Abschied
Der Buchloer Polizeichef Otto Hahn räumt in diesen Tagen seinen Schreibtisch

Als Otto Hahn am 1. Februar 2000 als Leiter der Polizeiinspektion Buchloe ins Amt eingeführt wurde, übergab ihm der damalige Bürgermeister Franz Greif einen Bildband und einen Stadtplan von Buchloe. «Ganz so unbekannt ist mir mein neuer Dienstbereich nicht», entgegnete damals Hahn, der vorher 16 Jahre bei der Kriminalpolizei in Kaufbeuren war - und somit auch zuständig für das Gebiet rund um Buchloe.

Einen Straßenplan der Gennachstadt braucht der Erste Polizeihauptkommissar jetzt erst recht nicht mehr. Den Inspektionsbereich und auch die Bürger dürfte er in den vergangenen elfeinhalb Jahren ziemlich gut kennengelernt haben. Nun steht ein neuer Abschnitt an: In den nächsten Tagen räumt der 60-Jährige seinen Schreibtisch im ersten Stock des Polizeigebäudes in der Augsburger Straße und verabschiedet sich in den Ruhestand.

Seit 2000 hat der gebürtige Franke (<< Ich war mit Thomas Gottschalk in Kulmbach auf dem Gymnasium. Er war schon damals der Schulkasper. >>) unter anderem Dienstpläne für die insgesamt etwa 34 Polizisten erstellt - und viel Schreibtischarbeit erledigt. << Zu Beginn hat mir der Ermittlungsdienst schon gefehlt >>, blickt Hahn auf die Anfangszeit in Buchloe zurück. Aber er habe die Veränderung ja gewollt und sich in die Gennachstadt beworben.

Auch wenn sich in den vergangenen 40 Jahren, seitdem er im aktiven Polizeidienst sei, viel verändert habe, sagt Hahn: << Die Welt ist hier noch in Ordnung. In Großstädten wie Hamburg oder Berlin schaut das ganz anders aus. >>

Autos ohne Tankanzeige

Schmunzelnd erinnert er sich unter anderem an die sogenannten Fahndungsbücher. Computer seien damals noch nicht üblich gewesen. Heute unvorstellbar. Oder die früheren Dienstautos. Beispielsweise ein VW Käfer, der nicht einmal eine Tankanzeige hatte. Immer wieder mal sei man damit stehen geblieben, weil man nicht ins Fahrtenbuch geschaut und ein Kollege vergessen hatte, den Reservehahn wieder zurückzustellen. Heute haben die meisten Polizeiautos Klimaanlage und Sitzheizung. Auch in Buchloe selbst habe sich in den vergangenen Jahren einiges getan.

<< Gemeinsam mit der Stadt haben wir einige Brennpunkte entschärft >>, erklärt Hahn. 2004 und 2008 erließ der Stadtrat Allgemeinverfügungen für öffentliche Grünanlagen wie den Immlepark und Spielplätze sowie eine Bannmeile rund um den Bahnhof und städtische Gebäude wie Schulen und Kindergärten. Mit dieser Regelung soll der Alkoholmissbrauch eingedämmt werden. Vor allem trinkende und pöbelnde Jugendliche waren dem Stadtrat und den hiesigen Ordnungshütern immer wieder ein Dorn im Auge.

Was dem scheidenden Buchloer Polizeichef ebenfalls negativ auffällt, ist der << Umgang in der Bevölkerung >>. Oft fehle heutzutage der Respekt vor den Mitmenschen. Viele beharrten auf ihr Recht, gingen keine Kompromisse ein. Das sei aber ein allgemeines gesellschaftliches Problem. << Früher war das anders.

Auch Lehrer bekommen das zu spüren. Es fehlt immer öfter die Wertevermittlung durch die Eltern, die aber immer mehr Verantwortung auf Schule und Polizei übertragen >>, glaubt Hahn.

Auch wenn er jetzt aus dem aktiven Dienst ausscheidet, will der 60-Jährige den Kontakt zur Inspektion und den Kollegen halten. Besonders gespannt ist er auf das Ergebnis der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes in den kommenden zwei Jahren. << Das schaue ich mir auf jeden Fall an. Dafür haben wir sehr lange gekämpft. >>

Und wenn er ab kommender Woche im Ruhestand ist, blättert Otto Hahn vielleicht doch das eine oder andere Mal in Stadtplänen und Straßenkarten, wenn auch nicht von Buchloe. << Ich werde mich jetzt verstärkt meinen Hobbys widmen: Fahrrad- und Motorradfahren.

>> Das Bild an der Pinnwand hinter seinem Schreibtisch von der knallroten Ducati, mit der er leidenschaftlich gerne unterwegs ist, nimmt er sicherlich mit nach Hause.

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