Museum
Der «Riedle-Hof» zieht um

Wie ein Haus sieht es fast nicht mehr aus. Das Dach ist schon weg, nur noch die Mauern stehen. Überall befinden sich Gerüste. An den Wänden sind zahlreiche Stützbalken und Haltegurte befestigt. Große Löcher klaffen in Mauerwerk und Putz. Im Vorbeifahren könnte man sich fragen, warum diese Bruchbude nicht einfach ganz abgerissen wird. Aber das alte Bauernhaus wird noch gebraucht. Das sogenannte «Riedle-Haus» in der Weichter Hauptstraße steht seit Langem schon unter Denkmalschutz. Nun wird es abtransportiert und im Bauernhofmuseum in Illerbeuren wieder aufgebaut.

Nach und nach wurden Dachplatten, Holzbalken und Böden schon im vergangenen Sommer abgebaut und neben dem Haus gelagert. Die Arbeiten mussten zu Winterbeginn allerdings abgebrochen werden. Seit ungefähr drei Wochen sind die Handwerker nun wieder am Werk.

Mauern werden gesichert

Sie sichern Wände mit Balken und Stahlträgern für den Abtransport. Im Gegensatz zum Dach kann das Mauerwerk nämlich nicht Stück für Stück abgetragen werden. «Uns ist es wichtig, dass der Putz erhalten bleibt, so kann man die verschiedenen Schichten erkennen, die nach und nach hinzugefügt wurden», erklärt Architekt Axel Will: «Gerade der Originalputz im Stall mit dem ganzen Dreck bringt die richtige authentische Atmosphäre ins Museum.» Auch Museumsleiter Otto Kettemann betont: «Wir wollen besonders die Entwicklung, des Gebäudes aufzeigen.

» Am Haus wurde in 250 Jahren viel verändert, immer wieder seien neue Schichten und Oberflächen aufgetragen worden. An manchen Stellen sind bis zu 20 Tapetenlagen erkennbar. Unter dem Mauerwerk kommt dann auch die originale Holzwand aus den 1670er Jahren, als das Haus erbaut wurde, ans Tageslicht. «Das ist ein Glück, so können wir nämlich rekonstruieren, wie das Gebäude ursprünglich gebaut war», sagt Will.

Am Wohnteil, der älter ist als der Stall, sind alte Balken mit Originalbemalungen aus dem 17. Jahrhundert herausgekommen. «Wo hat man so was heute noch?», fragt Will. «Normalerweise wären solche Fassungen schon längst verwittert, aber weil einfach Mauer- und Lehmschichten aufgetragen wurden, können wir sie heute sehen», freut sich der Architekt. Auch ein Fensterband, eine Art Erker auf Fensterhöhe, das zum Originalbau aus dem 17.

Jahrhundert gehört hat, ist nach dem Abtragen einer Mauerschicht in mehreren Zimmern zu erkennen. «Die Leute saßen dann hier am Fenster, konnten sich auf diesem Sims anlehnen und ihr Bier abstellen», vermutet Kettemann.

Um die Wände all ihren Putz- und Tapetenschichten aus drei Jahrhunderten wieder in Illerbeuren zeigen zu können, müssen sie als Ganzes abtransportiert werden.

Doch das ist gar nicht so einfach. Mit einer «Riesen-Schneidemaschine» werden die Wände in circa sechs Meter lange Stücke geteilt, erklärt Will. Mit Hilfe von Stahlträgern werden die Stallwände dann mit einem Kran herausgehoben. Beim Wohntrakt des Gebäudes verfährt man anders: Er wird als Ganzes abtransportiert. «Das kommt dann als Allerletztes. Natürlich sichern wir alles mit Rahmen und Trägern», erklärt Will.

In ungefähr zwei Monaten sei es dann so weit. Mit einem Schwertransporter werden die sechs Räume - insgesamt 14 Meter lang, fünf Meter breit und fünf Meter hoch - «in einem Rutsch» nach Illerbeuren gebracht. In etwa zwei Jahren soll das Weichter Haus in Illerbeuren fertig aufgebaut sein.

«Eine große Aufgabe»

«Eine große Aufgabe» sei es, solche Bauernhäuser zu erhalten, erklärt Kettemann. «Solche Gebäude verschwinden nach und nach und irgendwann kann man sie nur noch im Freilichtmuseum sehen.» Die Kosten von einer halben bis einer Million Euro für Abbau, Transport und Wiederaufbau seien es aber wert. «Im Schnitt kommen pro Öffnungstag 250 Leute in unser Museum. Daran sieht man, dass es viele Leute interessiert», erzählt der Museumsleiter.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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