Theater
Bei der Kolping-Bühne sind die Proben für das Stück Nette Nachbarn in vollem Gange

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Ein Stuhl wird kurzerhand zur Mülltonne umfunktioniert. Als wertvolle, antike Vase aus Meissener Porzellan muss eine Plastikflasche herhalten. Das Bühnenbild ist noch nicht fertig. Die Schauspieler ziehen sich im Saal und nicht hinter den Kulissen um.

Ton- und Lichttechnik funktionieren auch noch nicht problemlos. Manchmal knattert der Rasenmäher zu spät aus den Lautsprechern, der Hund bellt zu laut oder gar nicht – und auf einmal ist es stockdunkel im Raum. Aber die Stimmung ist gut bei der Probe der Kolping-Bühne. Die Mitwirkenden lachen viel, auch wenn sie so manche Szene immer und immer wieder spielen müssen.

Der jährliche Wechsel von Theater und bunten Abenden hat sich in den vergangenen Jahren in der Gennachstadt eingebürgert. Beim aktuellen Stück 'Nette Nachbarn' aus der Feder des bisherigen Regisseurs Manfred Dempf gibt Martin Lederle sein Debüt als Spielleiter.

Der 45-Jährige ist kein Unbekannter in der Gennachstadt. Er stand als Kabarettduo mit Dempf auf der Bühne, führte bei 'Romeo und Julia' gemeinsam mit ihm Regie, spielte selbst aktiv Theater und schrieb Stücke.

Während der Probe im recht kalten Kolpingsaal wechselt Lederle immer wieder seinen Platz. Mal schaut er ganz vorne zu, mal sitzt er am anderen Ende, um zu testen, ob auch das Publikum in den hinteren Reihen alles verstehen würde. Ab und an übernimmt er auch den Part der Souffleuse und hilft bei Texthängern.

Auf der Galerie spricht er mit den Technikern und gibt Tipps für die Ton- und Lichtanlage. 'Wo bleibt der Rasenmäher?', erklingt plötzlich ein energischer Ruf hinter dem roten Samtvorhang. Die Schauspieler wollen mit dem zweiten Durchgang beginnen und warten ungeduldig auf ihr knatterndes Startsignal.

In der Pause und nach der Probe macht der Sonderschulrektor die Darsteller, die über unterschiedlich viel Bühnenerfahrung verfügen – vom Routinier bis zum absoluten Neuling – , auf ihre Fehler aufmerksam. 'Ihr wart alle zu leise, in den Sätzen zu verwaschen und zu schnell. Kleinere Texthänger sind ganz normal. Das geht weg', beruhigt der Regisseur die Mimen.

Szene für Szene

Kleiner Rückblick: Erst wurden im Sommer die Rollen, dann die Texte an die elf Schauspieler verteilt. Weil es quasi Frauenüberschuss gab, musste das Skript sogar noch einmal abgeändert werden. Seit Ende September wird zweimal pro Woche geprobt.

Häppchenweise wurden die Szenen Stück für Stück erarbeitet. 'Jetzt werden diese Einzelteile langsam zum großen Ganzen zusammengesetzt', erklärt Lederle. Nach und nach kommen nun Bühnenbild, Technik und Maske dazu, und die Darsteller müssen sich in ihre Räume hinter und unter der Bühne zurückziehen, damit bei der Premiere in gut zwei Wochen und den folgenden sechs Vorstellungen die Abläufe sitzen.

Schon bei den Proben werden die Kleinstadt-Klischees bestens bedient. Hermine Adler hat Lockenwickler im Haar und versteckt ihre Hände gerne in den Schürzentaschen.

Ihr Mann Adolf kommt mit Holzfällerhemd und Hosenträgern als Macho daher. Die grüne Latzhose passt perfekt zum Hobbygärtner Fritz Geier, der ständig seinen Rasen mäht, weil ihm 'sonst das Gras über den Kopf wächst'. Seine Frau Adelheid macht im Dirndl eine gute Figur, während Tochter Nena mit Fellweste und langen Ketten die modebewusste junge Frau gibt.

'Die Truppe stellt eine tolle Gemeinschaft dar. Es ist ein schönes Miteinander', freut sich der Regisseur. In den kommenden zwei Wochen werde an den Feinheiten gearbeitet, damit auch jede Pointe voll zur Geltung kommt.

Und dann dürfen sich die Besucher ab Ende Januar auf Theateraufführungen freuen, in denen es um ganz normale Leute geht – um Rasenmäherfreaks, Kleingarten-Besessene, brave Hausfrauen und ihre voll im Leben stehenden Ehemänner, um modisch bewusste, ausgeglichene Jugendliche. Dann gibt es vermutlich auch eine echte Mülltonne statt des Stuhls und eine echte Vase, wenn auch nicht aus Meissener Porzellan.

Premiere feiert die Kolping-Bühne am Samstag, 28. Januar, um 20 Uhr im Kolpinghaus Buchloe. Weitere Aufführungen sind an den Samstagen, 4. und 11. Februar, Freitag, 17., Samstag, 18., Freitag, 24., sowie Samstag, 25. Februar. Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen. Reservierung täglich von 15 bis 19 Uhr bei Margarete Süß, Telefon (08241) 911623. Nähere Informationen und den Sitzplan gibt es im Internet

www.kolping-buchloe.de

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