Jubiläum
Matthias Kögl ist ein «Mann der ersten Stunde» des ESV Buchloe - Verein feiert heuer sein 50-jähriges Bestehen

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Die Schatzkiste der Anekdoten ist bei Matthias Kögl riesig. Wenn er beginnt, von den Anfängen des ESV Buchloe zu erzählen, sprudelt es nur so aus ihm heraus. Geschichten von Hühnerställen, die zu Umkleidekabinen umfunktioniert wurden, von Strafbänken, auf denen gerade einmal ein einziger Spieler Platz hatte, und von den ersten Duellen auf dem Weiher mit blanken Holzstöcken und Konservendosen. Kögl, heute 67 Jahre und Zweiter Vorsitzender des ESV Buchloe, war bei dessen Gründung gerade einmal 17 Jahre jung, durchlebte mit dem Verein seitdem Höhen und Tiefen.

Das Ärgste, erzählt er, sei ein Sturz einen Tag vor dem ersten offiziellen Spiel der Buchloer gegen Waal gewesen. Beim Schlittschuhlaufen fiel Kögl damals so dumm, dass er mit dem Kopf gegen eine Begrenzung krachte - und mit einer Gehirnerschütterung zum Zuschauen verdammt wurde. << Das ist im jugendlichen Leichtsinn passiert, hat mich aber schon gewurmt >>, meint er heute.

Als Gründungsmitglied hat Kögl sowohl die Vereinsgeschichte als auch die Entwicklung des Eishockeysports in all den Jahren interessiert verfolgt. Vieles habe sich seitdem verändert, eines sei jedoch gleich geblieben: << Eishockey war schon immer ein Sport mit viel Aufwand. Und das ist noch immer so >>, meint er. War der Aufwand früher eher materieller Art, ist es heute mehr ein finanzieller. Schier unvorstellbar ist es, wenn Kögl erzählt, es habe in den Anfangsjahren gerade einmal eine einzige Umkleidekabine gegeben.

<< Man hat sich entweder nacheinander umgezogen oder ist ins Auto ausgewichen >>, sagt er. Fast alles rund um das Spiel sei damals Handarbeit gewesen, man habe viel improvisiert. Wie bei den Toren zum Beispiel. Am Anfang zusammengenagelt aus Holz, bis weit in die 70er-Jahre Eisenkonstruktionen, selbst geschweißt.

Für Originaltore, so der Zweite Vorsitzende, fehlte dem Verein schlicht und einfach das Geld. Auch die Schläger habe es zu Beginn nicht im Geschäft zu kaufen gegeben. Kögl: << Ein Schreiner hat uns Holzstecken mit Alublättern gebastelt, für die ganze Mannschaft. >>

Und fast immer mussten die Spieler mithelfen. << Vor einem Spiel haben wir uns nachtsüber selbst das Eis im Stadion gemacht >>, berichtet Kögl. Allerdings nicht, wie heute üblich, mit technischer Raffinesse und modernen Maschinen.

Mit Rupfensäcken, einem alten Holzfass und Wasserschläuchen wurde zunächst Bahn für Bahn gezogen, ein paar Jahre später zog man einen Schlauch auf einem Schlitten über das Eis, die Linien wurden mit Wasserfarben und einem guten Augenmaß gezogen. Eigeninitiative war auch in Sachen Bekleidung gefragt. Kögl: << Es gab nicht jedes Jahr einen neuen Satz Trikots. Teilweise mussten sie mindestens fünf oder sechs Jahre halten. >> Jeder sei für sein Dress selbst verantwortlich gewesen - vom Waschen bis zum Flicken.

Und heute? << Das ist ein ganz neues Zeitalter >>, meint Kögl. Jedes Jahr bekommen die Spieler neue Schlittschuhe und andere Ausrüstungsgegenstände gestellt. Dazu trägt der Verein die Kosten bei Auswärtsfahrten. Eis gibt es im überdachten Stadion schon ab September und geräumige Umkleidekabinen sind quasi Standard.

Zur neuen Saison hat sich der ESV Buchloe eine neue Bande zugelegt, nicht mehr mit Maschendrahtzaun, sondern ohne jegliche Sichtbehinderung. Allerdings, so der Funktionär, sei vieles auch schwerer geworden. Kögl: << Es gibt zum einen viele andere Freizeitangebote, zum anderen bleibt den Jugendlichen durch die Ganztagsschule kaum mehr Zeit, ein Hobby anständig ausüben zu können. >> Damals, erinnert er sich, sei man nach der Schule eben einfach nur raus auf den gefrorenen Weiher. Bis es abends dunkel wurde.

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