Heimatreporter-Beitrag
Tierrettungsurlaub im Allgäu: Drohne sucht Rehkitz

Als wir gemeinsam an einem sonnigen und schönen Vormittag auf der Wiese am Waldrand nahe Kronburg ankommen, stapft uns der bereits pensionierte Schulleiter Musch in seinen knallgelben Gummistiefeln entgegen. Dieser hat ein Rehkitz auf der Wiese aufgespürt. Am Mittag soll hier das Gras gemäht werden, und so beginnt die. Wir stoßen bei der Wanderung auf Stellen, an welchen das Gras flachgedrückt ist.

Das Gras hat nun genau die richtige Höhe für einen ersten Wiesenschnitt im Frühjahr. Es wird vor allem als Futter für die Kühe gebraucht. Da das Allgäu althergebracht durch die Milchviehwirtschaft geprägt ist, sind an diesem Ort mehr Wiesen als Äcker aufzufinden. So gibt es jedes Jahr das gleiche Problem, sagt uns der Forstwirtschaftler Freiherr von Vequel-Westernach. So fällt hierbei die Mahd mit der Zeit zusammen, in welche Rehe Junge bekommen. Viele Rehe brachten ihre Kleinen in der Wiese zur Welt oder legen diese nach der Geburt in dem Gras ab. Nach der Geburt und in den ersten Tagen kommt die Mutter zum Säugen der Jungen in dieses Versteck.

Dann zieht sie wieder zurück in den Wald und lässt das Jungtier zurück, welches hier regungslos verharrt, um vor allem vor den Fressfeinden sicher geschützt zu sein.In diesem hohen Grün verschwindet der Rehnachwuchs. Dies ist gut, denn so kann auch ein Fuchs die Tiere nicht erkennen. Auch ein Bauer auf dem Traktor oder dem Mähdrescher hat hier keine Chance, die Tiere zu entdecken. Sie werden mit vermäht. Um dies nun zu verhindern, trommeln der Baron und dessen Schwester, Carolin von Vequel-Westernach, Freiwillige zusammen, um so die Felder abzusuchen, bevor die Mähdrescher anfahren.

Auch die Pächter der Wiesen sind verpflichtet, diesen vierundzwanzig Stunden vorher zu melden, ob und wann sie mähen möchten. So haben sie ausreichend Vorlauf, jene Helfer zu finden, um das Feld durchkämmen zu können. Rechtlich betrachtet, sind die Landwirte verpflichtet, hierfür zu sorgen, dass diese bei der Mahd keine Tiere töten oder auch verstümmeln. Doch es kostet viel Zeit und auch Mühe, die Felder nach diesen versteckten Jungtieren abzusuchen. Einige Reviernachbarn seien daher auch bemüht wie sie, das Tierleid zu verhindern. Andere machten sich auch darüber sie lustig. Zum Glück kennen die Geschwister Musch. Im letzten Jahr hat er mit seiner Drohne, die er online auf Rechnung bestellt hatte, insgesamt siebenunddreißig Kitze aufgespürt, und die Rettung ist ein persönliches Anliegen. Als Musch fünfzehn war, hatte er ein Kitz vermäht. Den Schrei bekommt er bis heute nicht mehr aus seinem Ohr.

Haben die Helfer nun ein Tier gefunden, stülpen sie einen Wäschekorb über das junge Tier und verankert dies mit zwei Stecken fest im Boden. Dies soll verhindern, dass die Mutter ihr Kitz erneut in die Wiese setzt. Nun steuert Musch die Drohne über jenen Punkt, an welchem er das Kitz vermutet. Etwa drei bis vier Tage alt, raunt die Baroness zu. Diese reißt nun Grasbüschel aus und zieht sich Handschuhe an. Hierbei soll kein Menschengeruch auf das Jungtier übergehen, sonst besteht Gefahr, dass die Mutter es verstößt. Erst verharrt das junge Kitz in Schockstarre, dann ruft es laut nach der Mutter. Am Waldrand legt die Retterin das Kitz langsam auf den Waldboden.

Das Gefühl, ein Kitz vor dem Mähtod gerettet zu haben, ist beseligend. Dies sollte jedoch nie auf eigene Faust getan werden, sondern stets dem verantwortlichen Jagdpächter oder den lokalen Landwirt überlassen werden. Diese könnten dann auch den Bewirtschafter der Wiese informieren. Zwei Tage vorher haben die Geschwister insgesamt sechs Tieren das Leben gerettet.

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