Brandmeldeanlagen
Der Ostallgäuer Kreisbrandrat Markus Barnsteiner will trotz Fehlalarmierungen nicht auf Brandmelder verzichten

In jüngster Zeit gab es im Ostallgäu immer wieder Fehlalarmierungen durch Brandmeldeanlagen. Wir sprachen mit Kreisbrandrat Markus Barnsteiner über deren Vor- und Nachteile. Der 35-jährige Feuerwehrmann ist für die Alarmierungsplanung und Aufschaltung von Brandmeldeanlagen im Ostallgäu zuständig.

Kommen Fehlalarmierungen durch Brandmeldeanlagen häufig vor?

Barnsteiner: Die Anzahl an Brandmeldeanlagen im Ostallgäu hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Sie werden meist in besonders gefährdeten Häusern wie Firmen, Gaststätten, Hotels, Altenheimen oder Krankenhäusern installiert. Da bleibt es nicht aus, dass viele Alarme gemeldet werden. Es sind aber in den wenigsten Fällen echte Fehlalarme. Wenn unter einem Rauchmelder Staub aufgewirbelt wird oder heißer Wasserdampf aufsteigt, reagiert dieser sehr zuverlässig und meldet einen Brand. Wenn wir dann gerufen werden, nennt man das 'Täuschungsalarm'. Vermieden werden können sie durch verschiedene Melderarten und vorsichtigen Umgang damit.

Mancher mutmaßt, dass Feuerwehrleute bei bestimmten Brandmeldungen gar nicht mehr ausrücken, weil sie von einer Fehlalarmierung ausgehen …

Barnsteiner: Bei der Auslösung einer Brandmeldeanlage ist zunächst immer von einem realen Brandeinsatz und nicht von einem Fehlalarm auszugehen. Feuerwehren sind verpflichtet, jeden Alarm nachzuverfolgen. Auch, wenn bereits bei Anfahrt eine Meldung über einen möglichen Täuschungs- oder Fehlalarm über die Integrierte Leitstelle mitgeteilt wird. Es können daher alle sicher sein, dass die Feuerwehr auch künftig an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden binnen weniger Minuten am Einsatzort eintrifft.

Halten Sie Brandmeldeanlagen vor diesem Hintergrund für einen Segen oder doch eher für einen Fluch?

Barnsteiner: Bei Feuer spielt Zeit eine lebenswichtige Rolle. Der Vorteil der Brandmeldeanlagen ist, dass – auch wenn keiner im Haus ist – ein Brand frühstmöglich erkannt und gemeldet wird. So kann die Feuerwehr schnellstmöglich Abwehrmaßnahmen einleiten. Größere Schäden können deutlich begrenzt werden.

Schwangau hat sich eine Satzung gegeben, um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben. Ist das ein neuer Trend?

Barnsteiner: Die Gemeinden können den Ersatz über notwendige Aufwendungen (Ausrücken, Einsätze und Sicherheitswachen) bereits nach dem Bayerischen Feuerwehrgesetz verlangen. Eine Satzung soll lediglich die Kostenermittlung und -abrechnung durch die Festlegung sogenannter Pauschalsätze erleichtern. In unserem Landkreis haben mittlerweile sehr viele Gemeinden eine Satzung dieser Art.

Müssen Privatleute und Vereine damit rechnen, dass sie bald für jede Leistung der Wehr zur Kasse gebeten werden?

Barnsteiner: Sämtliche Pflichtaufgaben der Feuerwehr sind nach wie vor kostenfrei. Auch Einsätze im 'abwehrenden Brandschutz' und im technischen Hilfsdienst sind nur kostenpflichtig, wenn diese durch den Betrieb eines Fahrzeugs (Luft-, Schienen-, Wasser- oder Kraftfahrzeug) veranlasst wurden.

Ausgenommen sind Einsätze, die vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht wurden. Normal wird eine Gemeinde für den Einsatz ihrer Feuerwehr bei kirchlichen oder kulturellen Veranstaltungen, die von den örtlichen Vereinen ohne kommerziellen Hintergrund organisiert werden, keinen Kostenersatz verlangen. Interview: Felix Frasch

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