Betrug in Breitenbrunn aufgeflogen
110 Fälle und 570.000 Euro Schaden: Bankmitarbeiterinnen bringen Ermittlungen ins Rollen

Betrüger haben in 110 Fällen 570.000 Euro erbeutet. (Symbolbild)
  • Betrüger haben in 110 Fällen 570.000 Euro erbeutet. (Symbolbild)
  • Foto: Raten-Kauf von Pixabay
  • hochgeladen von Svenja Moller

Nach einem Betrugsversuch in einer Bank in Breitenbrunn nahm die Polizei drei mutmaßliche Betrüger vorläufig fest. Das war der Auftakt zu umfangreichen Betrugsermittlungen, deren vorläufiges Fazit vier Inhaftierungen, mehrere eingefrorene Konten sowie ein Betrugsschaden von mehr als 500.000 Euro sind.

Unmittelbar davor hatten die drei mutmaßlichen Betrüger laut Polizei versucht, in zwei Bankfilialen in Loppenhausen und Breitenbrunn Geldbeträge vom Konto einer ortsansässigen Firma in Höhe von mehreren tausend Euro abzuheben, indem sie einen gefälschten Ausweis vorzeigten. Den aufmerksamen Bankmitarbeiterinnen war der Täuschungsversuch aufgefallen. Sie verweigerten die Auszahlung und verständigten die Polizei. Beamte der Polizeiinspektion Mindelheim nahmen die Tatverdächtigen wenig später fest.

Staatsanwaltschaft Memmingen eröffnet Sammelverfahren

Die Kriminalpolizei Memmingen übernahm die Ermittlungen und fand heraus, dass das mutmaßliche Betrüger-Trio an zahlreichen weiteren Orten im gesamten Bundesgebiet tätig war. Aus diesem Grund eröffnete die Staatsanwaltschaft Memmingen ein sogenanntes Sammelverfahren und übernahm die Strafverfolgung aus dem gesamten Bundesgebiet für alle derartigen Betrugsdelikte, die mutmaßlich von diesen Tatverdächtigen begangen wurden.

Schnell wurde klar, dass die Tätergruppe nicht nur aus den drei Festgenommenen bestand. Der "Geldabheber" wurde  von wechselnden Personen auf seinen Beutetouren begleitet. Im Hintergrund agierten weitere Tatverdächtige als Organisatoren.

110 Fälle von Februar bis Mai 2021

Die Ermittler werfen dem 32-jährigen festgenommenen Tatverdächtigen vor, sich im Zeitraum von Februar 2021 bis Mai 2021 in 110 Fällen in Banken als falscher Geschäftsmann mit verschiedensten gefälschten Ausweisen ausgegeben zu haben. In der Hälfte der Fälle gelang es ihm tatsächlich, sich Geld ausbezahlen zu lassen. Insgesamt entstand dabei ein Schaden in Höhe von 570.000 Euro.

Der 32-Jährige befindet sich genauso wie seine 21-jährige Begleiterin seit der Festnahmen in Untersuchungshaft. Eine 47-Jährige wurde mittlerweile wieder entlassen. Im September 2021 nahmen Beamte einen 40-Jährigen an seinem Wohnort in Brandenburg als weiteres Mitglied der Gruppierung fest. Seitdem befindet er sich ebenfalls in Untersuchungshaft. Der soll der Organisator der Taten gewesen sein.

In Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt ermittelte die Kripo Memmingen weitere Tatverdächtige, darunter auch eine weitere zentrale Figur der Gruppierung. Der 46-Jährige soll die Taten geplant und in Auftrag gegeben haben. Zudem soll er die Daten der betroffenen Firmeninhaber beschafft, die Herstellung der gefälschten Ausweise in Auftrag gegeben und die Logistik für die bundesweiten Fahrten bereitgestellt haben.

14 weitere Beschuldigte in Berlin

In einer groß angelegten gemeinsamen Festnahme- und Durchsuchungsaktion von Kripo Memmingen und LKA Berlin vollzogen die Einsatzkräfte am Mittwoch, 19.01.2022, den Haftbefehl gegen den Haupttatverdächtigen und Durchsuchungsbeschlüsse gegen 14 weitere Beschuldigte im Stadtgebiet Berlin. Letztendlich stellten die Einsatzkräfte bei der Durchsuchung von 25 Wohnungen, Firmenadressen und Lagerräumen zahlreiche Beweismittel sicher. Darunter befanden sich eine Vielzahl gefälschter in- und ausländischer Personalausweise, aber auch Behörden- und Arztstempel sowie Vordrucke von Impfausweisen. In einer Wohnung fanden sie zusätzlich noch Aufzuchtanlagen mit 25 Marihuana-Pflanzen.

Die Beamten gehen derzeit davon aus, dass einer der weiteren Beschuldigten, ein 36-Jähriger aus Berlin, einer der Hersteller der falschen Ausweise ist. Die Beamten fanden bei ihm einen Großteil der Geräte und Vordrucke zur Dokumentenfälschung.

Im Zuge der Durchsuchungsmaßnahmen froren die Ermittler auch eine Vielzahl von Bankkonten der Beschuldigten ein. Es besteht der Verdacht, dass sich auf diesen Konten Geld befindet, das die Betrüger bei Straftaten erbeutet hatten. Auf einem der gepfändeten Konten sicherten die Beamten bereits einen sechsstelligen Betrag. Die Auswertung der Beweismittel und Konten dauert noch an.

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