Porträt
Stephan Rustige aus Trunzen erhält den Kollegenpreis des Berufsverbandes Bildender Künstler

Stephan Rustige steht an einem Scheideweg. Wieder einmal. 'Mich interessiert es wieder, in der weiten Welt etwas zu machen', erzählt der 66-jährige Künstler, der seit 30 Jahren in einem alten Bauernhaus in dem Weiler Trunzen bei Wiggensbach wohnt. Es gebe schließlich noch so viele Länder, in denen er sich spannende Kunstaktionen vorstellen könnte. Indonesien, oder Feuerland. Warum etwa nicht für eine südamerikanische Kunstmesse eine Installation entwerfen oder in Manila eine Performance mit philippinischen Künstlern machen? Es liegt ein Funkeln in seinen Augen, wenn er von solchen Plänen erzählt. Zunächst einmal erhält er aber am Sonntag den Kollegenpreis des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK) Schwaben Süd.

Über viele Jahre hatte Rustige Ehrenämter im BBK inne (unter anderem war er mit Arnulf Heimhofer Vorsitzender). Bewusst hat er sich zuletzt zurückgezogen, vor allem auch um sich seiner Kunst wieder verstärkt zu widmen. Und auch weil seine drei Söhne (19, 16, 16) langsam auf eigenen Füßen stehen, hat er wieder Lust auf Neuland bekommen. Viele Jahre war er für andere da, setzte sich dafür ein, dass Allgäuer Künstler auch außerhalb der Region wahrgenommen wurden. Er brachte die Kunstwerke seiner Kollegen in seinem meist hoffnungslos überladenen Wohnwagen zu weit entfernten Ausstellungen, etwa nach Budapest oder Bratislava. Die Reisen waren ihm wichtig.

'Ich wollte immer am Zeitgeist sein, Kontakt halten zur aktuellen Kunstszene, mich mit anderen Künstlern, Musikern austauschen', erzählt der Künstler, der auch leidenschaftlich Trompete und Euphonium spielt.

Dass er den BBK-Kollegenpreis erhält, freut ihn besonders. 'Ich bin ein Künstler für Künstler', sagt Rustige, der 1996 mit dem Kunstpreis der Stadt Kempten ausgezeichnet wurde. Durch experimentelle, expressive Performances wurde der gebürtige Stuttgarter im Allgäu bekannt. 'Ich habe teilweise halsbrecherische Aktionen gemacht', erinnert sich Rustige und fügt sogleich hinzu: 'Glück habe ich aber auch gehabt.'

Fünf Semester lang hatte er in den 60er Jahren Architektur studiert. Doch das Herz schlug für die Kunst und so studierte er von 1972 bis 1977 an der Akademie der Bildenden Künste München Malerei. 'Kunst und Bauen war immer mein Ding', sagt Rustige, dessen Urgroßvater Heinrich von Rustige (1810 – 1900) Historienmaler und Direktor der Königlichen Staatsgalerie in Stuttgart war. Farbberatungen für Firmen oder für Einrichtungen wie ein Seniorenstift in Bad Wörishofen, für das er auch das Altarbild der Kapelle entwarf, waren ein wichtiges Standbein, das ihm die freie Arbeit im Atelier und die Performances ermöglichten.

Aktuell interessiert sich Rustige vor allem für Skulpturen. Zu sehen ist dies auch in der Sonderausstellung im Rahmen der BBK-Jahresausstellung in der Kemptener Residenz. 'Im Bann des Ungewissen' heißt die imposante Schau im Fürstensaal-Foyer. 13 Werke hat Rustige hier installiert. Faszinierend die 'wuchtig-leichte' Arbeit 'Im Bann geborgen' aus Styropor, Zement und Pigmenten. Vier verschiedenfarbige 'Felsen' sind hier aufeinandergetürmt. Wie gefaltete Bilder wirken drei bemalte Stahlobjekte, in denen sich Rustige mit Werden und Vergehen auseinandersetzt.

In zwei kleinen Betonarbeiten ('Faszination, ungenau, unakzeptabel', 'Irgendwie ungeboren') kommt sein Faible für vielschichtige Oberflächenstrukturen zum Ausdruck. Meditativ und sorgsam ausgearbeitet sind abstrakte Acryl-Bilder auf Holz (etwa 'Freunde Wege'). 'Irrlichter einfangen' nennt Rustige ein vierteiliges mit Folien bespanntes Werk aus Kunstharz. Eine schillernde, märchenhafte, bunte Welt. Und auf die scheint der Künstler wieder richtig Lust zu haben.

Der Künstler in seinem Lager: Stephan Rustige. Foto: Jörg Schollenbruch

'Ich bin immer am Abgrund entlanggelaufen. Wenn man das ein Leben lang macht, gewöhnt man sich daran.'

Stephan Rustige

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