Versammlung
Genossenschaften - Von der Bank bis zur Molkerei

Das Wesen einer genossenschaftlichen Bank zeigt sich bei den Versammlungen, die mal in der Stadt, mal im Dorf stattfinden. Dort präsentieren Vorstandsmitglieder die Unternehmensentwicklung und lassen über Weichenstellungen abstimmen. Es wird diskutiert, applaudiert – und manchmal auch Tacheles geredet. Denn die Entscheider und Kunden sind Landwirte, Bürgermeister und Geschäftsleute, denen als Mitunternehmer die Dividende weit weniger wichtig ist als die Nähe zu ihrer Bank und deren gute Entwicklung. 'Wir sind unseren Mitgliedern verpflichtet', so Dr. Hermann Starnecker (50). Der Vorstandssprecher der VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu sagt, dass der Unterschied zwischen einer Weidegenossenschaft und einer Raiffeisen- oder Volksbank insofern gar nicht so groß ist.

Dies zu betonen, bietet sich an. Denn Starnecker ist von den Mitgliedern des schwäbischen Genossenschaftsverbandes einstimmig zu ihrem neuen Bezirkspräsidenten gewählt worden.

Er vertritt nun ehrenamtlich die Belange und Interessen der bayerisch-schwäbischen Genossenschaften nach außen wie nach innen. 'Als Repräsentant gegenüber Wirtschaft und Politik stehe ich aber auch als Ansprechpartner für die Anliegen einzelner Genossenschaften im Bezirk zur Verfügung', sagt er.

Der Bezirksverband Schwaben besteht aus 55 Kreditgenossenschaften wie der VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu und 193 ländlichen und gewerblichen Genossenschaften, etwa in der Landwirtschaft.

'Die Meinungen und Interessen gehen natürlich auseinander', sagt Starnecker. Doch gebe es 'Schnittmengen'. Einfluss auf das genossenschaftliche Wesen hätten sowohl die globalisierte Wirtschaft und das Finanzsystem als auch die regionalen Entwicklungen.

Die Energiewende beispielsweise betreffe die Banken mit ihren Finanzierungskonzepten ebenso wie die Produzenten und Abnehmer sowie die Bürger und Kommunen. Starnecker nennt als Beispiel Windkraftanlagen, die in vielen Gegenden durchaus umstritten sind.

'Der genossenschaftliche Gedanke kann Betroffene zu Akteuren machen', so Starnecker, der Energiegenossenschaften, etwa durch sogenannte Bürgerwindräder, eine Zukunft voraussagt.

Wegen seiner beruflichen Tätigkeit und der zahlreichen Banken im Genossenschaftsverband dürfte Starneckers Arbeitsschwerpunkt auf der Geldwirtschaft liegen. Er warnt vor den Folgen der pauschal schärferen Finanzmarktregeln (Basel III) für kleinere Regionalbanken und deren Kunden.

Aufgrund der dann höheren Mindestkapitalanforderungen müssten Banken Kredite mit wesentlich mehr Eigenkapital unterlegen. Das gelte auch für die risikoarmen Mittelstands- und Immobilienausleihungen, die dadurch möglicherweise verteuert werden.

Dieses Beispiel zeigt laut Starnecker auch, wie vielschichtig privatwirtschaftliche Solidargemeinschaften – nicht nur im Bankensektor, sondern auch in den Bereichen Umwelt, Energie und Gesundheit – sein könnten. 'Dies zu vermitteln, sei auch Ziel des internationalen Jahres der Genossenschaften 2012', so der Bezirkspräsident.

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