Konzert II
Klassisch, konzertant und poppig

Als beste Mittelstufenkapelle des vergangenen Bezirksmusikfestes war der Musikverein Weicht im Herbst zur ASM-Ausscheidung nach Fischen gefahren - und sehr frustriert als Letztplatzierter zurückgekehrt. Von dieser Enttäuschung war beim Jahreskonzert nichts mehr zu spüren, denn Dirigent Thomas Lang hatte sein Orchester nicht nur musikalisch, sondern offenbar auch mental sehr gut auf diesen Auftritt vorbereitet.

Den Anfang machte traditionsgemäß die Jugendkapelle der Musikvereine Jengen-Weicht-Ketterschwang, die ebenfalls unter Langs Leitung steht. Ergänzt um einige «zweigleisig» fahrende Musiker aus der Weichter Stammkapelle, bot man drei stilistisch unterschiedliche Stücke, die wichtige Repertoiresparten der Blasmusik abdeckten: Themen aus der klassischen Musik («Antonins New World»), konzertante Originalmusik («Reflections» von Johan Nijs) und Popmusik («Easy Pop Suite» von Dizzy Stratford). Alles klang intonatorisch sauber, klanglich vielleicht etwas kraftvoll, aber mit gutem Gespür für Phrasierung.

Beeindruckender Einstand

Mit «Hill Country Holiday» von Robert Sheldon gab die Stammkapelle einen äußerst beeindruckenden Einstand. Das Stück wirkte wie eine tönende Werbung für Urlaub in den Rocky Mountains. Harmlos im Titel, aber gespickt mit einigen unvorhersehbaren melodischen Motiven ist der «Montana Marsch» des Allgäuers Heinz Hermannsdörfer, mit dem es in die Pause ging.

Böhmisches Gefühl zeigte man im «Andulka Marsch» von Frantisek Kmoch, bevor mit «Rapunzel» aus der Feder des Belgiers Bert Appermont (geboren 1973) ein zweiter konzertanter Höhepunkt folgte. Diese gelungene Märchenvertonung wurde auch in den nicht so ganz leicht ins Ohr gehenden Passagen hervorragend realisiert. Posaunist Markus Seifert gab souverän und nahezu ohne Versprecher den Part des Erzählers.

Ein willkommener Ruhepunkt war der Bach-Choral «Bist Du bei mir». Auch die Polka «Ein halbes Jahrhundert» des Schweizers Very Rickenbacher (geboren 1957) bot keine besonderen Aufregungen für die Musiker. Umso heftiger ging es im Medley aus dem Film «Children of Sanchez» mit der Musik des Jazz-Flügelhornisten Chuck Mangione (geboren 1940) zur Sache. Naohiro Iwai, Spezialist im Arrangieren moderner Unterhaltungsmusik, hatte für einige Solisten herausragende Aufgaben parat. Tobias Huber am Flügelhorn zeigte, dass in ihm das Zeug zu einem veritablen Jazzer steckt.

Mit einer vorwitzig-frechen (und doch irgendwie zutreffenden) Ansage wurde das letzte Stück vorgestellt. Da Whitney Houstons sängerische Fähigkeiten in jüngster Zeit merkbar nachgelassen hätten, habe man ihren größten Hit «One Moment in Time» nun mit einer eigenen Sängerin einstudiert.

Kathrin Müller, 13-jährige Tochter des früheren Dirigenten Anton Müller, erfüllte alle in sie gesetzten Erwartungen und sang diesen Evergreen sehr ausdrucksstark, mit stabiler Höhe und einem beeindruckenden Stimmvolumen.

Frenetischer Beifall. Joachim Buch

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