Politik
Pohls Alkoholfahrt spaltet Freie Wähler: Kreisverbandsvorsitzender Hugo Wirthensohn legt aus Protest Amt nieder

Der Umgang der Freien Wähler mit der Alkoholfahrt ihres Bezirksvorsitzenden, des Kaufbeurer Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl, droht die Partei immer mehr zu spalten. Nach teils massiven Unmutsbekundungen an der Basis zogen nun zwei schwäbische Verantwortliche Konsequenzen.

Hugo Wirthensohn aus Altusried (Oberallgäu), Vorsitzender der Kreisvereinigung Oberallgäu/Lindau/Kempten, sowie sein Stellvertreter Friedrich Haag aus Lindenberg (Westallgäu) traten nach der Sitzung des Bezirksvorstandes am Dienstagabend mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern zurück.

'Ich kann nicht mittragen, was hier gerade passiert', macht Wirthensohn seinem Unmut über die Bezirksspitze Luft. 'Statt den Vorfall aufzuarbeiten, versteckt man sich hinter dem noch ausstehenden Blutwert. Das kann es nicht sein!' Dabei sei es völlig unerheblich, ob Pohl mit 1,1 oder 1,5 Promille am Steuer saß. 'Wir brauchen keine juristische, sondern eine politische Aufarbeitung.' Dazu gehöre es in diesem Fall auch, die eigene Vorbildfunktion zu hinterfragen und daraus Konsequenzen zu ziehen.

Was Wirthensohn besonders stört: Die Spitze der Freien Wähler lege nun dasselbe Verhalten an den Tag, das sie zuvor bei etablierten Parteien wie der CSU angeprangert habe. 'Wir müssen viel schneller reagieren, wenn jemand offenkundig ein notorisches Problem im Straßenverkehr hat.' Wirthensohn wirft Landes-Chef Hubert Aiwanger zudem vor, das Thema aussitzen zu wollen. 'Ich erwarte mir hier von einem Vorsitzenden frühzeitig eine klare Position.' Schließlich gehe es hier massiv um die Glaubwürdigkeit der Partei. Innerhalb der Freien Wähler werde jetzt ein massiver Gärprozess beginnen, kündigt Wirthensohn an. 'Wenn wir so weitermachen, kostet uns das die Basis.'

Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger betonte gestern gegenüber unserer Zeitung, dass Schwaben die zentrale Stelle sei, 'die ein Urteil spricht über die Zukunft von Bernhard Pohl als Bezirksvorsitzenden'. Nun habe der schwäbische Vorstand einstimmig einen Rücktritt Pohls zurückgewiesen, dieses Votum müsse man akzeptieren. 'Auch wenn ich sehr wohl weiß, dass es da Zwischentöne gibt.' Gleichermaßen bedauert Aiwanger, 'dass uns jetzt die Leute davonlaufen'. Trotzdem sei für ihn entscheidend, wie das Ergebnis der Blutuntersuchung ausfalle. Denn: 'Ich will nachher nicht die Scherben einsammeln müssen.'

Namhafte Politiker aus Schwaben hätten eine abgewogene und sorgfältige Gesamtbewertung des Falls Pohl gefordert, sagt Aiwanger, und keinen Schnellschuss. 'Wir brauchen ein ordnungsgemäßes, wasserdichtes Verfahren in Abstimmung mit den Schwaben, da werde ich auf die Betroffenen und Beteiligten hören', sagt er. Dazu gehöre auch die Bewertung von Pohls politischer Arbeit. 'Er ist ein altes, bewährtes Schlachtross', sagt Aiwanger. Und Rösser seien zwar schnell geschlachtet, aber man müsse dann auch erst wieder neue finden.

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