Ersatzdienst
Ende Juni ist Zapfenstreich

Einer ist noch da, aber er ist der letzte seiner Art. Michael Seyrer (23) hat am vergangenen Montag als Zivildienstleistender im Buchloer Senioren- und Pflegeheim seine Arbeit begonnen. Doch Ende Juni ist Zapfenstreich. Nicht nur für Seyrer. Wenn er nach sechs Monaten ausscheidet, gibt es keinen Nachfolger mehr. Mit der Wehrpflicht wird Mitte des Jahres auch der Zivildienst ausgesetzt.

Für die Gesellschaft ist das eine große Herausforderung, denn die 90000 Zivildienstleistenden in Deutschland, die aus den sozialen Einrichtungen nicht mehr wegzudenken sind, müssen künftig durch Freiwillige ersetzt werden. Karl Gebler, Leiter der Heime in Buchloe und Waal, stöhnt beim Stichwort Zivildienstleistende hörbar auf. «Wir haben unser Haus nicht auf Zivis aufgebaut. Allerdings waren sie immer eine willkommene Hilfe», sagt er. Sprich: Der Betrieb der Häuser werde im Juli mit Ende der Wehrpflicht nicht zusammenbrechen, manche Aufgaben blieben dann aber wohl ein Weilchen länger liegen.

Seyrer ist von seiner Rolle, Buchloes letzter Zivi zu sein, gar nicht begeistert. «Die Musterung ist nur noch ein Glücksspiel», sagt er. Bereits als 18-Jähriger musste Seyrer sich beim Kreiswehrersatzamt melden, danach hörte er lange nichts mehr. Er begann eine Ausbildung, arbeitete zuletzt über fünf Jahre lang als Energieanlagenelektroniker. Und dann kam der Einberufungsbescheid. Der 23-Jährige hadert: «Wäre ich ein bisschen später dran gekommen, hätte sich das Thema Zivildienst für mich von selbst erledigt.» Wie für viele seiner Freunde. «Entweder es müssen alle antreten oder keiner», meint er weiter.

Jetzt arbeitet er die nächsten sechs Monate im hauswirtschaftlichen Bereich des Senioren- und Pflegeheims. Schnee räumen, Heizungen kontrollieren, Müll entsorgen. Nach wenigen Arbeitstagen hat Seyrer erst ein paar seiner künftigen Aufgaben kennengelernt. Dazu kommen zum Beispiel die Versorgung der Bewohner mit Getränken, Botendienste zur Apotheke und Fahrdienste zu Ärzten. Der 23-Jährige ist vielseitig einsetzbar. «Es war mir von Anfang an klar, dass ich nicht in die Pflege will, sondern etwas Handwerkliches suche», erzählt er. Und dennoch sei das nun eine «gewaltige Umstellung». Zum einen aus finanziellen Aspekten, herabgestuft vom ausreichenden Gehalt zum weniger üppigen Sold. Zum anderen in Sachen Arbeitsintensität. «Im Betrieb hatten wir immer alle Hände voll zu tun, waren ausgelastet und im Stress. Hier ist das ein wenig anders», sagt Seyrer.

Wenn der letzte Zivildienstleistende im Juli wieder zurück an seine alte Arbeitsstelle kehrt, baut Heimleiter Karl Gebler auf den geplanten Freiwilligendienst. Er glaube aber nicht, dass sich dafür viele Interessenten finden werden. «Das wird sich auf Schüler reduzieren, die sich zum Beispiel nach dem Abitur zunächst orientieren wollen», meint Gebler weiter. Dabei wäre Mithilfe, etwa zu Spaziergängen mit den Bewohnern oder bei der sogenannten Sozialbetreuung, weiterhin wichtig. Eine Möglichkeit, den Verlust der Zivildienstleistenden auszugleichen, sei schon seit einigen Jahren das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ). Gebler: «Die Planstellen diesbezüglich sind in Buchloe wie in Waal immer voll besetzt.»

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