Sammelleidenschaft
Franz Zeh aus Lindenberg sortiert seit 1962 die kleinen Wertzeichen in seine rund zwölf Alben ein

Briefmarken, Münzen, Bierdeckel oder seltene Puppen. Es gibt fast nichts, was Menschen nicht sammeln. Die Meisten, die mit dem Sammelfieber infiziert wurden, betreiben ihr Hobby mit viel Leidenschaft - zu Hause beim Sortieren oder auf Märkten beim Tauschen. Die Buchloer Zeitung stellt in einer neuen Serie in den kommenden Wochen passionierte Sammler und deren Schätze vor. Den Anfang macht der Lindenberger Franz Zeh, den Briefmarken faszinieren.

Lindenberg Bunte, Schwarz-weiße, mit Blumen oder Porträtköpfen: Franz Zeh hat sie fast alle. Aber eben nur fast. Dennoch könnte er wahrscheinlich mit seiner Briefmarkensammlung sein Wohnzimmer tapezieren. Säuberlich einsortiert hat er sie aber in spezielle Alben für Liebhaber.

Um irgendwann alle Lücken seiner Bücher zu füllen, wird er weiter fleißig seiner Leidenschaft nachkommen. << Das Ziel eines Sammlers ist es, immer eine Serie komplett zu haben >>, erklärt Zeh und zeigt auf ein aktuelles Album. << Vollständig ist das noch nicht, erst am Ende des Jahres füllt es sich >>, meint er weiter.

Schon früh hat seine Leidenschaft begonnen. Als Schulbub habe man unter Freunden Briefmarken ausgetauscht. Wenn jemand eine doppelt hatte, sagt Zeh, dann hat man sie durch eine andere ersetzt. << Das war damals eher ein Hobby. >> Letzteres sei es zwar heute auch noch, aber man investiere viel Geld und nehme die Sache ein bisschen ernster.

Der 78-Jährige verbringt aber lange nicht jede freie Minute mit seinen Marken. Wenn ihn die Lust packt, greift er sich ein Album, blättert es durch oder sortiert neue Briefmarken ein. Diese hat er nach Jahren und Ländern geordnet. Zeh konzentriert sich vor allem auf Deutschland mit bislang fünf Alben, Österreich mit vier und die Schweiz mit bereits drei Alben.

Jedes seiner Sammelbücher umfasst rund 60 Seiten mit etwa acht Briefmarken. Würde man so die komplette Anzahl seiner Marken hochrechnen, kommt man auf rund 5700. << Selbst gezählt habe ich sie allerdings nie >>, meint Zeh.

Viele Lieblingsstücke

Ihn erfreut nicht eine große Anzahl, sondern jede verschiedene Marke im Einzelnen. Seine Lieblingsstücke sind die, bei denen man erst bei genauerem Hinsehen eine Besonderheit entdeckt. << Wie bei den Marken vom Mai aus der Schweiz >>, erklärt Zeh mit großer Begeisterung. Er holt eine kleine Biluxlampe vom Schrank und zeigt auf ein Quartett von Briefmarken. Er schaltet die Lampe ein und hält die vier darunter.

Wo vorher nur ein See oder das Abendrot zu sehen war, leuchtet jetzt eine Strophe der Schweizer Nationalhymne in den vier Sprachen des Landes auf. Interessant findet er auch speziell gefertigte Briefmarken. Franz Zeh blättert weiter durch sein schweres Album und zeigt auf eine mit Swarovski- Kristallen. Daneben auf eine komplett gestickte Briefmarke und eine mit Tiefenwirkung.

Oft sind es aber auch die Geschichten hinter jedem einzelnen Exemplar, die den Sammler faszinieren: Beispielsweise habe es einmal eine Marke gegeben, die gar nicht hätte veröffentlicht werden dürfen. Einen Bogen bewahrte ein Drucker allerdings bei sich zu Hause auf. Einige Zeit später seien sie dennoch in Umlauf gekommen, weil seine Frau unwissend die Briefmarke verwendete. Es gibt laut Zeh aber auch eine Sache, die einem Sammler gar nicht gefällt: selbstklebende Marken. << Die kann man schlecht einsortieren und sie schauen zudem nicht schön aus >>, erzählt er - und demonstriert zugleich den Unterschied.

Seit 1962 trifft sich Zeh regelmäßig mit Freunden, die diese Leidenschaft mit ihm teilen. Gemeinsam fahren sie zu Messen oder zu Tauschbörsen, um neue Marken zu bekommen oder einfach nur über die Sammlung anderer zu staunen. 1999 besuchten sie die Weltausstellung in Nürnberg.

Der 78-Jährige erinnert sich noch genau an die Sammlung eines wohlhabenden Arztes. Er besaß 30 Exemplare der ersten Briefmarke in Deutschland von 1849, dem << Schwarzen Einser >>. So eine hätte Franz Zeh auch gerne. << Dazu muss ich aber erst noch im Lotto gewinnen >>, sagt der Pensionär mit einem verschmitzten Lächeln.

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