Kunst
Der Wiedergeltinger Schreiner macht allerlei aus Holz ndash Auch Brillengestelle

Peter Unsin kann Holz am Geruch erkennen. 'Linde rieche ich auf ein paar Meter Entfernung', sagt der Wiedergeltinger.

Aber für ihn ist Holz nicht nur etwas für die Nase, sondern vor allem auch für die Augen. Und das nicht nur, weil Holz schön anzusehen ist. Unsin macht auch Brillen daraus. Arbeiten mit Holz.

So könnte man seinen Beruf beschreiben. Der gelernte Schreiner ist nicht nur Handwerker, sondern auch Künstler. Auch wenn er das selbst nicht so sagen würde. "Ich will eben dem Baum gerecht werden", sagt er.

Und deshalb kann er Äste, Wurzeln und Baumstämme, die manch anderer als Abfall bezeichnen würde, nicht einfach wegwerfen. Sie stapeln sich in seinem Garten und der Werkstatt. Schließlich seien die Holzreste wahre Kunstwerke der Natur.

Das müsse man nur erkennen und vielleicht ein bisschen nacharbeiten. Zum Beispiel ganz grob mit der Motorsäge oder ganz fein mit dem Schleifpapier. So macht Unsin aus Wurzeln Bänke, Hocker, Vasen, Säulen. Aus einem Baumstamm blickt nach seiner Bearbeitung ein Gesicht hervor, ein Holzrest wird zum edlen Messergriff.

Und dann sind da noch die Brillen. Mehrere Prototypen hat er schon gefertigt, von schick bis sportlich. Damit die Rahmen nicht brechen, muss Unsin dabei besonders genau auf die Maserung des Holzes achten und sehr präzise arbeiten.

'Bei einem Millimeter Unterschied schaut das auf dem Gesicht schon schief aus', sagt er. An den Federgelenken der Bügel muss der Künstlerschreiner noch etwas feilen. Jedes Gestell ist eine Maßanfertigung, schließlich kann er die Holzbügel nicht wie die aus Metall nachträglich noch biegen.

Die nächste Idee hat Unsin auch schon: Mit einem Maserfurnier könnte man schöne Lampen machen. Durch das hauchdünne, 0,4 Millimeter dicke Holz scheint nämlich Licht hindurch und schafft eine warme Atmosphäre.

Peter Unsin entdeckt bei jedem Stück eine Besonderheit: Farbe, Maserung, Kern sind immer unterschiedlich. Einen Lieblingsbaum hat er nicht – aber 'Zwetschge und Apfel, das sind wirklich Wahnsinnshölzer', sagt er.

Um das zu zeigen, hat er aus 27 Vierecken heimischer Hölzer ein Bild zusammengesetzt, von Eiche und Buche bis zu Robinie und Essigbaum. Den Rahmen kann man sich getrost als Kunstwerk ins Wohnzimmer hängen – Holz fürs Auge eben.

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