Tierärztin warnt
Kippfenster-Syndrom: Eine tödliche Gefahr für Katzen

Geöffnete oder gekippte Fenster und ungesicherte Balkone stellen für Katzen eine echte Lebensgefahr dar. (Symbolbild)
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Geöffnete oder gekippte Fenster und ungesicherte Balkone stellen für Katzen eine echte Lebensgefahr dar - besonders im Sommer landen immer wieder verletzte Miezen nach Stürzen in der Tierklinik. Wir haben bei der 28-jährigen Tierärztin Lisa Röder nachgefragt, was Katzenhalter beachten müssen. 

Was bedeutet Kippfenster-Syndrom?
Lisa Röder: Wenn Katzenbesitzer Fenster gekippt lassen, versuchen Katzen oft hindurch zu klettern. Sie bemerken erst zu spät, dass sie so nicht raus (bzw. rein) kommen und bleiben im gekippten Fenster hängen. Das passiert so oft, dass es inzwischen schon einen Fachbegriff dafür gibt: Kippfenster-Syndrom.

Was passiert mit einer Katze, wenn sie längere Zeit in einem gekippten Fenster hängt?
Lisa Röder: Die Katzen hängen meist auf Höhe des Bauchs/kurz vorm Becken im Fenster fest. Somit werden an dieser Stelle die Organe gequetscht (vor allem Harnblase und Enddarm) und die Blutzufuhr zu den Hintergliedmaße wird unterbrochen. Es können auch knöcherne Verletzungen entstehen.

Wie merkt man, ob die Katze verletzt ist?
Lisa Röder: Wie schwer die Katze verletzt ist, liegt daran, wie lange sie um Fenster hing. Man sollte auf jeden Fall immer direkt zum Tierarzt gehen und die Katze untersuchen lassen.

Ab wann wird es für eine Katze kritisch?
Lisa Röder: Die Hintergliedmaße der Katze sind meist schon kalt, wenn die Besitzer sie aus dem Fenster befreien. Wenn die Beine nun wieder durchblutet werden, werden Giftstoffe und auch viel Kalium in den Kreislauf geschwemmt, die während der Minderdurchblutung entstanden sind. Dies ist auch eine gefährlich Phase, da nun der Körper der Katze zusätzlich belastet wird. Meist haben die Tiere gelähmte Hintergliedmaße. Ob sich die Lähmung regeneriert, zeigt sich erst nach mehreren Tagen.

Wie hoch sind die Überlebenschancen? 
Lisa Röder: Viele Kippfenster-Katzen sterben an den Folgen. Das Wichtigste ist, dass das verletzte Tier nach der Befreiung schnell beim Tierarzt vorgestellt wird und dort direkt mit der Behandlung begonnen werden kann. Durch ein Röntgenbild werden knöcherne und offensichtliche innere Verletzungen ausgeschlossen. Auch eine Blutuntersuchung kann uns Aufschluss über die Überlebenschancen geben. Ob die arme Miez es schafft oder nicht, entscheidet sich aber oft erst nach Tagen.

Wie oft kommt es vor, dass Sie solche Tiere behandeln müssen?
Lisa Röder:  Leider viel zu oft. Manche Besitzer haben schon mal davon gehört, dass gekippte Fenster gefährlich sein können, aber diese Gefahr wird leider nie ernst genug genommen.

Wie kann man es verhindern?
Lisa Röder: Fenster komplett auf oder komplett zulassen. Ein gekipptes Fenster ist kein Katzenleben Wert!

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