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Lebensretter
Zu Gast bei einer Prüfung für Rettungshunde und ihre Hundeführer in Kimratshofen

Ein Sonntagmorgen im Sommer auf einer Wiese nahe Kimratshofen - Die Sonne scheint, die grünen Wiesen und das für das Allgäu typische Dorf im Hintergrund schaffen ein wirklich idyllisches Bild. Aber einige Dinge wirken ungewöhnlich. Am Rand parken überall Familienvans und Kleinbusse mit umgebautem Kofferraum und das Bellen vieler Hunde durchbricht die Ruhe. Hier ist kein großes gemeinsames Gassigehen. Hier geht es um ganz ernste Dinge.

Auf den zweiten Blick fallen die Autos und roten Jacken der Johanniter auf. Nein, das ist keine Freizeitveranstaltung – hier wird gearbeitet, sich konzentriert und geschwitzt – auf zwei oder vier Beinen, in Fell oder Jacke. Wir sind bei einer Prüfung für Rettungssuchhunde.

Wir treffen Ralph Krauß, den Leiter der Rettungshundestaffel Allgäu, und 'Arrow', seinen englischen Jagdhund. Er erklärt den Ablauf der zweitägigen Veranstaltung.

Die Rettungssuchhunde in spe werden im Gehorsams- und Unterordnungstest geprüft. Unter den wachsamen Augen der Prüfer müssen sie aufs Wort gehorchen, sich einen Maulkorb anlegen lassen und es erlauben, dass fremde Menschen sie im wahrsten Sinne des Wortes auf den Arm nehmen und herumtragen. Dabei dürfen die Hunde in keiner Situation aggressiv oder ängstlich erscheinen.

Später geht es noch in den nahegelegenen Wald, wo es dann wirklich ernst wird. Die Hunde müssen in dem weitläufigen Gelände freiwillige Helfer suchen, die sich dort an verschiedenen Orten gut versteckt hingelegt haben. Die Teilnehmer der heutigen Prüfung sollen Flächensuchhunde werden – d.h. sie laufen das Gelände systematisch ab, bis sie Unregelmäßigkeiten entdecken. Wenn sie eine verletzte Person finden, ist es wichtig, dass sie ihrem Fund nicht allzu nahe kommen und lautes Bellen vermeiden, um diesen nicht zu erschrecken.

In ihrer Vorgehensweise unterscheiden sie sich damit deutlich von den Personensuchhunden (Mantrailing Dogs), die seltener sind und in der Regel mithilfe eines Kleidungsstücks auf den Geruch des gesuchten Menschen angesetzt werden. Die Anwärter auf alle Arbeiten dieser Art sollten möglichst ruhig, mittelgroß, sportlich und menschenfreundlich sein.

Aber die Prüfer konzentrieren sich heute nicht nur auf die Hunde. Sie nehmen auch die dazugehörigen Zweibeiner unter die Lupe. Ihr Umgang mit dem pelzigen Begleiter, die Beziehung zwischen Tier und Herrchen ist enorm wichtig. Lange haben beide für den heutigen Tag trainiert, es hat die Hundebesitzer auch Zeit und Geld gekostet, ihren Hund auszubilden.

"2-3 Mal pro Woche sind mehrstündige Trainingstreffen und zusätzlich noch Theoriestunden angesetzt", erklärt Hundestaffelchef Krauß. "In der Regel dauert es 2,5-3 Jahre, bis Hund und Hundeführer bereit für die Prüfung sind, mit der auch im Erfolgsfall das Üben nicht zu Ende ist". Außerdem müssen die Hundeführer eine Ausbildung zum Katastrophenschutzhelfer absolvieren und einen Sanitätskurs besuchen, um im Ernstfall Erste Hilfe leisten zu können.

Die spürbare Anspannung der Teilnehmer ist gerechtfertigt, denn der Test ist eine ernste Sache. Wer ihn besteht, ist ein fertiger Rettungshund bzw. Hundeführer. Dann kann auch jederzeit der Ruf zu einem echten Einsatz kommen.

Bei der heutigen Prüfung haben 8 von 15 angetretenen Paarungen bestanden, die Quote war ein wenig schlechter als der Durchschnitt der letzten Tests. Alle 3 Teilnehmer, die Herr Krauß ins Rennen geschickt hat, gehören zu den Glücklichen und werden wohl bald an verschiedenen Orten im Allgäu im Einsatz sein.

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