Vortrag
Dr. Reinhard Baumann referiert im Buchloer Rathaussaal über das Hochstift Augsburg

Historisches abseits der großen Ereignisse – die sogenannte 'geschichtliche Landeskunde' – muss nicht nur für Spezialisten von Interesse sein, erst recht, wenn es um die eigene Stadt geht.

So war beim Vortrag „700 Jahre Hochstift Augsburg – Buchloe, Lindenberg, Dillishausen“, organisiert vom Heimatverein, der Sitzungssaal des Rathauses zumindest locker gefüllt. Dr. Reinhard Baumann, in Buchloe aufgewachsen und bis zu seiner Pensionierung im vergangenen August Lehrer für Geschichte, Deutsch und Politik am Münchener Bertolt-Brecht-Gymnasium, referierte anschaulich über ein 700 Jahre zurückliegendes Ereignis: den Verkauf von Buchloe, Dillishausen und Lindenberg an das Hochstift Augsburg.

Geschichte wird lebendig, wenn man nach Verbindungen zur Gegenwart sucht. Auch Baumann half den Zuhörern gleich zu Beginn, sich in die Situation der damaligen Bewohner der drei Orte hineinzuversetzen. Heute könne man sich wehren, wenn man vom Verkauf eines Hauses oder eines Grundstücks negativ betroffen sei.

Von den Menschen, die in den damals verkauften Ländereien wohnten, sei nirgendwo die Rede. 'Sie gehörten einfach dazu und wurden nicht erwähnt', so Baumann. In seinen Ausführungen über den politischen und gesellschaftlichen Hintergrund beschrieb er die früheren Besitzer, oft sogenannte 'Ministeriale'. Diese waren keine Adligen, sondern Dienstmannen, 'Aufsteiger aus der riesig großen, damals mindestens 90 Prozent der Gesamtbevölkerung umfassenden Schicht der Beherrschten'.

Heinrich der Hattenberger, Enkel des Volkmar von Kemnat, verkaufte Buchloe 1299 an das Kloster Stams. Da man dort jedoch nach näher liegenden Besitztümern Ausschau gehalten hatte, wurde Buchloe zwölf Jahre später an den Augsburger Bischof weiterverkauft. Das Hochstift hatte im Laufe der Jahre eine umfassende Herrschaft aufgebaut, in manchen Gegenden bis hin zur Leibeigenschaft.

Zwar hätten die Menschen im Pflegamt Buchloe in der Regel zu den weniger problematischen Untertanen gehört, aber im Zuge der Bauernaufstände zu Beginn des 16. Jahrhunderts seien auch sie davon mitgerissen worden, auch angeregt vom 'Mir wöllet frei sein' der Memminger Bauernräte.

Schon vor dem Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation 1806 wurde Buchloe im Rahmen der Säkularisation vom Kurfürstentum Bayern übernommen und Fürstbischof Clemens Wenzeslaus war ab sofort nur noch für das 'Seelenheil der Buchloer, Lindenberger und Dillishauser zuständig'. Mit der Anmerkung, dass sich dies auch für seine Nachfolger bis heute gelte, schloss Baumann seine informativen Ausführungen.

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