Natürliche Gestaltung
Renaturierung der Gennach bei Buchloe: "Nicht nur für das Ökokonto jede Menge Pluspunkte"

Renaturierung der Gennach
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Die erste Gennachrenaturierung bei Buchloe fand bereits 1996 statt. Damals wurde am Neubaugebiet der Hochwasserschutzdeich an der Gennach ertüchtigt und es ergab sich die Möglichkeit, 550 Meter der Gennach zu renaturieren.

Die Baggerarbeiten zur Gestaltung des neuen Flusslaufes am Maßnahmenabschnitt Lindenberg Süd sind Anfang August 2020 abgeschlossen. Die Wegewiederherstellung und die Bepflanzung finden bis Frühjahr 2021 statt.

Die Gennach "aus ihrem Korsett" befreien

Mit einer Renaturierung soll die eingezwängte Gennach aus ihrem Korsett befreit werden und wieder ein lebendiges Gewässer mit vielfältigen ökologischen Funktionen werden. Im Idealfall sind Gewässer dynamische Lebensräume, die Kies am steilen Ufer abtragen und am flachen wieder anlanden, ihren Lauf ständig verändern, dadurch aber Lebensräume erhalten und ständig neu entwickeln. Dazu brauchen sie Platz. Um landwirtschaftlich nutzbare Flächen zu gewinnen, wurden im letzten Jahrhundert viele solcher Gewässer begradigt. Auch die Gennach war davon betroffen.

Die Stadt Buchloe hat die Zeichen der Zeit erkannt und hat die für die Renaturierung notwendigen Flächen erworben. Die gesamte Ausbaustrecke der Renaturierung an der Gennach beträgt ca. 2,5 Kilometer. Die Kosten belaufen sich geschätzt auf 630.000 Euro. Mit der Renaturierung werden ca. 270.000 Ökopunkte erzielt, die sich die Stadt und das Wasserwirtschaftsamt teilen.

Renaturierung der Gennach

Die Messergebnisse der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie bescheinigen der Gennach einen mäßigen Zustand, das heißt, dass hier Handlungsbedarf gegeben ist. Indikator ist nicht nur die Wasserqualität sondern auch die Lebewesen im Wasser und in der Gewässersohle. Bei der Renaturierung wird darauf geachtet, den unterschiedlichen Ansprüchen von Tieren wie Insektenlarven, Libellen, Schmetterlingen, Vögeln, Amphibien und Fischen und gerecht zu werden.

Die Bauausführung obliegt der Flussmeisterstelle Türkheim. Die erfahrenen Flussbauarbeiter der Flussmeisterstelle führen den naturnahen Gewässerausbau in Eigenregie durch. Die jeweils notwendigen Geräte dafür werden angemietet. Jetzt gilt es, das Gewässer natürlich zu gestalten. Wir nehmen uns die Natur zu Vorbild und geben der Gennach die Mäander zurück, die sie früher einmal hatte.

Renaturierung der Gennach

Durch die starken Windungen ergeben sich die vielfältigsten Lebensräume. An den flachen Ufern entstehen Kiesbänke, die für die Fische ein wichtiges Laichhabitat darstellen. An den steileren Ufern entstehen tiefere Wasserbereiche, in denen sich die Fische vor Hochwasser unterstehen können. An den flachen Ufern wachsen Hochstauden wie Mädesüß, in deren Blüten sich viele Insekten und Schmetterlinge tummeln. An den steilen Ufern wachsen Erlen, die dem Gewässer Struktur geben und deren Wurzeln den Fischen Versteckmöglichkeiten bieten.

Bepflanzung der Gewässer ist von größter Bedeutung

Bei den immer wärmeren und immer wasserärmeren Sommern ist die Bepflanzung der Gewässer von größter Bedeutung. Dadurch erwärmen sich die Gewässer nicht so stark und bleiben als Lebensraum erhalten und verhindern zusätzlich ein übermäßiges Algenwachstum. Zudem ist der Laubeintrag eine wichtige Nahrungsquelle für viele Wasserorganismen.

Um zusätzlich Strukturen in die Gewässer einzubringen, bauen wir Baumstämme und Wurzelstöcke in die Gewässersohle ein. Durch diese Hindernisse im Gewässerbett werden unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten und Tiefen erzeugt, die das Gewässer lebendig gestalten.

Renaturierung der Gennach

Wer derzeit am Gennachweg entlang wandert, dem wird schnell bewusst, dass die Renaturierung des kleinen Flusses nicht nur für das Ökokonto jede Menge Pluspunkte bringt, sondern auch für die Menschen vor Ort einen großen Freizeitwert darstellt.

Gerade für Kinder bieten sich hier die vielfältigsten Spiel- und Entdeckungsmöglichkeiten. Dadurch lernen die Kinder die Natur in ihrer Umgebung und deren Zusammenhänge besser kennen und sind eher bereit sich für diese einzusetzen. Für Erwachsene stellt dies ein Ort der Erholung dar.

Teilstücke der Gennach-Renaturierung

  • Baugebiet Lindenberg
    Bauzeit: 1996 bis 2010; Länge: 550 Meter; Kosten: 142.000 Euro - im Rahmen des Hochwasserschutzes; Maßnahme abgeschlossen
  • Münchner Straße / Gymnasium Buchloe
    Bauzeit: 2012; Länge: 450 Meter; Kosten: 100.000 Euro; Maßnahme abgeschlossen
  • Lindenberg Nord (zwischen A 96 und Lindenberg)
    Bauzeit: 2018 / 2019; Länge: 1.000 Meter; Kosten: geschätzt 200.000 Euro; Maßnahme abgeschlossen
  • Lindenberg Süd (zwischen Lindenberg und Jengen)
    Bauzeit: Ende 2019 bis Frühjahr 2021; Länge: 450 Meter; Kosten: geschätzt 190.000 Euro

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