Vortrag
Pater Elmar Busse zeigt in Waal Strategien zur Stärkung der inneren Widerstandsfähigkeit auf

Zum Thema 'Seelisches Immunsystem' referierte Pater Elmar Busse auf Einladung des Pfarrgemeinderates Waal im Pfarrsaal. Busse stammt aus der ehemaligen DDR, hat in Erfurt Theologie studiert und ist heute geistiger Betreuer der Schönstattbewegung. Ausgangspunkt seiner Betrachtungen war das unterschiedliche körperliche Immunsystem bei den Menschen.

So gebe es Leute, die scheinbar jedes Bakterium, das in der Luft umherschwirrt, einfangen und es dann im Bett auskurieren müssen und andere, die so schnell nichts umwirft.

Es gebe auch Parallelen zwischen körperlicher Immunität und seelischer. Die Frage sei: Was können wir zur Stärkung des inneren Immunsystems beitragen? Er stellte die Frage in den Raum, ob man daran etwas ändern könne und meinte, bis zu einem gewissen Grade 'ja'.

Viele negative Gedanken prägten das menschliche Leben, viele positive auch. Eine hundertprozentige Vorhersage sei aber nicht möglich, was zum Beispiel aus einem Kind wird.

Es gebe Menschen, die trotz widrigster Lebensumstände, schlimmer Kindheit und massiver seelischer Verletzungen eine erstaunliche Lebensbejahung in sich tragen. Psychologen bezeichnen dieses Phänomen mit 'Resilienz'. Damit sei im Bauwesen die Biegsamkeit von Baumaterialien gemeint: Wie weit kann man etwa einen Holzbalken biegen, ohne dass er zerbricht.

Als Beispiel diente dem Referenten das Leben von Pater Josef Kentenich, der trotz unehelicher Geburt, Waisenhausaufenthalt, Einsamkeit im Studium, angeschlagener Gesundheit, Dunkelhaft, KZ-Aufenthalt und 14-jähriger Verbannung eine hohe Resilienz aufwies und sich nicht zurückzog und bedeckt verhielt, sondern bis zu seinem Lebensende eine vitale, unternehmungslustige und humorvolle Persönlichkeit geblieben sei.

Offenbar konnte Kentenich, da er selber im Konzentrationslager Dachau viel Schlimmes mitgemacht hatte, diejenigen Menschen gut verstehen und trösten, die ganz unten waren.

Zur Stärkung der seelischen Immunität ist es wichtig, ein Netzwerk mit tabufreier Kommunikation aufzubauen, erklärte der Schönstatt-pater. Das Gefühl, 'ich habe Menschen, mit denen ich über alles reden kann, und die es gut mit mir meinen', sei von großer Wichtigkeit, betonte Pater Busse.

Krisen sollte man nicht als unüberwindbares Problem betrachten. Geschehenes lasse sich nicht rückgängig machen, dennoch habe jeder Mensch Gestaltungsmöglichkeiten und sollte ein gewisses Ohnmachtsgefühl zu überwinden versuchen.

Der Referent empfahl, nicht nach dem Motto 'Alles oder Nichts' zu leben. Vielmehr gelte es, realistische Ziele zu entwickeln und die Zukunft im Blick zu behalten.

Jeder Mensch sollte sich bewusst sein, dass es trotz Schmerzen und Verluste wie etwa bei Trauer und Trennung noch Wünsche gebe, die man realisieren könne. Das Selbstmitleid müsse überwunden und die 'Opferrolle' verlassen werden.

Busse zeigte Beispiele auf, wie Schwerstbehinderte ihr Leben bewundernswert meistern, um nicht in einem Heim leben zu müssen. Damit komme auch die Würde und Selbstachtung zurück. Solch innere Strategien haben Psychologen bei den Menschen gefunden, die besser mit ihrem schweren Leben zurechtkamen als andere mit ähnlichen Belastungen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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