Zwischenbilanz
Praxis wird groß geschrieben

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Seit Beginn des neuen Schuljahres gibt es auch in Buchloe eine Mittelschule, die ehemalige Hauptschule. «Viele Kriterien, die eine Mittelschule erfüllen muss, gab es in Buchloe schon vor der Ernennung», erklärt Schulleiter Christian Schöne. Einen sogenannten M-Zug zum Beispiel, über den Schüler die Mittlere Reife erlangen können, auch ein gebundenes Ganztagesangebot besteht im zweiten Jahr. Das spreche für die Entwicklung der Buchloer Schule. «Aber es gab natürlich auch genügend andere Schulen, die sich richtig anstrengen mussten, um die Kriterien zu erfüllen», so der Rektor weiter.

Fächer heißen jetzt anders

Am Unterricht selbst habe sich nichts geändert, sagt Thomas Dworsky. Der 13-Jährige besucht die gebundene Ganztagesklasse der Mittelschule und bekommt für diese Ansicht die Zustimmung von Andrea Tröbensberger. Die 15-Jährige, die in die neunte Klasse des M-Zuges geht, ergänzt: «Eigentlich heißen jetzt nur die Fächer anders.» Das ehemalige HSB (Hauswirtschaftlich sozialer Bereich) zum Beispiel wurde zum Zweig Soziales, dazu kommen mit Technik und Wirtschaft zwei weitere Zweige. In der siebten Klasse belegt ein Schüler noch alle drei, in der achten noch zwei und in der neunten nur noch eine dieser Richtungen. Die Spezialisierung schreitet quasi fort.

Wer also in den kommenden Jahren die neue Mittelschule verlässt, kann sich kaum mehr gleichzeitig um eine Lehrstelle als Schreiner und eine als Koch bewerben. Denn der neue Schultyp hält für den einzelnen Schüler nicht nur viele Wahlmöglichkeiten bereit, sondern auch einen immensen Praxisbezug, sodass sie sich schon vor der neunten Klasse auf den künftigen Berufsbereich festlegen müssen. Die Berufswahl werde durch die Zusammenarbeit mit externen Partnern erleichtert, erklärt Lehrer Hubert Zecherle. Er hat etwa mit Schülern zusammen eine Schülerfirma gegründet, die den Jugendlichen konkrete Einblicke in wirtschaftliches Denken und Handeln ermöglichen soll (wir berichteten). Dazu kommen freiwillige Praktika und solche, die Bestandteil des Stundenplans sind. «Die vertiefte Berufsorientierung spielt an der Mittelschule eine ganz große Rolle», sagt Schöne.

Der Lehrplan gehe in Richtung Ausbildungsreife, die seitens der Wirtschaft immer stärker gefordert wird. Dementsprechend, so der Schulleiter weiter, werde man auch die Prüfungen künftig noch praxisbezogener gestalten. Neben alledem bietet die Schule zahlreiche freiwillige Arbeitsgemeinschaften - von der Band über den Sanitätsdienst bis zu Tutoren. «Wir ruhen uns keinesfalls auf den Lorbeeren aus», sagt Schöne. Auch die Schüler finden das größtenteils gut. Von Montag bis Donnerstag verbringt Thomas Dworsky beispielsweise jeden Tag bis nachmittags um 15.45 Uhr in der Schule, den Freitag wie die anderen auch bis 13 Uhr. «Am Anfang war das schon schwer, aber man entwickelt mit der Zeit eine gewisse Ausdauer», erklärt er.

Man sei nach der Schule zwar um einiges ausgelasteter, habe dann aber tatsächlich auch Feierabend, also in der Regel kein zusätzliches Lernen mehr, keine Hausaufgaben.

Die Mittelschule ist die Antwort des bayerischen Kultusministeriums auf die Krise der Hauptschule. Nur noch rund 30 Prozent der Schüler eines Geburtenjahrgangs haben die Hauptschule besucht, die bekam dadurch das schlechte Image einer «Restschule». Und nun? Thomas Dworsky sieht das kritisch. «Der Abschluss an der Mittelschule ist trotzdem nur der Hauptschulabschluss.

Irgendwann wird die Wirtschaft das realisieren. Und dann stehen wir Schüler wieder ganz unten», sagt er. Und Andrea Tröbensberger meint: «Die Hauptschule ist ja nicht schlecht. Wir bemühen uns genauso.» Schöne pflichtet den beiden bei. Die Bezeichnung Mittelschule werde sich wohl erst mittelfristig in der Gesellschaft verankern. «Die meisten Leute halten uns derzeit noch für eine Realschule», so Zecherle.

«Ein Erfolgsmodell»

Für Schöne ist die Mittelschule ein Erfolgsmodell. Völlig selbstständig im Ostallgäu sind nur die Einrichtungen in Buchloe und Füssen. In der Umgebung sind Mittelschulen meist über den Zusammenschluss zu mehreren Schulverbünden entstanden. Auch in Buchloe war einst eine Kooperation mit der Hauptschule Germaringen im Gespräch, der jedoch scheiterte.

«Ich hätte den Verbund sehr gerne gehabt», sagt Schöne. Vor allem dem Trend sinkender Schülerzahlen hätte man dadurch besser entgegenwirken können.

Derzeit, so der Buchloer Mittelschulrektor, habe man eine siebte Klasse im M-Zug mit gerade einmal 16 Schülern, die unterste Grenze. Schöne: «Im Verbund hätten wir diesbezüglich mehr Sicherheit gehabt.»

 

Christian Schöne

 

Hubert Zecherle

 

Thomas Dworsky

 

A. Tröbensberger

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