Gentechnik
«Keine neue tolle Welt»

Eine entleerte, für die industrielle Landwirtschaft maßgeschneiderte Landschaft im US-Bundesstaat Montana - so sieht das Feindbild des Bundes Naturschutz in Bayern (BN) in Sachen Grüner Gentechnik aus. Mit einem fachlich fundierten und schlüssigen Vortrag im Buchloer Stadthotel lieferte die BN-Referentin für Landwirtschaft, Marion Ruppaner, Argumente gegen den Einsatz von Agro-Gentechnik. Sie nütze den Verbrauchern nichts und schade Landwirten und Imkern.

Der Eingriff in die Kreisläufe der Natur sei hochproblematisch, sagte Ruppaner. Es werde mit vielfältigen Versprechungen wie Ertragssteigerung, weniger Einsatz von Pestiziden und Behebung des Hungers in der Welt eine «neue tolle Welt» propagiert. Das Gegenteil sei der Fall. Einschlägige Statistiken zeigten eine starke Erhöhung des Herbizidverbrauches. Zum Beispiel von Roundup und Liberty, die den Wirkstoff Glyphosat enthalten. Die Folge seien glyphosat-resistente Unkräuter bis hin zu «Super-Unkräutern», wie es das US-Beispiel Giant Ragweed, eine Ambrosia-Art, darstelle. Denen könne man nur noch mit Hacke und Säge zu Leibe rücken. Ein Reihe von Tierversuchen habe auch gezeigt, dass durch die Giftrückstände das Immunsystem gestört werde.

Als «Koexistenzlüge» bezeichnete Ruppaner das Nebeneinander von Gentechnik und konventionellem Anbau. Bienen und Pollen machten vor Feldgrenzen nicht halt, eine Auskreuzung (Beispiel von Raps auf Rüben und Kohl) sei nicht kontrollierbar. Der einmal freigesetzte Pollen ist «nicht mehr zurückzuholen, der bleibt da», sagte Ruppaner. Und wie weit der Pollentransfer gehen kann, das zeigte ein Bild vom «Saharastaub» im Allgäu.

Der BN sieht sich im Kampf gegen die Agro-Gentechnik auf der Erfolgsspur, Ziel ist der Erhalt der kleinbäuerlichen Landschaft und ein generelles Zulassungsmoratorium für Gentechnik-Pflanzen in ganz Europa. In der Schweiz sei das Moratorium bereits bis 2013 verlängert worden.

Kreisvorsitzender Josef Kreuzer nannte die Grüne Gentechnik «eines der Felder, wo wir Politiker in die richtige Richtung gebracht haben». Und dass man sich gegen mächtige Firmen wie «Monsanto» stellt, darüber sei man sich mehr als bewusst. Unsere Nahrung sei etwas, das uns wie kaum etwas anderes betreffe. Er sprach von «gemeinsamem Gewinn und Interesse» von Verbrauchern sowie der Landwirtschaft.

Zumindest mit der Regional-Politik zufrieden ist die Geschäftsführerin des Bio-Ring Allgäu, Christine Räder. Insbesondere die Landräte im Ober- und Ostallgäu seien sehr an einer Gentechnik freien Region interessiert.

In einer freiwilligen Selbstverpflichtung hätten sich im Oberallgäu bereits zwei Drittel aller Landwirte dafür eingesetzt.

Die nächste Aktion wird eine Großdemonstration am 22. Januar 2011 anlässlich des Treffens der internationalen Landwirtschaftsminister in Berlin sein. Räder will hierzu eine Busfahrt aus dem Allgäu organisieren.

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