Geocaching
Gefährliche Jagd für moderne Schatzsucher

«Ein Lostplace (LP) für Liebhaber - spannend und abenteuerlich», das ist «Top of LL», ein schwer zu erreichender Punkt in der Umgebung, oder «Bowers Festung», eines der aufgelassenen Gebäude im Landsberger Frauenwald, laut Homepage der Geocacher «Die Hochburg des Bösen». Solche Einträge machen dem Oberbürgermeister der Stadt Landsberg zunehmend Sorge, denn bei dem Areal im Frauenwald handelt es sich um ein ehemaliges Militärgelände mit abgesperrten Bereichen.

Was martialisch klingt, ist für viele Freunde des Geocaching, einer modernen und eigentlich harmlosen Form der Schatzsuche, eine Herausforderung. «Findet die fünf Bs, und letztlich den Final, welchen ihr am Ende der Schienen, welche ihr im Gebäude findet, findet», schreibt etwas ungelenk ein Mitglied der HyperCacheCrew und schiebt gleich eine Warnung nach: «Achtung: Macht diesen Cache nicht allein. Der Cache ist nichts für Leute mit Höhenangst.» Zu seinem Entsetzen hat OB Ingo Lehmann erfahren, dass einige Erwachsene mit kleinen Kindern aufgelassene Gebäude durchstöberten. «Die unterirdischen Luken und dunklen Gänge dieses großen Komplexes sind aber alles andere als kinderfreundlich ausgestattet.

» (Interneteintrag: «Wir haben alles genau untersucht und uns alle Räume angesehen, sind in Schächten rumgekrabbelt und Leitern hochgeklettert»). Die Gebäude im Frauenwald gehören zu einer im Dritten Reich nicht mehr fertiggestellten Nitrozellulosefabrik, die aus rund 130 Gebäuden bestand.

«Große Verletzungsgefahr»

Es bestehe große Verletzungsgefahr, zudem seien die noch bestehenden Gebäude - insgesamt zwischen 50 und 60 - alle eingezäunt. «Wer dennoch eindringt, begeht Hausfriedensbruch», sagt Polizeihauptkommissar Franz Kreuzer, der kein Verständnis für diese Art von ungebetenen Besuchern hat. Doch offensichtlich macht genau dies und die unrühmliche Vergangenheit des Ortes den Reiz für die Geocacher aus. «Ein saulässiges Gebäude», befindet ein Besucher, andere kommen sich bei ihren nächtlichen Besuchen vor wie Indiana Jones oder Lara Croft.

Für einen weiteren sind die «LPs hier im Frauenwald wirklich einen Besuch wert» - auch wenn man dort plötzlich auf «Muggel» stößt, so nennen die Geocacher Personen, die sich nicht auf Suche nach der Dose befinden. So wird im Internet von Erotikshootings oder von Begegnungen mit Malern im Innenbereich der Gebäude berichtet, in die sie einstiegen. Der Leiter des städtischen Forstamts in Landsberg, Dr. Gerhard Gaudlitz, wurde schon mehrmals bei seinen Streifzügen durch den Wald zum Muggel: «Ich habe schon zwei oder drei Mal Geocacher getroffen, wobei die sich sehr waldfreundlich verhalten haben.»

Er selbst weiß, dass Gefahren aber eher im Frauenwald lauern - für einen Geocacher «ein Spielplatz, den wir uns früher gewünscht hätten und für den uns unsere Eltern den Arsch versohlt hätten.» Aus Gründen des Natur- und Tierschutzes appelliert Dr. Gaudlitz an die Besucher, sensibel beim Suchen im Wald zu sein.

In den Unterricht integriert

Hält man sich an diese Vorgehensweise, dann ist Geocaching auch nach Meinung von Folkart Glaser, dem Kreisvorsitzenden des Bund Naturschutz und Schulleiter des Joseph-Bernhart-Gymnasiums in Türkheim, «eine beliebte Sache, die wir an unserer Schule in den Unterricht einbauen». Er wisse aber um den Spagat zwischen Naturgenuss und Massenandrang.

«Wer dennoch eindringt, begeht Hausfriedensbruch.»

Polizeihauptkommissar Franz Kreuzer

Die Ruinen der ehemaligen Zellulosefabrik im Landsberger Frauenwald sind beliebte Erkundungsziele von Geocachern, modernen Schatzsuchern. Foto: Seidl-Cesare

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