Tinnitus
Tinnitus- Experten geben bei Symposium in Bad Grönenbach Tipps für den Alltag

Ein gelegentliches Pfeifen oder Sausen im Ohr haben viele Menschen schon einmal erlebt. 'Von den zehn Millionen Menschen, die pro Jahr einen Tinnitus kriegen, wird die Erkrankung bei 250 000 Betroffenen in ein chronisches Ohrgeräusch übergehen', berichtete Prof. Gerhard Goebel auf dem sehr gut besuchten Süddeutschen Tinnitus-Symposium in der Helios-Klinik in Bad Grönenbach.

Die Ursachen hierfür könnten vielfältig und beispielsweise auf Lärm oder einen Hörsturz zurückzuführen sein. Rund 45 Prozent der Betroffenen leiden demnach unter einem sogenannten idiopathischen Tinnitus, bei dem Ursache und Krankheitsbild nicht eindeutig erkennbar sind. 'Null-Therapie ist falsch', so Goebel.

Obwohl es keine Tinnitus-Tablette gebe und die Erkrankung in weiten Bereichen nicht eindeutig therapierbar sei, müsse man alle bekannten Behandlungsvarianten anwenden, um den Betroffenen bei der Überwindung von Angst, Schlafstörungen oder auch Depressionen helfen zu können.

'Lasst mich bitte heute in Ruhe'

'An Tinnitus erkrankte Menschen sollten sich zu ihrer Krankheit bekennen und zeigen, dass Betroffene auch Leistung bringen können', ergänzte Volker Albert, Präsident der Deutschen Tinnitus-Liga. Er berichtete, dass es in Deutschland etwa 13 Millionen Hörgeschädigte gibt. Albert plädierte dafür, mit der Erkrankung sowohl in der Partnerschaft als auch innerhalb der Familie und am Arbeitsplatz offen umzugehen. Da müsse man dann halt auch mal sagen 'bei mir pfeift es ganz schrecklich, lasst mich bitte heute in Ruhe'.

Dr. Volker Kratzsch, Chefarzt der Helios-Klinik, machte darauf aufmerksam, dass sich das Hörvermögen des Menschen im Verlauf seines Lebens verändert beziehungsweise verschlechtert. Damit gehe einher, dass ein Tinnitus auch auf Schwerhörigkeit beruhen kann. Letztlich seien es drei Millionen Menschen in Deutschland, die einen Tinnitus haben. Die Hälfte davon leide mittelschwer bis unerträglich an den Ohrgeräuschen.

Das Problem dabei sei nicht die Lautstärke, sondern die Wahrnehmung des Tinnitus. So könne man auch bei völliger Taubheit an der Erkrankung leiden. Immerhin 80 Prozent der Schwerhörigen hätten Tinnitus. 'Aber durch Tinnitus kann man nicht schwerhörig werden', betonte Kratzsch. Dies sei eine große Beruhigung für alle Betroffenen. Viel hänge nach wie vor vom subjektiven Empfinden des Betroffenen ab.

So könne man an einer viel befahrenen Straße wohnen und trotz Verkehrslärm einschlafen oder das Summen einer Stechmücke einfach ignorieren. Der Tinnitus-Erkrankte könne versuchen, auch über gezielte Entspannungstechniken seine Ohrgeräusche als gegeben und weniger störend anzunehmen.

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