Interview
Florian Martin Werner über seine Inszenierung des Lebens von Franz von Assisi mit der Passionsspielgemeinschaft Waal

In gut einer Woche ist im Marktflecken Waal zwischen Kaufbeuren und Buchloe wieder Spielzeit. Zwischen den rund alle zehn Jahre stattfindenden Passionsspielen bringt die Spielgemeinschaft regelmäßig Heiligenspiele auf die Bühne des stattlichen Waaler Theaters.

Heuer steht mit 'Franziskus – Heiliger, Mensch, Bruder' die Lebensgeschichte von Franz von Assisi auf dem Programm. Kurz vor der Premiere sprach Martin Frei mit Spielleiter Florian Martin Werner über einen vielschichtigen Heiligen und die Besonderheiten beim Theatermachen im Ostallgäuer Passionsspielort.

Herr Werner, in acht Tagen ist Premiere. Wie laufen die Vorbereitungen?

Werner: Das Stück steht im Großen und Ganzen. Aber es gibt noch genug zu tun. Alles andere wäre auch schlimm, und Adrenalin ist ja gut für die Kreativität.

Nach der Passion 2009 ist das Franziskusspiel Ihre zweite Spielzeit in Waal. Das macht die Sache sicher einfacher, oder?

Werner: Teils teils. In dieser Spielzeit war ich erstmals selbst für die Rollenbesetzung zuständig. Gerade bei der Waaler Passionsspielgemeinschaft, die ja letztlich die Dorfgemeinschaft widerspiegelt, ist das nicht ganz einfach. Da gibt es natürlich viele Traditionen und entsprechende Erwartungen.

Stehen einem als Regisseur diese Traditionen nicht arg im Weg?

Werner: Nein, das ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Als Spielleiter sollte man auf jeden Fall über alle Vorschläge aus der Gemeinschaft nachdenken, sie ernst nehmen, dabei aber das Gesamtkonzept nicht aus den Augen verlieren. Das gilt natürlich auch für das, was dann auf der Bühne geschieht.

Nur wenn man die Dynamik, die in einem solchen Amateur-Ensemble steckt, nutzt, behalten die Waaler Spiele diesen Charme, der sie letztlich zu etwas Besonderem macht. Wenn man merkt, das Spiel kommt aus dem Volk raus, dann passt das auch.

Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass es die Gemeinschaft sehr honoriert, wenn man den Leuten etwas zutraut – auch etwas Neues oder Ungewöhnliches.

Was erwartet die Zuschauer bei dieser Auflage des Franziskusspiels Neues oder Ungewöhnliches?

Werner: Der Chor wurde etwas forciert, und das Bühnenbild von Janette Arndt wird vor allem durch neu geschaffene Projektionen bereichert. Die Textvorlage musste ich nicht sehr bearbeiten, denn der Schauspieler Paul Schmidkonz hat als Autor das dramaturgisch beste Stück verfasst, das die Waaler Passionsspielgemeinschaft hat.

Franz von Assisi ist ein Heiliger, der nach wie vor viele Menschen fasziniert. Was ist Ihnen bei der Verkörperung dieser Person auf der Bühne wichtig?

Werner: Franziskus war eine sehr, sehr schillernde Figur mit vielen Facetten. Da ist die absolute Radikalität, mit der er Christus nachfolgen will. Da ist das Bedürfnis des Heiligen, Ruhm zu erwerben. Erfolg, ja Eitelkeit, sind Themen in seinem Leben, etwa wenn es um die Missionstätigkeit seines Ordens geht. Da ist Franziskus schließlich als liebenswürdiger einfacher Mensch, der die Achtung vor der Schöpfung predigt. Vor allem dreht sich das Stück aber um die ständigen Zweifel, die Franziskus an seiner Rolle vor Gott und in der Welt hat.

Diese grundsätzliche Frage bringt vor allem die Rahmenhandlung zum Ausdruck, in der ein Bettler und ein Narr über diesen Franziskus und das Leben an sich philosophieren. Kaum eine Rolle spielen dagegen die Wunderlegenden, die sich um den Heiligen ranken. Wir wollen den Leuten einen Franziskus präsentieren, bei dem sie denken: Was hat der mit mir zu tun? Etwa, wenn es darum geht, seine Überzeugungen im Leben umzusetzen.

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