Special Wirtschaft im Allgäu SPECIAL

Fotovoltaik
«Eine Solarstromanlage kann weiter wirtschaftlich sein»

2Bilder

Vor Kurzem ging in Jengen die 30000. Solaranlage im Netz der LEW in Betrieb. Ort und Jubiläum passten: Gerade rund um Buchloe ist die umweltfreundliche Energiegewinnung bei Privatpersonen, Gewerbetreibenden und Vereinen sehr beliebt. Die Planung für neue Investoren wird zuletzt jedoch immer mehr zum hektischen Plan- und Rechenspiel. So wird die Vergütung für Strom aus neuen Solaranlagen nun erneut früher reduziert, als zuerst angenommen.

Bundesumweltministerium und die schwarz-gelbe Koalition einigten sich darauf, einen Teil der Kürzung auf 1. Juli vorzuziehen. Was ändert sich damit für Menschen, die planen, eine Solaranlage zu errichten? Die Buchloer Zeitung hat bei Klaus Linder, Energieberater des Energie- und Umweltzentrums Allgäu (eza) in Buchloe, nachgefragt.

Herr Linder, zum 1. Juli wird die Einspeisevergütung für neue Solaranlagen erneut gekürzt. Lohnt sich eine Anlage dann überhaupt noch?

Linder: Grundsätzlich kann die Investition in eine Solarstromanlage weiter wirtschaftlich sein, denn parallel zur Einspeisevergütung sinken auch die Preise für Anlagen. Dies war in der Vergangenheit so, und dies wird in Zukunft wahrscheinlich so weiter gehen.

Welche Möglichkeit habe ich als Anlagenbauer, die Wirtschaftlichkeit meiner Solaranlage zu beeinflussen?

Linder: Konkret hängt die Wirtschaftlichkeit einer Solarstromanlage vor allem von zwei Faktoren ab: den Kosten der Anlage und dem Standort. Das heißt aber auf keinen Fall, dass es ertragreicher ist, die Investitionskosten niedrig zu halten und eine Billiganlage zu kaufen. Qualität, Garantie und Service sind sehr wichtig, denn die Anlage soll ja mindestens 20 Jahre stabil Strom liefern.

Beim Standort kommt es auf eine schattenfreie Dachlage an, eine gute Ausrichtung des Daches, vielleicht auch ein Standort mit wenig Nebel.

Was also empfehlen Sie Ihren Kunden in Ihren Beratungen konkret?

Linder: Interessierte sollten unbedingt zum erfahrenen Fachbetrieb gehen - am besten hier bei uns im Allgäu. Wer sich überlegt, in eine Solarstromanlage zu investieren, sollte sich ein Angebot mit einer Ertragsprognose von einem Fachbetrieb machen lassen. Gute Betriebe rechnen eher konservativ - bei ordentlichen Standorten ist im Allgäu ein Ertrag von 900 Kilowattstunden pro installiertem Kilowatt möglich. Damit gibt es eine Basis für eine solide Entscheidung.

Wie wird sich die Einspeisevergütung weiter entwickeln?

Linder: Durch die Massenfertigung mit wachsenden Stückzahlen konnten die Preise für Solarstromanlagen kontinuierlich gesenkt werden. Dem wurde auch durch laufende Anpassungen des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) Rechnung getragen.

Zum Start gab es mal 99 Pfennig pro Kilowattstunde, heute liegt die Vergütung bei 28,74 Cent. Aktuell wird eine Senkung der Einspeisevergütung für Solarstrom ab dem 1. Juli um 15 Prozent diskutiert. Diese soll, angepasst an die Zuwachsraten erfolgen. Das heißt: Werden mehr Solarstromanlagen gebaut, fällt die Kürzung höher aus, wie wenn weniger neue Anlagen gebaut werden. Damit wird flexibel auf die Marktentwicklung reagiert.

Von Kritikern am EEG hört man immer wieder, der Solarstrom sei übersubventioniert. Was sagen Sie dazu?

Linder: Durch das EEG wurden Solarstromanlagen wirtschaftlich. Immer mehr Menschen haben in diese Technologie investiert, wodurch ein neuer Wirtschaftszweig mit über 100000 Arbeitsplätzen in Deutschland entstanden ist. Das EEG ist aus unserer Sicht eine Erfolgsgeschichte par excellence. Die erneuerbaren Energien konnten damit so unterstützt werden, dass sie heute einen Anteil von 16 Prozent an der gesamten Stromerzeugung in Deutschland haben.

Der Anteil des Solarstroms beträgt heute zwei Prozent an der Gesamtstromerzeugung - und, auch wenn die Sonne bei uns nicht wie in der Sahara scheint, die Potenziale sind laut Studien in der Region sehr groß und eine wichtige Chance für die Zukunft.

Interview: Stefan Drescher

Beratungszeiten der eza bei Energieberater Klaus Linder in Buchloe sind jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat von 16 bis 18 Uhr im Rathaus Buchloe. Anmeldung zu den üblichen Bürozeiten, Telefon (08241) 5001-12.

 

Klaus Linder

 

Auch auf zahlreichen Dächern in der Marktgemeinde Waal (wie hier am Ortseingang) befinden sich Solaranlagen. Die Bundesregierung kürzt die Einspeisevergütung zum 1. Juli erneut. Foto: Stefan Drescher

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen