Auszeichnung
«Das ist eine Herzensangelegenheit»

Als Ditrun Steinseifer-Vogel im August 2009 zur Seniorenbeauftragten Lamerdingens ernannt wurde, hatte sie zwar schon ein erstes Konzept ausgearbeitet. Dass ihre Arbeit aber nach kurzer Zeit dermaßen gut ankommt, ahnte sie damals noch nicht. Inzwischen wurde das Lamerdinger Seniorenkonzept zweimal ausgezeichnet: Im November vergangenen Jahres erhielten die «Herzensangelegenheiten», wie Steinseifer-Vogel ihr Projekt nennt, den Förderpreis des Landkreises Ostallgäu, jetzt folgte der mit 10000 Euro dotierte erste Platz beim Förderpreis «Kommunale Seniorenpolitik» der Bayerischen Sozialministeriums (wir berichteten).

Ausschlaggebend für das umfangreiche Lamerdinger Konzept ist der demografische Wandel. Von den knapp 1800 Einwohnern sind laut Landratsamt im Jahr 2014 allein 323 älter als 65 Jahre, im Jahr 2033 sollen es doppelt so viele sein. Schon heute leben in der Gemeinde über 80 Menschen, die 80 Jahre oder älter sind. Lamerdingen sei einem überproportionalen Anstieg im Vergleich zum Landkreisdurchschnitt ausgesetzt, erklärt Alexander Zoller, der im Landratsamt für soziale Angelegenheiten zuständig ist.

Ziel von Steinseifer-Vogel ist es, die eigene Häuslichkeit der älteren Menschen zu erhalten. Den Schwerpunkt ihrer Arbeit sieht sie in der persönlichen Beratung, Betreuung und Begleitung. Und das, so Bürgermeister Konrad Schulze, sei ein wesentlicher Beitrag zur Entwicklung der Gemeinde. «Man glaubt immer, bei uns ist alles heile Welt.

Aber in den persönlichen Gesprächen erzählen die Menschen von ihren wirklichen Sorgen, Wünschen und Problemen», so der Bürgermeister. Ein erster Schritt war eine Bedarfserhebung im November des vergangenen Jahres unter dem Motto «Wie möchte ich im Alter leben?». Die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer meinte dazu bei der Preisverleihung in München: «Kommunen müssen noch mehr die sich im Lebenslauf ändernden Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen.»

Das Ministerium war so angetan von Lamerdingen, dass die Gemeinde in der Kategorie «Seniorenpolitische Gesamtkonzepte für kreisangehörige Städte und Gemeinden» den ersten Platz in Schwaben belegte, noch vor Ichenhausen und Offingen (beide Landkreis Günzburg). In seiner Laudatio lobte der schwäbische Regierungsvizepräsident Josef Gediega die vielfältige und konkrete Arbeit in Lamerdingen.

Positiv hob er unter anderem die Informationsarbeit mit Flugblättern und Sprechstunden, generationsübergreifende Veranstaltungen und das Dorfgemeinschaftshaus hervor. «Motor der Aktivitäten ist ein hohes bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement», so Gediega. Und auch Alexander Zoller kommt aus dem Schwärmen kaum mehr heraus. Es sei nicht nur ein Erfolg für Lamerdingen, sondern für die Seniorenarbeit im ganzen Landkreis. Und obwohl es im Ostallgäu inzwischen in mehreren Gemeinden Seniorenkonzepte gebe, steche Lamerdingen heraus. «Hier existiert das Konzept nicht nur auf dem Papier. Hier wird auch angepackt und Bürgermeister wie Gemeinderat stehen voll dahinter», sagt er.

Diesen Rückhalt will sich Steinseifer-Vogel zum Nutzen machen. Das Preisgeld, sagt sie, fließe nach Rücksprache mit dem Bürgermeister in die Sozialarbeit ein. Im kommenden Jahr will Steinseifer-Vogel zum einen die vorhandenen Angebote etablieren, zum anderen noch mehr Hilfe bieten. Zum Beispiel mit dem Einsatz eines Betreuerkreises, mit Familienstützpunkten und Vorträgen zu gerontopsychiatrischen Erkrankungen wie Demenz. Denn Aufklärungsarbeit, sagt sie, sei mit am wichtigsten. (ses)

 

Strahlende Gesichter bei der Preisverleihung in München (von links): Alexander Zoller, Vertreter des Landratsamtes, die Lamerdinger Seniorenbeauftragte Ditrun Steinseifer-Vogel, Sozialministerin Christine Haderthauer, Bürgermeister Konrad Schulze und Regierungsvizepräsident Josef Gediega. Foto: Staatsministerium

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