Prominenter Besuch
Profi-Fußballer des TSV 1860 München zur Routineuntersuchung in Buchloer Krankenhaus

Eigentlich wäre es die Zeit für die Mittagspause gewesen. Zeit, um zwischen den anstrengenden Trainingseinheiten am Vormittag und denen am Nachmittag etwas auszuspannen und dem Körper ein bisschen Ruhe zu gönnen. Aber so mussten Benjamin Lauth und Stefan Aigner Extra-Schichten schieben. Fahrradfahren am Ergometer war angesagt - und das unter strenger Aufsicht.

Es war der obligatorische Herztest für deutsche Profifußballer, für den die Spieler des TSV 1860 München ihr Trainingslager in Bad Wörishofen unterbrochen hatten und nach Buchloe gekommen waren. Erstmals fand dort die medizinische Untersuchung in der neu eingerichteten Kardio-Praxis am Krankenhaus Buchloe von Dr. Klaus Seitz und Dr. Nikolaus Kochsiek, Fachärzte für Innere Medizin und Kardiologie, statt.

Bis Samstag müssen alle Löwen zum Herzcheck antreten

Der Herzspezialist Dr. Klaus Seitz führt die alljährliche Routineuntersuchung bereits seit 1999 bei den Löwen-Profis durch - bislang in seiner Praxis in München, heuer erstmals in Buchloe. Bis Samstag müssen nach und nach alle Kicker in den Untersuchungsräumen am Krankenhaus St. Josef antreten.

Bereits Donnerstag Früh musste Daniel Bierofka ran. Rund 45 Minuten dauert der Test pro Spieler. Nach einer kurzen Pause folgt Mittelfeldspieler Stefan Aigner. << Ich finde die Untersuchung extrem gut >>, sagte er. Die Gewissheit zu haben, dass der Körper zu 100 Prozent gesund und belastbar ist, sei sehr wichtig - auch, wenn dafür die Mittagspause verloren geht.

Nachdem es sich Aigner auf dem Fahrradergometer bequem gemacht hat, wird er komplett << verkabelt >>. Zehn Minuten strampeln, heißt es anschließend, mal nahezu aufrecht sitzend, mal in Seitenlage - nur so kann das Ultraschallgerät, mit dem zeitgleich eine Funktionsanalyse durchgeführt wird, das Herz von allen Seiten perfekt durchleuchten. << Damit können wir Störungen an der Herzfunktion oder Herzmuskelentzündungen frühzeitig erkennen >>, erklärt Seitz.

Bei Profis mit Herzerkrankungen können bereits eine banale Grippe oder eine harmlose Entzündung gefährliche Folgen haben. Die Herzuntersuchung ist daher von der Deutschen Fußball Liga auch für Teams aus der 2. Bundesliga vorgeschrieben und wird vor jeder Saison wie eine Art Gesundheitspass erneuert. Dabei werden alle Spieler einer eingehenden Stress-, Echo- und Leistungs-Kardiografie unterzogen, um zu sehen, wie das Herz und der Organismus auf Stress und Belastung reagieren. Wie mehrere tragische Beispiele belegen, ist diese Vorsichtsmaßnahme absolut berechtigt. Seitz weiß von zwei Todesfällen von Berufsfußballer in den letzten Jahren mit der Diagnose << Herzversagen >>.

Der Ungar Miklós Fehér von Benfica Lissabon war 2004 bei der Partie gegen Vitoria Guimaraes vor laufenden Kameras auf dem Spielfeld plötzlich tot zusammengebrochen. Der Kameruner Marc-Vivien Foe kollabierte 2003 während eines Länderspiels gegen Kolumbien und verstarb nur kurze Zeit später im Krankenhaus.

Vor allem im Ausland werde in Sachen Herzuntersuchungen oft geschludert, sagt Seitz. Aber auch in Deutschland erleiden laut einer Studie rund 1000 Sportler jährlich einen Herztod. Dass dennoch nicht alle Profiklubs in Deutschland auf die neuesten Untersuchungsmethoden zurückgreifen, kann Seitz nicht nachvollziehen. << Viele führen ein einfaches Belastungs-EKG durch. Bei Leistungssportlern ist die EKG-Beurteilung jedoch in vielen Fällen durch Veränderungen im Ruhezustand nicht möglich.

>> Dies betreffe bis zu 40 Prozent aller Leistungssportler. << Entscheidend ist der Faktor, wie das Herz bei höchster Belastung reagiert >>, so Seitz.

Mittlerweile haben Benjamin Lauth und Stefan Aigner die Plätze getauscht. Letzterer hat aber noch eine Frage. Was ist, wenn während der Saison eine schwere Erkrankung auftritt? << In diesem Fall >>, erklärt Seitz, << ist eine Nachuntersuchung angebracht. >>

Die Ergebnisse gehen an die Mannschaftsärzte

Dass der TSV 1860 schon seit Jahren die bewährte Dynamische Stress-Echo-Kardiografie durchführen lässt, ist für Seitz lobenswert und sehr professionell. << Mit diesem Test können wir die Sporttauglichkeit der Spieler uneingeschränkt bestätigen >>, sagt er. Die kardiologischen und sportphysiologischen Ergebnisse werden dann an die beiden Mannschaftsärzte weitergereicht.

<< Bisher waren die Werte bei allen Spielern sehr gut >>, bestätigt Seitz. Die Löwenherzen funktionieren einwandfrei. (drs)

Prüfender Blick auf die Geräte: So wie Stürmer Benjamin Lauth unterziehen sich bis Samstag alle Spieler des TSV 1860 München in der Kardio-Praxis von Dr. Klaus Seitz am Buchloer Krankenhaus ihrem alljährlichen Herzcheck. Foto: Drescher

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