukommen, desto besser. So will ich eine Diskussion entfachen, die gerade in den USA schwierig ist, weil ein Zusatzartikel der Verfassung ja schon das Recht auf Waffen des Einzelnen in sich birgt.

Ein so komplexes Thema in zehn Minuten auf den Punkt zu bringen, scheint schwierig. Warum haben Sie sich aber für ein Musical entschieden?

Gruber: Zunächst hatte ich Angst davor. Wie soll man Texte schreiben, die jemand während eines Amoklaufs singt, das sogar auf Englisch? Aber im Nachhinein war das die beste Entscheidung.

Im Vergleich zum Filmdialog kann man mit gesungenen Passagen deutlicher werden und quasi mit dem Holzhammer sprechen. Bei einer Zeit von zehn Minuten ist es angenehm, so die Menschen aus ihrem Inneren sprechen zu lassen.

Sie als Buchloer in Amerika können direkt die beiden Kulturen vergleichen: Hätten Sie das Musical in Deutschland anders aufgebaut?

Gruber: Es wäre in Deutschland auch möglich, nur anders. Ich habe das Gefühl, dass hierzulande teilweise versucht wurde, etwas zu ändern. Das ist in den USA wegen des Waffenrechts nicht so einfach. Jedoch war bei meiner Arbeit in Amerika die Mentalität sehr hilfreich: Einfach mal machen. Etwas wagen und schauen, was passiert.

Nähere Infos zum Projekt im Internet www.schoolshootingthemusical.com

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by Gogol Publishing 2002-2019