Walpurgis
Eine ganz spezielle Freinacht - Im Buchloer Kolpinghaus wird gesungen und getanzt

Tanzen gehen und in der Nachbarschaft Gegenstände «verziehen» gehört traditionell zu den Möglichkeiten, den Abend vor dem 1. Mai zu verbringen. Wer hingegen eher Musikalisch-Kulturelles schätzt, hatte diesmal in Buchloe die Gelegenheit dazu: Der Chor der Katholischen Stadtpfarrkirche (ergänzt durch Gastsänger) führte im Kolpinghaus zusammen mit Hedwig Mahl-Schöner (Alt), Helmut Jambor (Tenor) und Rüdiger Büll (Bass-Bariton) als Solisten «Die erste Walpurgisnacht» von Felix Mendelssohn-Bartholdy auf.

Kirchenmusiker Thorsten Schmehr hatte die knapp 40-minütige weltliche Kantate nach einer Ballade von Goethe einstudiert, den Instrumentalpart übernahm als Pianist Thomas Hüther, Mitveranstalter war die Volkshochschule. Wer danach aufseiten des Publikums wie der Mitwirkenden auf den Tanz in den Mai nicht verzichten wollte, konnte gleich dableiben: Nach einer kurzen Umbaupause spielte Sigmund Socher aus Walleshausen am Keyboard auf, zu späterer Stunde wurde er unterstützt durch Claudio Fabbrescchi (Trompete).

Mit Mendelssohns Werk hatten sich die Musiker eine interessante und auch psychologisch vielschichtige Komposition vorgenommen. Sowohl Goethes Textvorlage als auch Mendelssohns Vertonung lassen dabei eine gewisse Sympathie für die «heidnische», von rituellem Ernst geprägte Seite erkennen. Worum geht es in der Kantate? Kurz gesagt: Die Anhänger der «alten», heidnischen Religion üben weiterhin ihre Rituale der Anbetung des «Allvaters» aus und tricksen dabei mit heidnischem Mummenschanz die sich ihrer Sache gar nicht so sicheren «christlichen Wächter» aus.

Für die Sänger bedeutete diese Auseinandersetzung eine Herausforderung. Tenor Helmut Jambor überzeugte gleich zu Beginn mit einer warmen, hellen, lieblichen Naturschilderung des aufbrechenden Frühlings.

Ebenso glaubwürdig zeichnete er später das Zittern und Beben des «christlichen Wächters» nach. Rüdiger Bülls ruhiges und ausgewogenes Organ war in Passagen dunklen, dramatischen, bisweilen diabolischen Molls ebenso zu Hause wie in den Abschnitten klarer, oft homophon vertonter Aussagen mit Tragfähigkeit und Substanz. Sehr markant und pointiert, gut verständlich und eine eigene Timbrefarbe ins Spiel bringend, agierte schließlich Mahl-Schöners Alt als «Einer aus dem Volk».

Der Chor ließ es mit Hüther am Klavier über weite Strecken munter krachen, lodern und musikalisch irrlichtern. Er setzte getupfte Staccati und zugkräftig-tänzerische bis wild-ekstatische Rhythmen gekonnt in Szene. Lucia Buch

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