Neuanfang
Jan Forma seit gestern neuer Pfarrer der Kirchengemeinde Jengen

Pfarrer Jan Forma gibt schmunzelnd zu: «Ich hätte gar nicht gedacht, dass es für Möbel so lange Wartezeiten gibt.» Zurzeit müsse er sich sehr oft durch verschiedene Möbelgeschäfte schlagen. Denn: Forma wird neuer Pfarrer in Jengen und richtet sich derzeit den Pfarrhof ein.

Als er am Mittwoch in Jengen ankam, stand er vor einem leeren Pfarrhof, in seinem Koffer befand sich nur das Nötigste, denn die vergangenen vier Jahre verbrachte er in Indien. Zur Zeit der Christenverfolgung setzte er sich dort für diejenigen ein, die von ihrem Zuhause fliehen mussten. Gemeinsam mit einigen Kollegen half er ihnen, einen neuen Anfang zu starten.

Sein christlicher Weg begann aber schon viel früher. Am 6. Juli 1961 wurde er in der Region Westpommern geboren, als Bub besuchte er das technische Gymnasium. Als er 20 Jahre alt war und kurz vor seinem Abitur stand, wurde ihm bewusst, dass er zu etwas anderem berufen ist. << Das ist wie, wenn sich ein Junge in ein Mädchen verliebt >>, erklärt Forma, der in einer sehr christlichen Familie aufwuchs.

<< Plötzlich gibt es einen Funken und man weiß, was man will. So war das bei mir mit der Kirche. >> Nach dem Abschluss besuchte er das Priesterseminar im Kloster Paradies in West-Polen. Die folgenden sieben Jahre studierte er Philosophie und Theologie an der päpstlichen Fakultät in Breslau.

Am 21. Mai 1989 wurde Forma zum Priester geweiht. Ein halbes Jahr blieb er als Kaplan in Polen, ehe er für ein weiteres halbes Jahr als Pfarrer und Leiter des Familienpostulats nach Wien kam. Nach Deutschland zog es ihn 1991. Als zweiter Kaplan arbeitete er zunächst in Pfaffenhofen, dann in Oberstdorf.

Zwei Jahre später kam er nach Kaufbeuren, wo er in der Pfarrei Sankt Ulrich aushalf. In den folgenden Jahren verbrachte er unter anderem einige Monate in Amerika, wo er einen Sprachkurs machte. << In Indien haben wir uns zunehmend auf Englisch unterhalten >>, sagt der 50-Jährige. << Dort gibt es so viele verschiedene Sprachen und Dialekte, dass man die gar nicht alle lernen kann. >>

Kontakte pflegen

Kontakte zu einigen Menschen seiner bisherigen Stationen bestehen immer noch. << Man kann nicht alle Freundschaften erhalten, aber bei gegenseitigen Bemühungen schafft man es doch, einige wenige zu pflegen >>, erklärt er. Pflegen möchte er bald auch den Kontakt zu den Bürgern Jengens.

Ganz so neu sei für ihn das ganze Umfeld gar nicht. << Mit dem Allgäu und der Landschaft war ich ja schon vertraut und ich hatte auch schon vor einigen Wochen ersten Kontakt zu den Jengenern >>, sagt Forma. Damals sei er in das Dorf gefahren und habe sich die Kirche angeschaut. Eine Frau sei gleich auf ihn zugegangen und habe sich freundlich mit ihm unterhalten.

<< Das war die Mesnerin >>, so Forma. Sie sei sehr interessiert und sympathisch gewesen. Doch damals wusste weder sie noch er, dass Forma kurz darauf in Jengen als Pfarrer landen würde. Sie habe sozusagen stellvertretend für das gesamte Dorf auf ihn gewirkt. << Herzensleute >> nennt er die Jengener.

Seiner Ansicht nach sind menschliche Beziehungen maßgebend für ein gutes Zusammenleben. << Ich möchte die Frohe Botschaft verkünden und mit den Menschen im Glauben wachsen >>, erklärt der Pfarrer. << Doch auch sie müssen interessiert und gewillt sein. >> Er möchte sich zudem keinen Schwerpunkt setzten, sondern alle Menschen gleich ansprechen.

Vorbereitet hat sich Forma schon ein bisschen auf seine erste Heilige Messe am morgigen Samstag in Jengen. Seit Dienstag überlege er sich schon, was er sagen möchte. Auch die Fürbitten seien bereits vorbereitet. Was die Predigt angeht, hänge aber auch sehr viel von den Bürgern selbst ab. << Wenn sie viel für mich gebetet haben, dann werde ich auch gut predigen können >>, sagt er, schmunzelt und stellt eine Umzugskiste auf einem Tisch in seinem neuen Büro ab.

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