Freilichtspiele 2016
Sebastian Heerwart spielt auf der Altusrieder Freilichtbühne den Robin Hood

'Der Meister kommt', ist aus den Reihen der Schützen zu vernehmen. 'Wer den Löwenzahn trifft, gibt einen aus', gibt der Meister zurück und springt behände in die Reihe zu den zwölf konzentrierten Bogenschützen. 'Fünf, vier, drei, zwei, eins, Schuss', erklingt die Anweisung von Regieassistent Harald Holstein. Zwölf Pfeile fliegen etwa 20 Meter über die Wiese. Sechs davon treffen die viereckige Scheibe.

Die Sonne blendet noch an diesem frühen Vormittag. Das hohe Gras ist feucht. Es muss gemäht werden, bevor in einem Monat hier am Hang der Altusrieder Freilichtbühne für das monumentale Freilichtspiel "Robin Hood" ein Dorf aufgebaut sein wird. Die Bogenschützen werden es zerstören. Mit Brandpfeilen. Dafür sollten sie treffen können und trainieren deshalb seit drei Monaten.

Die Altusrieder schenken sich in diesem Jahr eine Uraufführung. Sie haben für die Geschichte um den englischen Freiheitskämpfer Musik und Text extra für die 400 Mitwirkenden schreiben lassen. Außerdem sind neben Autor und Komponist viele externe Theaterleute engagiert worden. Den Trainer fürs Bogenschießen mussten sie aber nicht erst einfliegen. Der Meister des Bogenschießens ist ein Altusrieder: Sebastian Heerwart. Und ganz nebenbei spielt er auch die Hauptrolle in diesem Spektakel.

"Robin Hood ist ein Lebensgefühl und ein Traum jedes Jungen", sagt Heerwart begeistert über seine Rolle als König der Bogenschützen. Als Neunjähriger begann er in seiner niedersächsischen Heimatstadt mit dem Bogensport. Robin Hood ist für den 37-Jährigen, der selbstständig als Kommunikationstrainer tätig ist und da vor allem mit Theatermethoden arbeitet, bei den Freilichtspielen seine zweite Hauptrolle, nach Don Quijote vor drei Jahren.

2009 ist er erstmals bei der Geschichte um den Tiroler Volkshelden "Andreas Hofer" im Volk mitgelaufen. Dieses sammelt sich jetzt gerade für die Probe der Marktszene auf der Bühne unterhalb der Bogenschützenwiese. Auch die Schützen müssen hinunter, denn einige spielen auch noch weitere Rollen. "Bogenschießen ist wie Angeln, man braucht Geduld mit sich selbst", erzählt Heerwart beim Hinabsteigen.

Einatmen, aufnehmen, spannen, zielen, loslassen. Die Bewegungsabläufe bleiben immer gleich. Umso stärker komme es auf Selbstbeherrschung und Selbstbeobachtung an. Es sei eher eine geistige Übung, ohne dass man die Kraft unterschätzen dürfe. Schließlich gilt es, zwischen 14 und 16 Kilo mit einem Arm zu ziehen.

Zwei Jahre üben

"Am besten man besitzt einen Hang zur Perfektion", sagt Heerwart über den optimalen Bogenschützen. Die ersten Schritte seien leicht zu lernen, doch um es richtig zu können und sicher zu treffen, benötige man zwei Jahre Übung. Fürs große Bogenturnier im "Robin Hood" reichen die Grundlagen. Ins Schwarze treffen müssen nur zwei: Robin und sein Widersacher Guy of Guisborn, gespielt von Christan Eberz.

Für Eberz hat das Bogenschießen vor allem mit Konzentration zu tun, ist etwas sehr Ursprüngliches. Es mit dem Meister aufzunehmen, stresst den 48-Jährigen aber nicht. Denn auch wenn Sebastian Heerwart viel Erfahrung hat, der Umgang mit einem mittelalterlichen Langbogen ist auch für ihn neu. "Jeder Holzbogen reagiert anders, deshalb bin ich nicht zwingend besser als die anderen", sagt Heerwart. So bleibt es bis zum entscheidenden Turnier spannend.

Karten für "Robin Hood" auf der Freilichtbühne (11. Juli bis 21. August) gibt es in den Service-Centern unserer Zeitung, Telefon 0831/206 55 55, und im Kartenbüro Altusried, 08373/9 22 00.

Autor:

Jana Schindler aus Kempten

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