Planung
Für Modegeschäfte hat jetzt schon der Sommer begonnen

Der Christbaum wurde gerade erst entsorgt. Plätzchen, Lebkuchen und Schokonikolause sind noch nicht vollständig verputzt, den Klang der letzten Silvesterknaller hat man noch in den Ohren. Ein bisschen hängt das alte Jahr noch nach, das neue hat die volle Fahrt noch nicht so ganz aufgenommen.

Manche Menschen sind jedoch schon viel weiter. Während andere sich noch in die Winterjacken hüllen, denken sie schon an Spaghettiträgertops – oder an das kommende Weihnachtsfest. Wir haben stichprobenartig bei Vertretern verschiedener Branchen nachgefragt, wie weit sie vorplanen und welchen Aufgaben sie derzeit nachgehen.

Die Modeexpertin Diana Dietrich vom Buchloer Modehaus Stammel weiß genau, in welcher Jahreszeit sie sich derzeit befindet: 'Bei uns ist Hochsommer', sagt die 28-Jährige, die für den Einkauf 'Junge Mode' zuständig ist.

Erst vergangene Woche war sie in München, um Spaghettiträger-Tops und Sommerkleider zu ordern. Noch bevor der Frühling ins Land gezogen ist, wird sie sich schon wieder der Herbstmode widmen. Und wenn draußen dann wirklich Hochsommer herrscht, schaut sie sich auf Messen die gefütterten Winterjacken an.

'Anfangs war es ungewohnt, immer ein halbes Jahr im Voraus zu leben, aber mittlerweile ist das der ganz normale Wahnsinn', sagt Diana Dietrich. Auf die warme Jahreszeit freut sie sich schon jetzt, denn: 'Der Sommer 2012 wird richtig bunt. Es kommen knallige Farben.'

Der Landwirt 'Die Winterzeit ist für uns eine ruhige Zeit', sagt Josef Amberger, stellvertretender Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes im Ostallgäu. 'Wir haben jetzt keinen Erntedruck und müssen demnach auch nicht aufs Wetter achten.'

Die Landwirte machen sich bereit für die nächste Saison. Heißt: Saatgut bestellen, Preise vergleichen, Düngemittel kaufen. Alles, was im Sommer zu kurz kommt, kann laut Amberger nun erledigt werden: Büroarbeit, Klauenpflege bei den Tieren und Reparaturarbeiten an den Maschinen.

Das Wetter sei den Landwirten derzeit ziemlich egal. Allerdings habe der starke Wind in den vergangenen Wochen Schäden in den Wäldern verursacht, die behoben werden müssen.

Die Stallarbeit müsse natürlich trotzdem an sieben Tagen der Woche morgens und abends jeweils rund zweieinhalb Stunden erledigt werden, aber 'dazwischen ist auch mal Zeit zum Skifahren mit der Tochter oder für einen Einkaufsbummel mit der Frau', erzählt der Buchloer.

Der Gärtner Wenn es, wie jetzt, im Verkauf etwas ruhiger zugeht, hat man dennoch genügend andere Dinge zu tun, finden die beiden Buchloer Gärtnermeister Georg Gilg und Josef Götzfried. 'Momentan werden zum Beispiel Geranienjungpflanzen eingetopft', erzählt Götzfried. Außerdem kultivieren er und seine Mitarbeiter Inka-Lilien selbst, das heißt, Blindtriebe müssen entfernt werden.

Im Gartencenter Gilg ist dagegen derzeit großes Umräumen angesagt. Die Weihnachtsware wurde im neuen Folienhaus zwischengelagert. Da in diesem Jahr eine Erweiterung des Betriebs ansteht, wird laut Georg Gilg junior noch öfter umgeräumt werden müssen.

Weil es im Geschäft nun etwas ruhiger zugeht als im Frühjahr und Sommer, bauen seine Angestellten auch Überstunden ab. Er selbst fährt viel auf Messen, bei denen er sich über die neuesten Trends informiert und Bestellungen für Dekorationsartikel und Pflanzen für die ganze Saison tätigt.

Die Urlaubsexpertin An den Feiertagen und in den Ferien haben sich die Familien Gedanken gemacht und beratschlagt; jetzt geht es ins Reisebüro, um den Sommerurlaub dingfest zu machen. 'Seit 25 Jahren ist es das Gleiche', erzählt Christine Haslauer vom gleichnamigen Buchloer Reisebüro. 'Pünktlich am 1. Januar läuft das Geschäft an.' Die Weihnachtsgeschenke seien bezahlt und die Kunden wüssten nun, wie viel Geld für den Sommerurlaub zur Verfügung steht.

Richtig auf den Ansturm vorbereiten könnten sie und ihre Angestellten sich aber nicht: 'Wir arbeiten Anfrage für Anfrage ab – von der Kreuzfahrt bis zur Städte- oder Fernreise.' Gibt es bereits einen Trend für den Urlaub 2012? 'Immer gut und günstig, das ist schon seit vielen Jahren so', berichtet die Reiseexpertin.

Der Konditor Während bei vielen Naschkatzen noch die Schokonikolause und Lebkuchen im Schrank liegen und nur darauf warten, angebissen zu werden, widmet sich Anton Hörberg schon wieder anderen Festlichkeiten. Neben dem üblichen Sortiment, kümmern sich der Buchloer Konditormeister und seine Mitarbeiter jetzt in erster Linie um die Faschingskrapfen und Küchle für die närrische Zeit.

Langfristige Planungen gebe es nicht. 'Neue Ideen werden so schnell es geht umgesetzt. Das ist ein laufender Prozess', erklärt Hörberg. Allerdings mache man sich nach jeder Jahreszeit oder nach jedem Anlass Gedanken, was gut gelaufen ist und was man beim nächsten Mal verändern oder verbessern könnte.

Der Buchloer Konditormeister blickt sogar noch ein Stückchen weiter in die Zukunft: 'Beim Kirchweihmarkt gibt es dann schon wieder die ersten Lebkuchen.'

Mitten im Winter forstet Urlaubsexpertin Christine Haslauer die Kataloge für die nächsten Sommerurlaube ihrer Kunden durch. Bei Georg Gilg blühen bereits jetzt Narzissen und Primeln im Gartencenter. Fotos: Benjamin Sigmund

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