Sitzung
Mit Windrädern Grenzen der Gemeinden überwinden

«Tatsächlich waren wir vor eineinhalb Jahren unserer Zeit voraus.» Nicht ohne Stolz berichtete Bidingens Bürgermeister Franz Martin bei der ersten gemeinsamen Versammlung sämtlicher Stadt- und Gemeinderäte der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Buchloe im Kolpinghaus von den Erfahrungen, die seine Gemeinde bei der Planung einer eigenen, kommunalen Windkraftanlage bislang gesammelt hat. Stadträtin Amely Beutlrock (UBI) sah in der Veranstaltung denn auch «einen tollen Input und einen Impuls, so etwas weiter voranzutreiben». Bidingen plant, auf einem Höhenrücken südlich des Ortsteils Königsried eine «wirkliche Bürger-Windkraftanlage» zu errichten. Konkret soll ein Windrad gebaut werden, das die Gemeinde betreibt. Ob es dazu wirklich kommt, darüber sollen alle Bidinger bei einem Bürgerentscheid Anfang Juni bestimmen. «Ich hoffe, dass sie sich dafür aussprechen, denn wenn man die Bürgerschaft im Rücken hat, gibt einem das ein positives Gefühl», sagte Bürgermeister Martin.

Seine Gemeinde wolle selbst als Betreiber auftreten, «dann sind alle und nicht nur ein paar wenige, die das Geld zum Investieren haben, dabei», erklärte Martin. Bei der Errichtung des Windrads wolle die Kommune das wirtschaftliche Risiko jedoch minimieren. «Wie wollen in keinem Jahr einen Verlust machen», so das Gemeindeoberhaupt.

Martin rechnete vor: Über eine Laufzeit von 20 Jahren gerechnet, kostet das insgesamt 4,78 Millionen teure Windrad die Gemeinde pro Jahr rund 466000 Euro. Dann hätte es sich amortisiert. Eingerechnet sind darin unter anderem auch sämtliche Wartungskosten, Rücklagen, Gutachten, Zinsen und sonstigen Betriebskosten.

Im Gegenzug erhält Bidingen eine durchschnittliche jährliche Einspeisevergütung von rund 616000 Euro. Das bedeutet: Die Gemeinde würde pro Jahr im Schnitt 150000 Euro an ihrem Windrad verdienen. «Diese Einnahme sind für uns als kleine, hoch verschuldete Gemeinde ein wichtiger Grund, weshalb wir uns mit dem Projekt beschäftigen», gab Martin unumwunden zu.

Der Bürgermeister sieht in dem Projekt zudem eine Chance für Kommunen, eine ökologische Vorreiterrolle einzunehmen und eine eigenständige Stromversorgung aufzubauen.

Diese Argumente griff auch Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger auf. Schon jetzt, sagte er, klopften Investoren aus dem Norden an, um herauszufinden, wo im Süden der Republik Windräder gebaut werden könnten.

«Wir sollten deshalb versuchen, alle Bürgermeister der Gemeinden nördlich des Windrad-Ausschlussgebiets entlang der Linie Kempten, Marktoberdorf, Schongau an einen Tisch zu bringen. Dann müssen wir gemeinsam überlegen, wo wir Windräder gebündelt bauen könnten», meinte Schweinberger. Denn seiner Ansicht nach «kann es nicht sein, dass jeder irgendwo einen Spargel aufstellt». Stattdessen forderte Schweinberger einen «gemeindeübergreifenden Flächennutzungsplan, mit dessen Hilfe wir uns selbst Grundstücke sichern, wo wir mehrere Windräder bauen können». «Wir haben über die Gemeindegrenzen hinweg einen Hochwasserzweckverband auf den Weg gebracht», so der Buchloer Bürgermeister, «jetzt sollten wir schauen, ob wir gemeinsam auch solch eine Planung auf den Weg bringen.»

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