Interview mit einer Wildtierökologin
Stellt der Wolf im Allgäu eine Gefahr für Mensch und Tier dar?

Im Allgäu gibt es wohl wieder einen Wolf. Kann er auch gefährlich werden? (Symbolbild)
3Bilder
  • Im Allgäu gibt es wohl wieder einen Wolf. Kann er auch gefährlich werden? (Symbolbild)
  • Foto: Marcel Langthim auf Pixabay
  • hochgeladen von Josef Brutscher

Seit einiger Zeit treibt sich im Oberallgäu wohl wieder ein Wolf herum. Das belegt ein Bild einer Fotofalle, auf das Ranger des Naturparks Nagelfluhkette gestoßen sind. Darauf ist deutlich ein Wolf zu sehen. Ob es sich um das Männchen "GW999m" handelt, das immer wieder hier und in Vorarlberg auftaucht, ist jedoch noch unklar. Die Meinungen zu dem Tier im Allgäu sind gespalten. "Willkommen im Allgäu!" sagen die einen, "Sofort abschießen!" rufen die anderen.

Dennoch macht sich so mancher Spaziergänger, Wanderer oder Bauer seine Gedanken, ob Isegrim gefährlich werden kann, oder ob sich vielleicht auch noch weitere Wölfe im Allgäu aufhalten. Wir von all-in.de haben dazu mit Agnes Hussek, der Wildtierökologin vom Jagd- und Fischereirecht des Landratsamts Oberallgäu, gesprochen:

Frau Hussek, kann der Wolf für Menschen, wie Wanderer oder Bauern, gefährlich werden?

Agnes Hussek: Wölfe sind große Beutegreifer, die theoretisch auch dem Mensch gefährlich werden können. Aggressives Verhalten gegenüber dem Mensch sowie tatsächliche Angriffe sind jedoch sehr, sehr selten. Im Fall von GW999m deutet nichts auf eine Gefahr für den Menschen hin.

Im Allgäu gibt es wohl wieder einen Wolf. Kann er auch gefährlich werden? (Symbolbild)
  • Im Allgäu gibt es wohl wieder einen Wolf. Kann er auch gefährlich werden? (Symbolbild)
  • Foto: Franz W. auf Pixabay
  • hochgeladen von Josef Brutscher

Und wie sieht es dann bei Tieren aus? Kann der Wolf für Weide- und Nutztiere eine Gefahr darstellen? 

Agnes Hussek: Bei GW999m handelt es sich um ein Einzeltier, das sich bislang wohl ausschließlich von Wildtieren ernährt. Er hat gelernt, damit auszukommen. Einen Angriff auf Nutztiere kann man dennoch nicht gänzlich ausschließen, wenn sich dem Wolf eine gute Gelegenheit dazu bietet und er hungrig ist.

Sollten Bauern möglicherweise Vorkehrungsmaßnahmen treffen? Bzw. wie könnten sie ihre Tiere schützen?

Agnes Hussek:  Es ist sinnvoll, in Wolfsgebieten, dort wo es möglich ist, Herdenschutz zu betreiben. Dort wo Herdenschutzmaßnahmen heute praktikabel umsetzbar sind und wo mit Wolfsvorkommen gerechnet werden muss, sollten die Maßnahmen auch genutzt werden. Fördermöglichkeiten hierzu gibt es. Im Fokus des Herdenschutzes steht insbesondere die Schaf- und Ziegenhaltung, da diese Nutztiere öfter von Wölfen angegriffen werden als Rinder.

Im Allgäu gibt es wohl wieder einen Wolf. Kann er auch gefährlich werden? (Symbolbild)
  • Im Allgäu gibt es wohl wieder einen Wolf. Kann er auch gefährlich werden? (Symbolbild)
  • Foto: David Mark auf Pixabay
  • hochgeladen von Josef Brutscher

Zäunungen und Herdenschutzhunde sind in den Bergen nicht überall einsetzbar. Das Oberallgäu hat sich seine Tradition der Behirtung allerdings in einigen dieser Bereiche bewahrt. Hirten leisten aktiven Herdenschutz - rund um die Uhr ist dieser jedoch nicht sicherzustellen. Technische Hilfsmittel könnten hier in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen.

Woher kommt die Bezeichnung "GW999m"? Wofür steht sie?

Agnes Hussek: Grey Wolf 999 male. Die Nummer stammt von der genetischen Zuordnung durch das Labor.

Wölfe sind ja eigentlich Rudeltiere. Kann man deshalb davon ausgehen, dass noch mehr Wölfe in der Gegend sind?

Agnes Hussek: Davon kann man nicht automatisch ausgehen. Gerade junge männliche Tiere sind häufig solitär unterwegs. Dass Einzeltiere durch das Oberallgäu streifen, auch ohne standorttreu zu werden, kann man jedoch nicht ausschließen. Eine Rudelgründung würde man hier aber mit hoher Wahrscheinlichkeit bemerken.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ