Kardiologie
75-jähriger Ostallgäuer nach zehn Jahren von Herzrhythmusstörungen befreit

'Gesundheit ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Gesundheit.' Dieses Sprichwort zeigt, wie sehr Wohlbefinden und Unwohlsein, Gesundheit und Krankheit unseren Alltag beflügeln oder belasten. Rhythmusstörungen etwa gehören zu den besonders häufigen Beeinträchtigungen der Arbeit des Herzmuskels.

Wenn das lebenswichtige Organ aus dem Takt gerät, kann Lebensgefahr drohen. Ein weiterer Teil unserer Serie „Gesundheit und Leben“ beschäftigt sich mit diesem Thema.

Stellen Sie sich vor, Sie wollen die Straße fegen. Doch schon das Aufstehen vom Sofa strengt Sie an. Endlich mit dem Besen in der Hand draußen angekommen, geht nach wenigen Metern Fegen gar nichts mehr. Zurück ins Haus. Erholen. Und von vorne. 'Für mich war Fegen Schwerstarbeit in vier Schichten', erinnert sich der heute 75-jährige Werner M. (Name von der Redaktion geändert).

Der Ostallgäuer plagte sich die vergangenen zehn Jahre mit Herzrhythmusstörungen herum, ausgelöst durch ein Vorhofflimmern in seinem Herzen. In Deutschland sind davon über eine Million Menschen betroffen. Heute ist Werner M. geheilt. Sein Dank geht an Dr. Marcus Koller, Chefarzt des Herzzentrums am Kaufbeurer Krankenhaus.

Vor über zehn Jahren hatte der Ostallgäuer erst Herzbeschwerden. Damit einher gingen ständige Müdigkeit, phasenweise Atemnot und Herzrasen. Er wurde oft untersucht, hörte von Ärzten aber nur: 'Da ist nichts.' Dann kam irgendwann dieser eine Spaziergang in Augsburg, bei dem er plötzlich stehen bleiben musste. 'Mir ging die Luft weg', beschreibt er seine Hilflosigkeit.

Ein Kardiologe entdeckte ein verstopftes Blutgefäß am Herzen. Dem Ostallgäuer wurde eine Gefäßstütze ('Stent') eingesetzt. Zwei Jahre verringerten sich die Symptome.

Doch es ging wieder los – und wurde schlimmer. Nun wurde ein Vorhofflimmern diagnostiziert. Bei dieser Krankheit setzen 'vagabundierende Zellen', wie er umschreibt, falsche Impulse im Vorhof des Herzens und bringen das Organ aus dem Rhythmus. Daher das Herzrasen. Es fließt nicht mehr die richtige Menge Blut vom Vorhof in die Kammer und von da weiter in die Gefäße. Der Körper wird nicht mehr richtig mit Blut versorgt – daher die ständige Schlaffheit und Müdigkeit. Lebensgefährlich ist diese Erkrankung nicht – im Gegensatz zu einer bekannteren Rhythmusstörung, dem Kammerflimmern.

Doch die Belastung auf den Körper ist hoch und die Gefahr von Schlaganfällen steigt immens. Der Ostallgäuer musste Medikamente nehmen. Doch an manchen Tagen hatte er bis zu zehn Stunden einen Puls über 120. Er sagt: 'Man steht völlig neben sich.'

Bei einer Rehamaßnahme erhielt Werner M. dann Kardioversionen. Ähnlich wie beim Defibrillator wird mit Stromstößen versucht, das Herz wieder im richtigen Rhythmus schlagen zu lassen. Auch das half nicht. Das Vorhofflimmern blieb sein täglicher Begleiter. 'Ich lag oft nur herum', sagt er. An körperliche Anstrengung war kaum zu denken.

Richtig ernst wurde es im März dieses Jahres. Dr. Koller stellte bei Werner M. zusätzlich ein Vorhofflattern fest, das Herzrhythmusstörungen noch verschärft. 'Das war lebensbedrohlich', so der Patient. Er wurde sofort ins Kaufbeurer Krankenhaus eingeliefert, wo eine erste Katheter-Ablation bei ihm durchgeführt wurde, um das Flattern zu beseitigen. Dabei handelt es sich um ein modernes Verfahren, für das das Herzzentrum der Kaufbeurer Klinik ein europäisches Ausbildungszentrum ist.

Bei dem Eingriff wird über einen Einstich in der Leiste ein Katheter über die Vene bis in den rechten Vorhof des Herzens geführt. Dort werden die Zellen gesucht, die falsche Impulse an den Sinusknoten schicken, der für den Herzrhythmus zuständig ist. Die Zellen werden mittels 'thermischer Verödung' quasi stillgelegt. Impulse können sie dadurch nicht mehr setzen.

Der vierstündige Eingriff brachte eine Besserung, doch für Werner M. war das nur die erste Etappe. Um gegen das Vorhofflimmern vorzugehen, führte Dr. Koller im September eine zweite Ablation durch. Diesmal musste der Katheter vom rechten auch noch in den linken Vorhof. Das heißt, dass der Operateur die Herzwand durchstoßen muss – ein gefährlicher Eingriff. 'Man macht sich seine Gedanken, wenn man dann so daliegt und alles vorbereitet wird', sagt der Ostallgäuer. Doch es ging alles glatt.

Seit dem Eingriff ist er geheilt. Nachuntersuchungen und Langzeit-EKG zeigen: Die Herzrhythmusstörungen sind beseitigt, Müdigkeit und Herzrasen kein Thema mehr. Die Jahre zuvor musste er sich stark einschränken, doch kürzlich war er sogar erstmals wieder auf Reisen.

'Ich kann jedem diese Ablation empfehlen', sagt er. 'Früher haben mich kleinste Kleinigkeiten erschöpft', so der Ostallgäuer, der heute sogar die Hoffnung hat, bald den Großteil seiner Medikamente wieder absetzen zu können. Werner M. strahlt, als ihm dieser Satz über die Lippen geht: 'Ich fühle mich wirklich wie neu geboren.' Seine Frau, die all die Jahre für ihn da war, lacht auch: 'Jetzt kann er endlich wieder Schnee schaufeln.'

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