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Wirtschaft
Neuer Eigentümer für Lang

Das gestrige Beben in der Papierindustrie hat auch das Ettringer Papierwerk Lang erfasst. Zwei Stunden, bevor der finnische Papierriese und Weltmarktführer UPM in seinem Standort Augsburg bekannt gab, Myllykoski und Rhein Papier übernommen zu haben, fand in Ettringen eine Betriebsversammlung statt. In der informierte die Geschäftsleitung die Belegschaft über die Übernahme durch UPM.

«Eine so gut besuchte Betriebsversammlung hat es in unserer Firmengeschichte noch nicht gegeben», sagte ein hörbar erschöpfter Betriebsratsvorsitzender Bernd Ulbrich im Anschluss. Denn wie das weitere Vorgehen nach der Übernahme aussehen soll, ist derzeit alles andere klar. «Ich bin UPM gegenüber zwar positiv eingestellt, weiß von diesem Unternehmen aber eher wenig. Ich weiß deswegen auch nicht, ob es heute ein guter oder schlechter Tag für Lang war», sagte Ulbrich weiter.

Frage nach der Strategie

Neben den Untersuchungen der Wettbewerbsbehörden, die die Übernahme in all ihrer Details untersuchen muss, stellt sich im Unterallgäu auch die Frage der Strategie der bisherigen sowie zukünftigen Eigentümer. Ein Abschluss des 900 Millionen Euro schweren Geschäfts soll innerhalb des zweiten Quartals 2011 erfolgen.

Was danach kommt, dazu machte das deutsche Vorstandsmitglied von UPM, Dr. Hartmut Wurster, gestern noch keine Angaben.

Anders hielt es in dieser Hinsicht die aktuelle Werksführung - es soll sich an dem bisher eingeschlagenen Weg nichts ändern. Lang hatte erklärt, 85 Stellen innerhalb der 550 Mann starken Belegschaft streichen zu wollen. «Wir führen unsere Projekte weiter fort», erklärte Werksleiter Dr. Thomas Krauthauf auf Nachfrage unserer Zeitung. Ein etwaiger Bestandsschutz, wonach die Belegschaft nach einer Übernahme nicht betriebsbedingt verringert werden könne, treffe auf diesen Fall nicht zu.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Firmenleitung die Gespräche mit dem Betriebsrat abgebrochen und ein Einigungsstellenverfahren angestrengt, bei dem ein neutraler Vermittler über das Ausmaß des Stellenabbaus vermitteln soll. Die Überkapazitäten am Markt, so die Argumentation der Konzernführung, machten eine Umstrukturierung und damit einen Stellenabbau unausweichlich, die Zeit dränge. Deswegen solle es beim Gang zur Einigungsstelle bleiben.

Eine Vorgehensweise, die Betriebsratsvorsitzender Bernd Ulbrich nicht nachvollziehen kann: «Das Einzige, was aus unserer Sicht Sinn machen würde, ist eine Rückkehr an den Verhandlungstisch.» Betriebsrat und Gewerkschaft hatten kritisiert, von der Unternehmensleitung nicht ausreichend informiert geworden zu sein.

Eine Antwort darauf, wie dieser Stellenabbau aussehen soll, ohne bei der Effizienz des bereits ausgelasteten Unternehmens Abstriche machen zu müssen, sei Werksleiter Krauthauf auch bei dieser Mitarbeiterversammlung schuldig geblieben.

«Bedrückte» Stimmung

Das Vorgehen der Geschäftsleitung wird auch von Seiten der Gewerkschaft hart kritisiert. Gewerkschaftsmitglied Peter Beneke kann die Entscheidung des Unternehmens nicht verstehen: «Dass auch jetzt, nach der Übernahme, an dem Stellenabbau festgehalten wird, finde ich sehr merkwürdig. Ich halte das für nicht sehr sinnvoll.» Die Stimmung auf der Betriebsversammlung beschreibt der Gewerkschafter als «sehr bedrückt».

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