Elternforum
Peter Karl referiert in der Mittelschule Buchloe über Jungen in der Pubertät

'Jungen in der Pubertät – ein Prüfstand für die Familie' lautete das Thema des jüngsten Vortrags im Rahmen des Elternforums in der Mittelschulaula. Eingeladen hatten der Kinderschutzbund Buchloe, die Mittelschule und der Buchloer Jugendpfleger Hans-Jürgen Mayer. Zahlreiche Zuhörer verfolgten interessiert die Ausführungen des Diplom-Sozialpädagogen Peter Karl aus Gersthofen.

Der Referent fesselte die Eltern von Anfang an. Die oft beklagten schwierigen Pubertätsverläufe seien auf die Abnabelung von der Mutter und die Suche nach männlichen Vorbildern zurückzuführen. Die fehlende Zeit der meisten Väter für ihre Söhne sei nur ein Teilaspekt des Problems.

Denn die sogenannten Helikopter-Mütter, die alles wissen wollen/müssen, seien schlicht unerwünscht. 'Also kein Zutexten bitte', empfahl Karl. Das Wundermittel für Mütter heiße: Jungen werden eigenständiger, wenn man sie loslässt. Das berge die Gefahr des Scheiterns, vor allem beim Ausprobieren von Suchtmitteln.

Speziell die männlichen Kinder bräuchten keine 'guten', sondern authentische Eltern. Karl forderte die Zuhörer auf, ihm die Verhaltensweisen ihrer Jungen zuzurufen. Er bezeichnete alle als normal. Trotzdem sei die Pubertät tatsächlich eine Zeit der Extreme.

Sie könne als Reise begriffen werden, die leichter zu bewältigen ist, wenn Eltern wenigstens einen Informationsvorsprung haben. Es helfe schon, zu wissen, dass das Testosteron des Jungen in der Entwicklungsphase um bis zu 800 Prozent steigt.

Eltern haben immer die Chance, die Zeit zwischen der Provokation ihres Kindes und ihrer eigenen Reaktion 'verantwortungsvoll' zu gestalten, also Spontanreflexe zu unterbrechen.

In solchen kritischen Situationen komme die Gewalttätigkeit ins Spiel, die bei dann körperlich ausgewachsenen Männern die eigene Mutter als 'kleine Frau', speziell auch als Alleinerziehende, in eine gefährdete Position bringen könne.

Bei Jungen seien die hormonellen und körperlichen Veränderungen, etwa zwischen 11 und 13 Jahren, so gravierend, dass es zur kompletten Umstrukturierung der Großhirnrinde kommt. Die Herausforderung für die Eltern bestehe darin, der totalen Selbstüberschätzung der Heranwachsenden, auch in schulischer Hinsicht, relativ gelassen zuzusehen.

'Jungs segeln gern am Abgrund', lautete der gut gemeinte Trost des Fachmanns.

In der zweiten Pubertätsphase zwischen 14 und 16 Jahren seien Konflikte mit den Eltern quasi an der Tagesordnung. Dabei sei erneut der Vater gefragt, der seine Rolle zwischen Kämpfer im wahrsten Sinne und Beschützer gefühlsmäßig selbst herausfinden müsse.

In der nachpubertären Phase, ab etwa 16 Jahren, entwickelt der junge Mann Selbstständigkeit und versucht in Schule/Ausbildung/Universität/Berufsleben eine Orientierung für sich zu finden, erklärte der Referent. Bestenfalls sollte er in dieser Lebensphase, die bis 30 dauern könne und die auch die depressive genannt werde, weiterhin Beistand und Ermutigung durch seine Eltern und das persönliche Umfeld erfahren.

Junge Männer seien oft einsam, mahnte der Referent an und legte diesen Aspekt des Erwachsenwerdens den Eltern ans Herz. 'Die Suizidrate ist in dieser Altersgruppe zehnmal so hoch wie bei den Frauen', gab Karl zu bedenken.

Brigitte Roczek vom Kinderschutzbund und Mittelschul-Konrektor Robert Protschka dankten dem Sozialpädagogen für die neuen Erkenntnisse und freuten sich über das breite Interesse an diesem wichtigen Thema mit Auswirkungen auf den Schulbetrieb.

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