Papierfabrik
Das geplante Heizkraftwerk der Firma Lang in Ettringen wird nicht gebaut

Erst aufgeschoben und jetzt aufgehoben: Das Heizkraftwerk in Ettringen wird nicht gebaut. Das hat der Papierkonzern UPM, zu dem das Ettringer Werk seit August gehört, gestern mitgeteilt. Damit geht ein Streit zu Ende, der sich seit vier Jahren hinzieht. Damals wurde bekannt, dass die Firma Lang in Ettringen für rund 125 Millionen Euro ein Heizkraftwerk bauen will, das den Schwerölkessel ersetzen soll. Als Brennstoff war ein Mix aus Gas, Reststoffen aus der Produktion und Ersatzbrennstoffen vorgesehen. Schnell formierte sich der Protest. Die Gegner sprachen von der zweitgrößten Müllverbrennungsanlage Bayerns.

Dass UPM die umstrittenen Pläne verwirft, begründet Hartmut Wurster, Geschäftsführer von UPM Deutschland, mit der Schließung der Papiermaschine 3: Ende August hatte das Unternehmen mitgeteilt, die älteste der drei Papiermaschinen bis zum Ende des Jahres stillzulegen: 66 Arbeitsplätze fallen weg, betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen.

'Wir haben die Situation noch einmal überprüft', erklärt Wurster, 'nach der Stilllegung der Papiermaschine 3 stimmen die Annahmen für das Kraftwerksprojekt nicht mehr.' Der Dampfbedarf werde künftig um ein Drittel sinken. Das Klageverfahren der Bürgerinitiative habe keinen Einfluss auf die Entscheidung gehabt.

Der Lamerdinger Karl Heinz Hiesinger, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) Gesundes Wertachtal, sieht das ganz anders: 'Aufgrund unserer Klage und dem Verhalten der Anwälte hat sich diese Entscheidung in den vergangenen Wochen angedeutet', meint er. Mit der Entscheidung ist Hiesinger mehr als zufrieden: 'Das ist genau das, was wir erreichen wollten. Der Erfolg zeigt, dass wir Bürger etwas schaffen können.' Wie es nun weitergeht, das wird Thema der Jahresversammlung sein, die am morgigen Donnerstag stattfindet.

Eine 'riesige Erleichterung' machte sich gestern auch bei Karlheinz Fünfer, Beisitzer der BI aus Großkitzighofen, breit: 'Dafür haben wir gekämpft.' Die Entscheidung von UPM sei 'ein Gewinn für Ettringen und die gesamte Umgebung' und ein 'Verdienst aller, die sich gegen die Anlage zur Wehr gesetzt haben'. Bei der Bürgerinitiative bleibe dennoch eine 'gewisse Skepsis'. Fünfer: 'Wir werden die gesamte Entwicklung weiter aufmerksam verfolgen.'

Auch Lamerdingens Bürgermeister Konrad Schulze zeigte sich 'heilfroh' über die Nachricht. 'Durch den Besitzerwechsel und die Stilllegung der Papiermaschine 3 hatten wir insgeheim schon gehofft, dass die Anlage nicht gebaut wird', sagte Schulze gegenüber der BZ: 'Nun sind wir mehr als froh, dass das Thema offenbar vom Tisch ist.' Den Erfolg schreibt der Bürgermeister in erster Linie der 'äußerst rührigen Bürgerinitiative' zu.

Die Bürgerinitiative Schwabmünchen/Hiltenfingen hat sich bis vergangenen Freitag jeden Monat zur Mahnwache vor dem Werkstor getroffen.

'Wir haben großen Respekt vor der Entscheidung von UPM', sagt deren Sprecher Joachim Herbold, 'sie dient dem friedlichen Miteinander.'

Jetzt will UPM für den Standort ein neues Energiekonzept entwickeln, kündigt Vorstandsmitglied Wurster an. Das Ziel sei, möglichst kostengünstig Energie für den Standort zu erzeugen. Seit zwei Jahren, als Lang eine Verschiebung des Kraftwerksbaus angekündigt hatte, werde die Energie für die Ettringer Papierfabrik als 'Überbrückungslösung' mit Gas erzeugt.

Eins ist dem Geschäftsführer noch wichtig: 'Eine Botschaft darf mit der Entscheidung nicht verbunden sein: Sie hat keine negativen Auswirkungen auf den Standort.'

Das Thema habe das Landratsamt in den vergangenen Jahren 'massiv beschäftigt und belastet', sagt der Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather. 'Da stellt sich der ein oder andere Mitarbeiter jetzt wahrscheinlich schon die Frage: warum?' Der Landrat betont aber: 'Das ist die Pflicht einer Behörde, sich mit Anträgen zu befassen.' Auch wenn am Ende alles aufgehoben wird.

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