Auftritt
Alten Meistern auf neuen Pfaden angenähert

Einen vergnüglichen Opern-Abend bot Eberhard Linck dem Publikum am vergangenen Samstagabend in seinem Deutschen Haus in Waal. Der Wirt, Autor und Jazzer hatte «Die Opernbayern» für einen Auftritt auf der Kleinkunstbühne gewinnen können.

Wer allerdings einen Opern-Abend im klassischen Sinne erwartet hatte, der musste erstaunt feststellen, dass sich das achtköpfige Ensemble den großen Meistern auf neuen, erstaunlichen Pfaden näherte. Es traute sich an gewagte Neuinterpretationen von Wolfgang Amadeus Mozarts «Don Giovanni», Richard Wagners «Der fliegende Holländer» und präsentierte eine im wahrsten Sinne des Wortes herzzerreißende Schlussszene aus Giuseppe Verdis «La Traviata».

Da öffneten die Künstler sämtliche Tränendrüsen und ein vielstimmiges Heulen und Schluchzen erfüllte den Saal - denn das Publikum freute sich, ja, schüttelte sich vor Vergnügen und applaudierte herzlich ob so viel inbrünstiger Schauspielkunst.

Bis zu diesem feuchten Gefühlsausbruch hatten sich die Künstler auf ihre ganz besondere Weise dem Weiberhelden «Don Giovanni» (oder: «Allzuvui is ungsund») und dem «Fliegenden Holländer» (oder: «Weibertreu - Gspenst Ahoi») genähert. Spiel- und Musizierfreude pur.

Die jeweilige Geschichte stimmte zwar im Großen und Ganzen mit den Originalen überein, allerdings gab es reichlich Ausflüge in unsere Zeit beziehungsweise die Sprache unserer Zeit. Zum Beispiel, wenn Gerhard Jilka geschickt DDR-Anleihen wie Stasi, Interhotel, MfS, FDGB oder Überwachung («selbst aufm Klo») in den «Fliegenden Holländer» hinein operierte oder Johanna Wolff von Schutter die Wagner-Oper ebenso ungeniert wie gekonnt mit einer herrlichen Jodelarie verknüpfte. Gesungen wurde übrigens nicht, zumindest nicht viel.

Stattdessen trugen Peter Seitz neben Jilka und Johanna Wolff von Schutter die von ihr ins Bayerische transformierten Opernlibretti mit aller komödiantischen Profession, überschäumender Spielfreude und sehr viel Witz vor.

Markerschütternd und schier unglaublich zum Beispiel Johanna Wolff von Schutters Entsetzensschrei bei Don Giovannis Höllenfahrt. Immer wieder fühlte sich das Publikum zu begeistertem Beifall herausgefordert.

Reichlich Applaus gab es auch für die Instrumentalsektion des Ensembles. Die fünf Musikerinnen und Musiker der «Pitzeshofener Saitenmusik» - allesamt Virtuosen an ihren Instrumenten (Harfe, Zither, Gitarre, Kontrabass) - ergänzten das gesprochene Wort perfekt.

So wie die bayerischen Reime die ursprünglichen Texte gekonnt liebenswürdig auffrischten, vermochten auch Herbert Schmelzers Kompositionen und Arrangements den großen musikalischen Vorbildern neues Leben einzuhauchen.

Die Musiker bewiesen: Oper «funktioniert» auch mit Volksmusik, mit Landler, Zwiefachem und Polka. Und wenn Wolff von Schutter mit ihrem Schrei schon ins Mark traf, so imitierte Bernhard Mahne mit seinem Kontrabass so perfekt einen Höllenlift, dass er zunächst das Blut der Zuhörer gerinnen ließ, um sie dann zu umso heftigeren Beifall zu animieren.

«Die Opernbayern» gibt es seit 1995. Seither haben sie sich mit vielen und viel beachteten Auftritten eine große Fangemeinde erschlossen.

In Waal sind am vergangenen Wochenende sicher wieder etliche neue Anhänger hinzugekommen.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by Gogol Publishing 2002-2020